Schauspieler Edmund Purdoms (Kultfilme wie „Ein schwarzer Tag für den Widder“, „Pieces – Stunden des Wahnsinns“ und „Fireflash – Der Tag nach dem Ende“) einzige Regiearbeit ist „Fröhliche Weihnacht“, ein Weihnachtsslasher aus der Feder des erfahrenen Exploitation-Autors Derek Ford. Die britische Produktion erschien 1984 nach einigen Querelen, so musste mind. ein weiterer Regisseur antreten, um das Projekt abzuschließen.
Herausgekommen ist ein recht spezieller Slasher, dem nur ein besonderes, abseitiges Publikum seine Aufwartung macht. Doch der Reihe nach: In London treibt zur Vorweihnachtszeit ein psychopathischer Serienmörder sein Unwesen. Er scheint es bevorzugt auf Opfer in Weihnachtsmannkostümen abgesehen zu haben – so auch auf Kates Vater. Scotland Yard um Inspektor Harris verdächtigt zunächst Kates Freund Cliff, doch sowohl der umtriebige Reporter Giles (Alan Lake, „Ein erfolgreicher Blindgänger“) als auch Inspektor Harris persönlich machen sich verdächtig…
„Fröhliche Weihnacht“ wirkt wenn nicht durchgehend, so doch zu vielen Zeitpunkten fragmentarisch und episodenhaft, es handelt sich tatsächlich beinahe um die vielzitierte lose Aneinanderreihung selbstzweckhafter Gewaltszenen, hier und da aufgelockert durch textilfreie weibliche Oberweite und zusammengehalten von einer müden Alibihandlung um auf der Stelle tappende Polizisten. Purdom übernahm neben der Regie die Rolle des Inspektor Harris, kann ihr aber kaum Leben einhauchen; sie bleibt blass und wenig memorabel. Mehr Pepp bringen Kate (Belinda Mayne, „Alien – Die Saat des Grauens kehrt zurück“) und Cliff (Gerry Sundquist, „Leidenschaftliche Blümchen“) hinein, denen man tatsächlich so etwas wie Charakter attestieren kann, doch fokussiert sich der Film letztlich zu wenig auf sie. „Fröhliche Weihnacht“ wirkt bisweilen ziemlich trashig, jedoch nimmt sich der Film trotz ernster Note niemals bierernst, weshalb es nicht schwer fällt, das zu verzeihen. Und diese Schwächen im Handlungsaufbau haben auch ihre guten Seiten: So ist die Wahl des „Final Girls“ recht überraschend, immer mal wieder scheint die Handlung eine andere Richtung einzuschlagen. Nur führt diese eben nicht dorthin, wo man es eigentlich erwarten würde, sondern nutzt der Film seine Schlenker, um in seiner bitteren Bösartigkeit nichts und niemanden zurückzulassen.
Womit wir bei der größten Stärke des Films wären: „Fröhliche Weihnacht“ ist konsequent dreckig und düster. London ist ein stinkendes Moloch, Scotland Yard eine Ansammlung unfähiger Deppen und Weihnachten eine hassenswerte Farce. Weihnachten ist die Zeit des Konsumterrors, der Heuchelei und der Kindheitstraumata. Als Weihnachtsmänner verdingen sich Alkoholiker und Peepshow-Besucher. Trotz geheuchelter Weihnachtsstimmung sind die Straßen dunkel und kalt und der Tod kann an jeder Ecke zuschlagen und dir sein Messer in den Wanst rammen. Zusammen mit dem nicht übermäßigen, aber durchaus beachtlichen visuellen Härtegrad und den in Ordnung gehenden Spezialeffekten ergibt sich eine zynische Wohlfühlatmosphäre für Weihnachtshasser und andere Gestalten, die gerne auf die dunkle Seite der Existenz schielen, statt sich in Kitsch und aufgesetzter Glückseligkeit zu suhlen.
Eine weitere Besonderheit ist, dass „Fröhliche Weihnacht“ bisweilen etwas von einem britischen Krimi hat, wobei diese Szenen leider zu den schwächsten des Films gehören. Viel besser ist da eine Gesangseinlage Caroline Munros („Maniac“), die ebenfalls in einem Desaster endet und somit nicht zum reinen Füllmittel verkommt. Stattdessen unterstreicht diese sogar ein wenig den Partyfaktor, den der Film für genreerfahrene Slasherfreaks auch ohne eine Komödie mit Holzhammerhumor zu sein aufweisen kann. Stilistisch ist „Fröhliche Weihnacht“ als „Whodunit?“-Slasher einzuordnen, wobei der Kreis der möglichen Täter sehr eingeschränkt und auch gar nicht erst wirklich versucht wird, den Zuschauer auf eine falsche Fährte zu locken. Die Maske wird irgendwann abgelegt und das psychopathologische Motiv offenbart. Schauspielerisch wird nun wirklich keine große Kunst geboten, herausgestochen ist für mich aber Kelly Baker („Die Todesparty“) als sympathisches „Experience Girl“. „Fröhliche Weihnacht“ ist für den Slasher vielleicht so ein bisschen das, was „Labyrinth des Schreckens“ für den Giallo ist: Selbstzweckhaft, schluderig inszeniert, an den Haaren herbeigezogen, übertrieben, unlogisch und eigentlich ziemlich doof, dabei aber doch charmant und irgendwie kultverdächtig, so dass sich eine handverlesene Fangemeinde um ihn schart. Und als Bonus hat „Fröhliche Weihnacht“ eben atmosphärisch und damit insgesamt die Nase vorn.