Die Goldsucher von Arkansas
Deutschland/Italien/Frankreich 1964
Regie: Paul Martin
Das neue Glück kommt frei Haus – Teil 2
Ein Indianer vom Stamm der Mescalero, dem Teufelswasser verfallen, kommt in den Saloon von Marble City und will Whiskey haben. Erst die Moneten, meint der Barkeeper. Daraufhin holt der Indianer einen Beutel hervor und schüttet riesengroße Nuggets auf den Tresen, dass den Bleichgesichtern beinahe die Augen ausfallen. Schenk ein, schenk ein, fordert der Saloonbesitzer seinen Barkeeper auf, Alkohol löst die Zunge! Doch soweit kommt es nicht mehr, an der Tür erscheint Häuptling Brennender Pfeil und jagt seinem alkoholkranken Stammesgenossen einen Pfeil in den Rücken und flieht. Im darauf entstehenden allgemeinen Durcheinander gelingt es einem Anwesenden, der den Toten gleich durchsucht, einen Plan der Bonanza an sich zu bringen. Dieser Goldfund spricht sich natürlich wie ein Lauffeuer durch das ganze Land und es kommen Heerscharen von Abenteurern und auch zwielichtige Personen, wie der Berufspokerspieler Matt Elis (Mario Adorf), der schon nach kurzer Zeit große Macht und Einfluss erlangt, nach Marble City, Auch ein Siedlertreck unter der Führung von Tim Fletcher (Ralf Wolter), mit geistlichem Beistand, Pastor Benson (Dieter Borsche), hat sich auf den Weg gemacht, aber auch die Familie Brendel (Jane, Mary, Erik und Ma), die von zwielichtigen Gestalten unter der Führung von Jim Donavan (Philippe Lemaire) bedrängt wird, denen aber der Ranchersohn Phil Stone (Brad Harris) zu Hilfe kommt, sich darauf eine gegenseitige Sympathie mit Tochter Mary entwickelt und die sich anschließend dem Treck von Fletcher anschließen. Für Phil hat das jedoch große Auswirkungen, als er nach Hause zurückkommt, findet er seinen Vater ermordet auf, die einzige Spur ist ein Stiefelabdruck mit einem markanten O. Darauf sucht er seinen Freund, den Waldläufer Dan McCormick (Horst Frank) auf, um ihm bei der Suche nach dem Mörder behilflich zu sein. McCormick hat jedoch noch ein weiteres Problem, sein Blutsbruder Brennender Pfeil will das Kriegsbeil ausgraben, sollten die Weißen die Grenzen seines Landes nicht beachten. Inzwischen trifft der Treck in Marble City ein und die Karte der Goldader landet unbemerkt im Wagen der Brendles, da dessen Besitzer von den Schergen von Elis verfolgt und schließlich erstochen wird. Diese Karte findet durch einen wirklich sehr großen Zufall Erik Brendel und macht sich auf den Weg, die Bonanza zu entdecken. Und tatsächlich gelingt ihm das auch, aber er wurde verfolgt und als er vom vielen Gold geblendet ist, wird er erschossen. Die beiden Täter kennen sich von früher, aus gemeinsamen Tagen im Zuchthaus und beschließen, das Geheimnis für sich zu behalten. Daraufhin kommt es am Tag, als Elis auf dem Höhepunkt seiner Macht seinen eigenen Saloon eröffnet, zur großen Entscheidungsschlacht um Marble City!
Gelingt es Elis das Geheimnis der Bonanza zu lüften und die Goldader dann auszubeuten?
Was für eine Rolle spielt Pastor Benson?
Kann Phil am Mörder seines Vaters Rache nehmen und trotzdem die schöne Mary gewinnen?
Kann McCormick verhindern, dass die Indianer das Kriegsbeil ausgraben?
Wer gewinnt die finale Schlacht um Marble City?
