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Stuart Gordon war so etwas wie die Horror-B-Hoffnung der Mittachtzigerjahre, denn was er in jugendlicher Frische für ein paar dünne Budgets zusammenproduzierte, war erste Sahne, was den Einfalls- und Effektreichtum anging. Noch heute gilt sein Langfilmdebut „Re-Animator“ als Perle unter Horrorfans, die mit zwei Fortsetzungen geehrt wurde, als Mischung aus ekligen Effekten und krudem Humor, unter Zuhilfenahme zeigefreundlicher sexueller Untertöne, ohne je platt zu wirken.

Meinen persönlichen Geschmack trifft „From Beyond“ jedoch mehr, eine komplett von der Leine gelassene Höllenfahrt, wieder auf Anleihen bei H.P.Lovecraft basierend, ohne jetzt speziell das Werk des Meisters verfilmend („Re-Animator“ basierte auf „Herbert West, Re-Animator“).
Sicherlich, es ist ein B-Film, aber Gordon stürzt durch die gerade mal 81 Minuten, als gäbe es kein Morgen mehr und das noch in dem Bewußtsein, daß man das nicht ernstnehmen sollte, sondern als fiesen, kleinen Exzess unter Fans. Krude Ideen, nackte Haut, seltsamer Humor und abartige, aber einfallsreiche Latexeffekte – das sollte genügen, um Interessenten vor dem Schirm zu halten.

Ungewöhnlich allein der Start, der ohne Szenen- oder Charakteraufbau den Zuschauer ins Geschehen stürzt, das Ärzteduo Tillinghurst (Jeffrey Combs im tollen Weird-Modus) und Pretorius (Ted Sorel noch weirder und widerlicher) einen Apparat namens Resonator ausprobieren läßt, das die Grenzen zwischen den Welt durchgängig macht und seltsame Wesen erscheinen läßt, die uns sonst ungesehen umgeben und sehr bissig sind.
Natürlich geht etwas schief, Pretorius verliert seinen Kopf und Tillinghurst wandert in die Klappse – Vorspann!

Bis dahin hat man das alte düstere Haus, die Abgelegenheit, den sinistren Dachboden schon etabliert – jetzt kommen auch noch die schöne Ressentiment-Schmiere dazu, wenn Carolyn Purdy-Gordon als „Schwester Ratchet“-ähnliche Psychiaterin und Barbara Crampton als Gegnerin mit modernerem Ansatz ihre gegenseitige Abneigung nur unzureichend verbergen und man in der Folge das Experiment wiederholen will – was aber nur dazu führt, daß Zirbeldrüsen mutieren, sexuelle Gelüste stimuliert werden und noch mehr schmierige Latexmonster durchs Haus glibbern.

Immer wenn man denkt, das müßte es jetzt doch gewesen sein, setzt „From Beyond“ in der Folge noch einen drauf : im Keller nagt ein gigantisches Neunauge an allem herum, Pretorius erscheint in immer neuen, mutagenen Metamorphosen und es schlabbern Fangarme, wo man nur will.
Daß man das alles nur mit sardonischem Humor nehmen kann, beweist in der Folge die Überzogenheit der Charaktere: Combs rollt stets panisch mit den Augen, Ken Forees Polizist (nur einer?) arbeitet streng an einer Selbstparodie (die Szene im Keller, wo er einen roten Minislip über sichtlich geschrumpften Genitalien trägt, ist sicher ein Highlight) und Cramptons McMichaels kriegt zunehmend den Sabberblick, wenn es um den Resonator geht, was schlußendlich (als absoluter Hit für die Fans) darin gipfelt, daß sie im sexual overdrive in ein ledernes Dominakostüm mit Strapsen steigt und damit die nächsten 10 Filmminuten verziert.
Die KNB-Crew samt John Carl Buechler und Kollegen leisten in der Folge Creature-Schwerstarbeit im Akkord, nagen Skelette ab und lassen immer weiter mutieren (Combs wächst bald ein Drittes-Auge-Tentakel aus der Stirn und lutscht Gehirne durch Augenhöhlen, bis ihm Crampton auf dem Höhepunkt das Teil abbeißt!!!), bis das alles in einem gloriosen Mutationsgematsche endet, für das Hysterie noch ziemlich tief gestapelt ist.

„From Beyond“ bedeutet 80 Minuten Dauerfeuer, nicht immer geschmackssicher und manchmal wird man des schmalen Budgets ansichtig, doch die Effektphantasien werden hier wie schon lange nicht mehr befeuert, so daß man aus dem Staunen nicht mehr rauskommt. Richtig gruselig ist das nicht, dafür aber erfreulich abseitig und strange und mit Rasanz und Liebe zum eklen Detail gefilmt.

Technisch überlebt hat sich das alles, aber zwischen all den Halden voll uninspiriertem Durchschnittsmüll, der produziert wurde, als Video total in war, bietet „From Beyond“ eine Einblick in die Möglichkeiten eines kreativen Geistes trotz beschränktem Budget. Einen Ehrenplatz in der B-Filmhalle der 80er hat er auf jeden Fall verdient. (7,5/10)

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