‚What do we know‘, he had said, ‘of the world and the universe about us?' Our means of receiving impressions are absurdly few, and our notions of surrounding objects infinitely narrow. We see things only as we are constructed to see them, and can gain no idea of their absolute nature. With five feeble senses we pretend to comprehend the boundlessly complex cosmos, yet other beings with a wider, stronger, or different range of senses might not only see very differently the things we see, but might study whole worlds of matter, energy, and life which lie close at hand, yet can never be detected with the senses we have. I have always believed that such strange, inaccessible worlds exist at our very elbows, and now I believe I have found a way to break down the barriers. [...] We shall see that at which dogs howl in the dark, and that at which cats prick up their ears after midnight. We shall see things, and other things which no breathing creature has yet seen. We shall overleap time, space, and dimensions, and without bodily motion peer to the bottom of creation.'
Was heute wie ein abgeschmackter Versuch klingt, eine tausend Mal erzählte Geschichte noch einmal einfallslos aufbereiten zu wollen, war tatsächlich einst innovativstes literarisches Schaffen, das es (wie sonst allenfalls das Œuvre Bram Stokers oder Mary Shelleys „Frankenstein") zu Wege brachte, Türen zu öffnen und einer völlig neuen Gattung Leben zu schenken: dem - der traditionellen Gothic Literatur entrückten - Horror-Roman. Der Amerikaner H.P. Lovecraft würde ein Leben lang Kurzgeschichten in einem ganz neuen Genre verfassen, und doch nur stiefmütterlich als Beigabe in Groschenheften sein schier unermessliches Schöpfertum zu Markte tragen dürfen. Erst lange nach seinem frühen, vom Frust bestimmten Tode, erkannte die inzwischen ihrer Scheuklappen verlustig gegangene Zunft die Kreativität eines Mannes, der Ideen wie die zum oben zitierten „From Beyond" (1934) in der Zwischenkriegszeit zu Papier brachte und der mit seiner grenzenlosen Fantasie und seinen bahnbrechenden Einfällen die Grundlage legte für das Filmschaffen von inzwischen mehreren Generationen an Horrorfilmregisseuren.
Viele der Kurzgeschichten H.P. Lovecrafts wurden in den letzten dreißig Jahren verfilmt. Doch wenige bereiten den am Genre ernsthaft interessierten Filmfreunden solche Hochgefühle wie „From Beyond", der wie ein Stelldichein der Genreprominenz daherkommt. Stuart Gordon, der Regisseur der noch beliebteren Lovecraft-Verfilmung „Re-Animator" (1985), schuf mit seinen bescheidenen finanziellen Mitteln im Jahre 1986 einen echten Genremeilenstein. Der Produzent dieses liebevoll erzählten Quasi-Kammerspiels, das aus Kostengründen nicht in den USA, sondern in Rom gedreht wurde, war erneut der in Insiderkreisen sehr beliebte Brian Yuzna. Dazu gesellte sich als einer der Hauptcharaktere der aus George A. Romeros „Zombie - Dawn oft he Dead" (1978) bekannte, hünenhafte Ken Foree, der noch heute als gern gesehener Gast im Horrorkino mitwirkt (etwa in Rob Zombies „Halloween" 2007). Besonders nennenswert bleibt jedoch Hauptdarsteller Jeffrey Combs („Frighteners", 1996), der nicht nur aufgrund seines Mitwirkens in einer Vielzahl von Genreproduktionen in Fankreisen regelrechten Kultstatus genießt, sondern vor allem durch sein einzigartiges Mienenspiel glänzt, das wie eine sturmgebeutelte Mischung aus latenter Enttäuschung, vorübergehenden Minderwertigkeitskomplexen und ungestümer Entschlossenheit wirkt.
Was das Herz des Lovecraft-Freunds auch begehrt, hier wird es mundgerecht serviert. Von der fiktiven Miscatonic Universität des (wiederholt in seinem Kosmos als Schauplatz genutzten, in Wirklichkeit nicht existenten) Städtchens Arkham in Massachusetts, bis zu beinahe theaterhaft agierenden Hauptfiguren wird hier alles versucht, der literarischen - übrigens nur sieben Seiten umfassenden - Vorlage bei ansonsten recht freier Interpretation ein Stück weit treu zu bleiben. Der berühmte Cthulhu-Mythos des Schriftstellers findet zwar, im Gegensatz zur achtzig Jahre alten Urfassung, seinen Eingang in den Film, doch bleibt der Hauptwidersacher als traditionelles, vom Autor erdachtes, seine Form änderndes Fabelwesen (als sogenannter „Shoggoth") nicht erkenntlich. Schlimm, liebe Beinhartfans und stolze Nerds, ist das aber nicht, denn allein die stilgerecht gestaltete Maschinerie des irren Dr. Edward Pretorius und eine Reihe gelungener Spezialeffekte trösten über nicht bebilderte tiefere Einblicke in die andere Dimension und ihrer Fantasiewesen weidlich hinweg.