Mit „die Goldsucher von Arkansas“ wurde ein weiterer Roman von Friedrich Gerstäcker (die Regulatoren von Arkansas) verfilmt, diesmal waren die Drehorte, durchaus passend aber nicht so imposant wie in Kroatien, in der Nähe von Prag (Tschechien) und deswegen spielen auch viele tschechische Schauspieler mit (u.a. Olga Schoberová als Mary Brendel). Leider sind nicht nur die Drehorte nicht mehr so imposant wie im Vorgängerfilm „die Flusspiraten vom Mississippi“, sondern die Geschichte ist noch mindestens eine Stufe schwächer, mit großen Logikfehlern und vorhersehbaren Ereignissen ausgefallen. Ein paar Beispiele: Ein ehemaliger Gefängnisinsasse, mit einem markanten Stiefelabdruck, der darauf hinweist, hätte diese Stiefel schon längst ausgetauscht. Wie soll der Vater von Phil dahinterkommen, dass in einem vorbeiziehenden Treck ein Mann mit zwielichtiger Vergangenheit dabei ist und wird deswegen von diesem vorbeugend ermordet? Ein Bandit, der die Brendels überfallen hat, darf im Treck mitziehen, obwohl bekannt ist, dass er Elis‘ Gefolgsmann ist! Es gibt auch ein Szenen-Recycling, vor allem bei den Indianerangriffen wurden Szenen aus den Flusspiraten wieder verwendet, was nicht gerade für Qualität bürgt.
Eigentlich wird versucht, die Karl May Verfilmungen mit namhaften Schauspielern wie Adorf, Frank und Wolter zu kopieren. An Action und Schießereien wird nicht gespart, beim fulminanten Showdown brennt die halbe Stadt ab, es wird schon einiges an Unterhaltung geboten, aber es ist irgendwie jedes Ereignis vorhersehbar und nimmt dem Film die Spannung. Adorf kann als Bösewicht überzeugen, während Frank einmal (etwas blass) den Guten spielen darf. Und Harris freute sich, wieder ein Engagement in Europa erhalten zu haben, zumal er und seine Filmpartnerin Olga Schoberová sich auch privat näherkamen.
Paul Martin, eigentlich ein Regisseur von Unterhaltungsfilmen, vor allem Musik und Operetten, konnte dann 2 Jahre später mit „Graf Bobby, der Schrecken des wilden Westens“ nochmal zeigen, was in ihm steckt!
Noch ein Wort zur Filmmusik: Heinz Gietz schuf in der deutschen Version eine pfiffige Titelmelodie mit hohem Erinnerungswert, auch wenn der Soundtrack in keinster Weise an die späteren typischen Italowestern Soundtracks herankommt. Ein Titellied wurde auch spendiert, „Viel Gold und keine Freunde” gesungen von Ralf Paulsen.
Für die italienischen Version übernahm Francesco de Masi die Titelmelodie sowie das Titellied, die restliche Musik wurde durch eigene Kompositionen ersetzt. Das Titellied singt Giulia de Mutiis, die Frau von Alessandro Alessandoni zusammen mit dem I Cantori Moderni di Alessandroni.
Meine Wertung: 4,5/10
Stimmen zum Film:
Das Lexikon des internationalen Films urteilte hart: „In den böhmischen Wäldern gefilmter deutscher Western mit viel reitender Komparserie, der die Geschichte eines Goldgräbertrecks erzählt. Langweilig, uninteressant und voller Klischees“.
Anmerkung: Wahrscheinlich hat Sergio Leone diesen Film gesehen und wurde dadurch auf Josef Egger aufmerksam, den dieser spielte dann in seinen beiden Dollar Filmen mit.
(Damals noch) Koch Media sei Dank, erfolgte eine ansprechende Veröffentlichung in der s.g. Teutonen Western Collection zusammen mit „Die Flusspiraten vom Mississippi“ und „Die schwarzen Adler von Santa Fe“, in einer sehr guten Bild- und Tonqualität.