Review

1999.
Bei einer Pressekonferenz gibt Tung Chee Hwa, Chefadministrator der Sonderverwaltungszone Hong Kong, seinen Slogan zum Besten: „If HK is good, our country will be good. If our country is good, HK will be better ! And most people in HK are the same. They strive for the future of HK. Therefore I have confidence, I never worry about this. Let‘s work for the future benefits of HK !...That‘s the last question, okay ?“
„Mr. Tung, mine is indeed not a question. My friend works as debt – collectors, he asks me to say thank you to you. If you had‘t made HK economics a boom, he wouldn‘t get so much business or even survive.“

Tung grinst.

Da bisher zu den Worten nur Bilder von geschlossenen, pleitegegangenen Geschäften unterschnitten wurden, weiss man schnell, in welcher Situation sich Ivan Lais Satire auf das Triadengenre befindet. Die vorhergehenden zwei Jahre wurde Ostasien von einer Wirtschafts- und Finanzkrise erfasst, welche sich auch auf HK auswirkte; wenn auch nicht mit den hohen Verlusten anderer Staaten wie Thailand, Indonesien und Südkorea.
Die Wirtschaftsleistung der ehemaligen Kronkolonie ging dennoch aufgrund der exponierten Position als Handelsplatz Ostasiens deutlich um etwa 5% zurück; Stürze der Aktienkurse, Unternehmenspleiten und steigende Arbeitslosigkeit waren ebenfalls zu verzeichnen.
The King of Debt Collecting Agents erzählt von einem Schuldeneintreiber, der die noch anhaltende Rezession für den eigenen Aufstieg nutzt und wie in den Bereich üblich dabei auf Konkurrenten stösst, die mit anderen, gefährlicheren Mitteln arbeiten:

Tiny [ Nick Cheung ] wohnt noch bei seiner Mami [ Law Koon Lan ], die seine Studiengebühren beim Spielen verzockt hat; wodurch er auf Gelegenheitsjobs wie parking boy angewiesen ist. Als sein Arbeitgeber von Hero Cha [ Francis Ng ] wegen offener Schulden aufgesucht wird und Tiny mit in die Affäre zieht, wechselt dieser zu Hero Cha über, obwohl ihm der Job überhaupt nicht schmeckt. Allerdings ist er sehr gut darin; es reicht für eine feste Verbindung zum reichen Geschäftsmann Mr. Tang [ Austin Wai ] ebenso wie für connections zum lokalen Triadenboss Chiuchow Charm [ Anthony Wong ]. Er löst sich durch einen Trick von Hero Cha ab und gründet mit den Freunden Pa-fong [ Sam Lee ], Iron [ Turbo ] und Sway Head [ Gabriel Harrison ] seine eigene „Cheung Zun Financial Consultant Co“.
Seine kleine Gruppe bekommt aber schnell genauso Ärger mit anderen Gangs, wie es Ekin Cheng als Ho Nam in Young & Dangerous mit anderen Banden zu tun hatte; auf diesen und seine Filmreihe erfolgt dann in einer Parodie samt Perücke auch der deutlichste Vergleich.

Zur Groteske wird man mit dem Wenigen zwar noch nicht, aber auch ansonsten wird das Thema eher von der humoristischen Seite angegangen. Würden sich die Albernheiten nicht zumindest teilweise etwas zurückhalten und das Thema nicht ein nur nur damals aktuelles Problem aufgreifen, könnte man anfänglich von einer weiteren puren Nick Cheung – Komödie ausgehen.
Da sich dieser aber ebenfalls beherrscht und die Grimassen zumeist Francis Ng und den Schabernack Sam Lee überlässt und dazwischen auch einige gute Referenzen zu vorherrschenden Lage angesprochen werden, ist der Film dann auch für andere interessanter. Allerdings muss man auf eine grundsolide, wenn nicht sogar etwas zu langweilige Regie von Ivan Lai gefasst sein, der die überhand nehmenden Dialogszenen zumeist nur abfilmt und dort auch nicht die Bremse zieht, wann genug geredet wird.
Einige Male stösst man so an die Grenze, wo es zuviel und damit zu lang wird; wo man die Lage bereits erfasst hat, ohne dass sie weiter ausgeführt werden muss. Der Detailreichtum der Dialoge schliesst nicht automatisch mehr Informationen mit ein und die Inszenierung betont nicht das Wichtige über dem Unwichtigen, sondern filmt halt alles mit der gleichen mangelnden Empathie.

