Review

Was lehrt uns dieser Streifen?
1. Man schenkt einem kleinen Kind zu Weihnachten kein Schweizer Taschenmesser
2. Wenn Männer zu Weihnachten fremdgehen, lassen sie während dieses Vorganges immer ihre Weihnachtsmann-Kostümierung an und
3. Die meisten Slasher aus den 80ern taugen nichts.

Außer der Idee, zur Weihnachtszeit in London diverse Personen in Weihnachtsmann-Verkleidung zu ermorden, bietet dieser Krimi staubtrockene Fließbandware ohne nennenswerten Wiedererkennungswert.
Nachdem Kates Dad während einer Weihnachtsfeier von einem Speer durchbohrt wurde, arbeitet sie innerhalb der Serienmorde eng mit Inspektor Harris zusammen. Dabei geraten Kates dubioser Freund sowie ein abgedrehter Journalist immer mehr unter Verdacht…

Tatsächlich ist der Kreis der Verdächtigen recht überschaubar und man stößt durch einige überdeutliche Hinweise sehr schnell auf den wahren Täter, auch wenn der Plot immer wieder einen anderen Verdächtigen in den Mittelpunkt zu rücken versucht.
Jedoch fehlt der Erzählung eine dramaturgisch nachvollziehbar gestaltete Struktur.
Wahllos fallen verkleidete Personen dem maskierten Killer zum Opfer, meistens in nächtlichen Gassen, dankenswerter Weise aber auch mal in einem Fernsehstudio oder in einem Gruselkabinett, was kulissentechnisch zumindest ein wenig Abwechslung schafft.
Allerdings kann sich kein Sympathieträger herauskristallisieren, der dem Killer, parallel zu seinem Treiben, auf die Spur kommen könnte, - vielmehr ist es Aufgabe des potentiell letzten Opfers, die Mordreihe endgültig zu beenden.

Die Morde an sich bringen zumindest verschiedene Tötungsarten ins Spiel. Oft wird mit dem Messer zugestochen, es wird aber auch stranguliert, ein Auto unter Strom gesetzt, ein Augapfel heraus gepult und eine Machete quer im Gesicht platziert.
Da die Morde recht unspektakulär in Szene gesetzt wurden, fällt für Splatterfreunde nicht allzu viel ab, die FX gehen für das sichtlich geringe Budget aber in Ordnung.

Dennoch bleibt es ein schnarchiger Krimi ohne Esprit, der, gerade weil er zur Weihnachtszeit spielt, erstaunlich wenig Atmosphäre verbreiten kann.
Londons Straßen sind kaum geschmückt und wirken eher wie an einem trüben Novembertag, als dass innerhalb der nächsten Tage Weihnachten stattfinden könnte.
Auch der Score untermauert diesen Eindruck mit blubbernden Synthie-Klängen, die auf Dauer eher nerven, anstatt vielleicht doch mal etwas deutlicher auf feierliche Melodien zurückzugreifen und dem Geschehen ein wenig Ironie zu verleihen, was im Übrigen zu keiner Zeit geschieht.

So wirkt die ganze Sache wie Stückwerk, welches zuweilen merkwürdige Schwerpunkte setzt, die wie spontane Einfälle seitens der Macher wirken, im Kontext aber wie Fremdkörper erscheinen.
Es fehlt noch etwas nackte Haut? Nun gut, zaubern wir einen Fotografen aus dem Hut, der Nacktaufnahmen macht, auch wenn das mit dem eigentlichen Geschehen nichts zu tun hat.
Es fehlt noch etwas Gesang? Okay, präsentieren wir eine drittklassige Combo mit einer arschwackelnden Sängerin, die mit der Bühnenshow über ihre dünne Stimme hinwegzutäuschen versucht.
Lediglich der Showdown kann ein wenig Spannung erzeugen, wirkt aber bezüglich vorangegangener Schlaf-Momente ebenfalls wie ein Fremdkörper.

Am Ende steht ein lahmarschiger Krimi mit Anleihen eines Slashers, der weder Spannung, noch Atmosphäre erzeugen kann. Bis auf die einigermaßen zahlreich vorhandenen Morde bietet er kaum Sehenswertes und weiß den Plot nie auf unterhaltsame Weise voranzutreiben.
Ermüdend wie eine Mitternachtsmesse nach zuviel Weihnachts-Gans…
3 von 10

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