Wie viele Santa Cläuse kann man in einem einzigen Film um die Ecke bringen? Nun, im Falle von Don't Open Till Christmas sind es acht, und damit dürfte er diesbezüglich wohl Rekordhalter sein. Von wegen "Süßer die Glocken nie klingen"... "Schmieriger die Weihnachten nie waren" paßt da schon bedeutend besser.
London zur Weihnachtszeit. Ein psychopathischer Killer hat die Jagdsaison auf Weihnachtsmänner eröffnet. Mit Messer, Pistole, Speer, zerbrochener Flasche und Machete metzelt er die Rauschebärte nieder, wobei er hin und wieder, wohl zur Abwechslung, auch Nicht-Santas über den Jordan schickt. Zwischendurch trällert dann Caroline Munro (Starcrash) einen Disco-Song in einem engen roten Kleid, während Inspektor Ian Harris (Edmund Purdom) und Detective Sergeant Powell (Mark Jones) versuchen, den brutalen Täter zu finden, bevor noch mehr Weihnachtsmänner vorzeitig den Löffel abgeben. Schuld am fiesen Treiben des unheimlichen Killers mit den lachenden Augen ("His eyes, they smiled!" meint eine Zeugin) ist natürlich ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit, und der Titel des Filmes bezieht sich auf ein kleines Päckchen, welches Harris zugesandt bekommt, worauf vermerkt ist: "Don't Open Till Christmas". Na, wenn da mal keine lustige Überraschung für den Herrn Inspektor drin ist...
Don't Open Till Christmas ist einerseits ein Murksfilm von katastrophalen Ausmaßen, andererseits aber auch hübsch einfältiges Exploitation-Kino von der Insel. Wieso der Streifen nicht gut ist, läßt sich relativ leicht nachvollziehen. Produzent Dick Randall wollte, daß Edmund Purdom (Pieces, 2019 - Dopo la Caduta di New York, u. v. m.) die Hauptrolle spielt, doch der war dazu nur bereit, wenn er gleichzeitig Regie führen durfte. Wie sich bald herausstellte, hatte Purdom - der zuvor noch nie einen Film inszeniert hatte... er wird es auch kein zweites Mal tun! - keine Ahnung, wie man so was macht. Ergo war das Ergebnis ein Desaster. Drehbuchautor Derek Ford sollte aushelfen, doch da selbiger gerne einen über den Durst trank, wollte sich partout keine Verbesserung einstellen. Schlußendlich engagierte Randall Ray Selfe und Alan Killer's Moon Birkinshaw, welche den Weihnachtsslasher doch noch irgendwie in einen veröffentlichungsfähigen Zustand bringen sollten.
Das schwierige Vorhaben gelang jedoch nur bedingt, so nach dem Motto: Operation gelungen, aber Patient tot. Insofern verwundert es nicht, daß sich der Patient Don't Open Till Christmas anfühlt wie ein Zombie, der emotionslos, unbeholfen und stark schwankend durch die Szenerie stakst. Der Streifen ist von Anfang bis Ende Stückwerk, stolpert unmotiviert von einem Mord zum nächsten, nur um sich die Zeit dazwischen mit äußerst uninteressanten Figuren (wie z. B. Belinda Mayne (Alien 2 - Sulla Terra) als "Heldin" Kate Briosky) zu vertreiben. Tatsächlich erinnert der Film an einen öden Porno, nur daß anstelle der obligaten Pop-Shots einige heftige Tötungsszenen den Zuschauer bei Laune halten. In der wohl geschmacklosesten Szene des mit Geschmacklosigkeiten nicht gerade geizenden Filmes wird einem Santa beim Pinkeln sein bestes Stück amputiert; anstelle von Urin spritzt dann fröhlich Blut in das Urinal.
Das Bild, das von den Onkel Santas gezeichnet wird, ist kein schönes: sie sind meist besoffen, grölen, schimpfen, frönen der Wollust und besuchen auch schon mal eine Peep-Show. Aber auch sonst finden sich - mit Ausnahme des von Kelly Baker gespielten Peep-Show-Azubis - keine sympathische Figuren in dem Film. Darüber hinaus pulsiert in Don't Open Till Christmas eine unangenehm zynische Ader, die ihn in die Nähe des New York Rippers rückt, obwohl die exzessiv ausgewalzten Gewaltdarstellungen in Fulcis Giallo von einem ganz anderen Kaliber sind. Im Gegensatz zum Gros der Genrefilme, in denen ja meist junge Frauen mit allerlei Phallussymbolen penetriert werden, sind hier die Opfer überwiegend Männer, was für nicht sonderlich subtil verpackte homoerotische Untertöne sorgt.
Da das nicht immer logische Geschehen extrem spannungs- und lustlos dahinplätschert, adäquat begleitet von Des Dolans Synthesizer-Score, kommen wohl nur beinharte Freunde von billigem Schund auf ihre Kosten. Positiv hervorheben möchte ich noch, daß für den Streifen ausgiebig on location gedreht wurde, wie z. B. im London Dungeon, einem gruseligen Wachsfigurenkabinett, und im eher schäbigen Stadtteil Soho. Was natürlich nichts daran ändert, daß Don't Open Till Christmas einerseits ein miserables Schlockwerk, andererseits aber irgendwie auch leider geil ist.