Review

Er ist noch keine 40 Jahre alt, EDV-Spezialist und für den Kundenkontakt in seiner Firma zuständig. Mit Beobachtungsgabe durchschaut er das sinnlose Geplapper seiner Mitmenschen um ihn herum und analysiert treffend die Motivation einzelner Zeitgenossen sich auf Impulse instinktiv zu äußern. Floskeln und übersteigerte Mitteilungsbedürfnisse läßt unser namenloser Held sich selbst quälend über sich ergehen.

Michel Houellebecq schuf zweifellos einen Bestseller mit seinem Buch "Extension du domaine de la lutte". So läßt eigentlich sein Mitwirken am Drehbuch zum vorliegenden Film Hoffnung keimen, aus dem doch eher trockenen Stoff eine interessante Verfilmung gestalten zu können. Doch leider mißlang dieses Experiment gründlich. Die Psychologie hinter der Romanvorlage, die Genialität der Beobachtungsgabe Houellebecq's läßt sich nunmal nicht verfilmen ohne langweilig zu wirken. Nicht annähernd so spannend wie das Buch ist der Film nun geworden, trotz Erzählstruktur und einfallsreicher Kommentierung.

Der Vergleich zu Palahniuk's "Fight Club" scheint zwar angebracht, scheitert aber bereits im Ansatz: Fight Club ist Action, Spannung, Krimi - Houllebecq's Kampfzonenausweitung hingegen lediglich dessen psychologische Komponente, ohne visuelle actionreiche Inszenierung. Da hilft auch das Hineinschneiden von Hardcoreszenen pornographischen Inhalts nicht weiter.

Nichtsdestotrotz kann der Film mit der Präzision menschlicher Gedankenwelten faszinieren. Mehr Inhalt und Sinn hat das Buch, dem am Thema Interessierten muß hier mehr denn je die Originalvorlage empfohlen werden.

Hemmungen, hervorgerufen durch Lustlosigkeit und Desinteresse bei gleichzeitigem Verabscheuen des eigenen Jobs verstärken den Wunsch diesem Leben zu entfliehen, so daß die Geschäftsreise mit seinem Kollegen Tisserand schlußendlich das völlig gestörte Verhältnis beider Protagonisten zu Frauen, Sexualität und Menschen im allgemeinen offenbart. Beim einen gipfelt es im kurzen schmerzlosen und grotesken Tod, beim anderen im Sturz in tiefste Depressionen und dem Sich-selbst-verweigern daraus wieder herauszuwollen.

Eine Lösung gibt es nicht, als "Gschmäckle" bleibt hängen: Ein bißchen Kampfzone steckt in jedem von uns. Achten wir darauf, daß der Anteil bei uns kleiner als bei unseren beiden Großstadthelden ist.

(7/10)

Details
Ähnliche Filme