Es ist also kein Glengarry Glen Ross, der sich allein auf die darstellerischen Leistungen und deren Interpretation von verbalem Sprengstoff verlassen kann; dafür hat man 1 ) nicht das Drehbuch [auch wenn man laut Produktionsinfo ein geschlagenes Jahr daran gewerkelt hat] und 2 ) setzt Akteure wie Francis Ng und Anthony Wong viel zu sehr an den Rand; besonders Wong taucht kaum auf.
Die Darsteller, die stattdessen ständig im Bild sind, sind durchweg Mittelmass; teilweise sogar gar nicht auffallend oder aus falschen Gründen. Passen in der Einheit zwar zueinander, aber können bis auf den gewohnt agilen Sam Lee keinerlei Akzente setzen. Main actor Nick Cheung, der als einziger so etwas wie eine Charakterisierung und soziales Leben abbekommt, spielt ebenfalls wie immer und das auch die ganze Zeit über, wie im Automodus.
Deshalb wird zusätzlich zu dem sich nicht sonderlich behänden Tempo und der durch die Tradition bedingten Lethargie fast der Einheitsbrei anderer Milieufilme erreicht; nur der dort ausschweifende Ernst anfangs immer mal durch die Witzchen ausgehebelt.

Diese varriieren sowohl in Gangart als auch Erfolg: Mal muss der notgeile Pa-fong bei einer Statue am mamorierten Glied rumspielen und es aus Versehen auch noch Verschlucken; ein anderes Mal dient Tinys bessere Bildung dafür, mit seinem Englisch jetzt die Häuserwände mit Warnungen zweisprachig bekritzeln zu können.
Wirkliche Spitzen gehen im Dickicht des sonstigen Geredes auch etwas unter. So werden Anspielungen auf die Schwemme an Raubkopien mit „No market for pirated VCDs, the price gets so unprofitable“ zwar gesetzt, bleiben aber die Ausnahme im ansonsten leider dennoch zu sehr genreüblichen Standard. Die Probleme mit alten Bossen und neuen Rivalen werden zumeist ebenfalls im Wortspiel gelöst; man versucht es die meiste Zeit mit Tricks und Finten oder höchstens mit Androhungen, aber niemals mit Gewalt wie die Gegenseite. Für Action reicht das Budget gar nicht; die Störung des Geldsystems hat auch die nachlassende Finanzierung von Filmprojekten zur Folge.

Ob etwas mehr Radau hier gepasst hätte, ist fraglich; das wenige, was präsentiert wird, kann man aber vollends vergessen und hätte man lieber ganz seingelassen. Wie üblich hängt man sich nämlich an diesen elendigen Messerstechereien auf, dazu wird etwas geprügelt; gehört alles nicht auf die grosse Leinwand.
Auch dass der Ton rauher und betrübter wird, sorgt nicht gerade für Begeisterung, weil der Rest jetzt nicht mehr dazu passt und man Dergleichen sowieso auswendig kennt. Ausserdem fällt das geringe Budget jetzt noch viel mehr auf; man sieht ja zwischenzeitlich fast aus wie Lais furchtbarer Kingdom of Mob [ ebenfalls 1999 ].
Der Showdown als konventionellstes Element derartiger Werke streicht dann auch nur noch einmal sehr deutlich heraus, dass man ab der zweiten Hälfte wohl getreu dem „Ein Land - zwei Systeme” Motto den kecken Ton vollends vergisst und viel zu sehr der Profanität frönt. Was den Film dann nachträglich leider noch runter zieht.

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