Apropos tiefere Einblicke. Die gewährt uns Genre-Häschen Barbara Crampton (die hier entgegen ihrer sonstigen Gewohnheit nicht als Scream-, sondern als ledergewandete Sado-Maso-Queen von sich reden macht) angenehmerweise hingegen schon. Sie wird nämlich in einer heute eher zum Schmunzeln einladenden, recht plumpen Szene vom schleimigen, blödquatschenden und dauerlüsternen Monster-Edward-Pretorius befummelt. Nie war dieses hübsche Aushängeschild ihres Metiers übrigens so rührig wie derzeit, wo sie, einunddreißig Jahre nach Beginn ihrer Karriere, allein in diesem Jahr in fünf Horrorfilmen mitwirkte. Von ihrem Charakter findet sich in Lovecrafts Vorlage, die nur einen namentlich nicht genannten Erzähler und einen Doktor Tillinghast kennt, übrigens keine Spur.
Wie im Original arbeitet der von seiner Arbeit längst in fremde Sphären gerissene Doktor an der Funktionstüchtigkeit einer Maschine, die sich Resonator nennt. Mit dessen schwingenden Gabeln soll die Zirbeldrüse im Gehirn angeregt werden, um ein der Menschheit verloren gegangenes Organ zu stimulieren. Mit Hilfe dieses nun wachsenden Hirnareals lassen sich Blicke in Welten werfen, die zwar existieren, für die heutige Menschheit aber unsichtbar bleiben. Das Problem und eigentliche Horrorelement sowohl Lovecrafts, als auch Gordons, ist, dass in dem Moment, in dem die Paralleldimension sichtbar wird, der Betrachter auch zum Betrachteten wird, was schnell zu ungewollter Interaktion mit fischartigen Wesen und schlussendlich zum Tode eines Teils des Hauspersonals führt. Doch bei diesen der Forschung geopferten Unfällen bleibt es freilich nicht. Bald erkennt der wissenschaftliche Assistent des Projektleiters, Dr. Crawford Tillinghast (Combs), dass die Apparatur unter allen Umständen ausgeschaltet werden muss. Dessen ihn begleitende Ärztin (Crampton) allerdings, die den geistigen Zustand des Doktors begutachten soll, entdeckt bald die - bei Lovecrafts Geschichte nicht vorhandene - luststeigernde Wirkung des Resonators (deshalb der erwähnte Klamottenwechsel) und sucht das zu verhindern. Man möge dieses heute eher erheiternde Element der Story den züchtigeren Achtzigern zuschreiben, in denen ein solches Outfit mehr Aufsehen erregte als heute, und verzeihen. Die blutige Spur der Experimente führt - im Gegensatz zum Original - für ein paar Filmminuten ins Krankenhaus, wo Dr. Tillinghast, der vorübergehend unter dem Bann vom bösen Dr. Pretorius steht, allerlei Unappetitliches anrichtet. So gerät die mit Herz für die Sache inszenierte und vom Jahr 1920 nach 1986 verpflanzte Story auch visuell zu einem runden Genrebeitrag, der durch die handgemachten Effekte mit Nostalgiefaktor, aber auch aufgrund der kurzen Spielzeit von nur 86 Minuten nie langweilig wird.
Lovecrafts Cthulhu-Mythos ist im Laufe der letzten drei Jahrzehnte immer populärer geworden und erreicht inzwischen breitere Leserschichten. Star Treks „Next Generation" adaptierte mehrfach seine Ideen zu „From Beyond", ebenso wie die Serie „Stargate". Die NASA benannte gar zur Ehre des Autors einen Teil des Pluto „Cthulhu Regio". Und eine ganze Reihe von Rock- und Metalbands, deren Anhängerschaft zu einem nicht unbedeutenden Teil eine deutliche Affinität zum 1937 verstorbenen Autor erkennen lässt, bedient sich in immer größerem Umfang beim Urvater des Horrors. So schrieb die Deathmetalband „Massacre" aus Florida mit ihrem 1991er Konzeptalbum „From Beyond" gar ein wenig Rockgeschichte.
Fans leicht angestaubter Unterhaltung darf die H.P. Lovecraft-Verfilmung „From Beyond" guten Gewissens als Schmankerl empfohlen werden. Wenn der Film auch bei Neulingen sicher nicht mehr das Feuer entfachen wird, das man einst bei den Namen Brian Yuzna und Stuart Gordon lodern sah, so wirft man doch einen vergnüglichen Blick in die große Zeit des Horrorfilms und nähert sich zudem dem gefeierten Vordenker so vieler heute gebräuchlicher Genreschemata.
A: „Don't you understand? This is the greatest discovery since van Leeuwenhoek first looked through the microscope and saw an amoeba."
B: "Yeah, but he wasn't down there *with* the amoebas!"