Wenn ich „Tokyo Godfathers“ mit nur einem Wort beschreiben müsste so wäre das erste was mir einfällt „schrill“. Grund dafür sind natürlich in erster Linie das ungewöhnlichen Hauptdarstellertrio, bestehend aus einer transsexuellen Tunte, einem jungen Mädchen und einem alten Säufer, die alle drei dazu noch Obdachlos sind. Nicht grad die Leute die man in einem Film als Helden erwartet. Doch Satoshi Kon ist ja bekannt dafür das er auf diesem Gebiet andere Wege geht.
Ein weiterer Punkt der diesen Film so eine seltsame Note gibt ist die Verbindung von Komik und Tragik in der Geschichte.
Eigentlich ist die story an sich ja ziemlich düster. Leider kann ich nicht näher auf diesen Punkt eingehen ohne unverzeihlich zu spoilern, aber was so im Verlauf der Geschichte an Hintergründen, sowohl über unsere 3 Helden als auch über die Geschichte mit dem Baby, raus kommt ist teilweise schon ziemlich heftig und auch traurig. Dennoch ist der Film schon eine Komödie und man kann auch durchaus öfters lachen. Sorge dafür tragen sowohl die oft geradezu groteske Mimik und Gestik der Darsteller (besonders von Hanna) als auch viele kuriose Szenen die sich im Hintergrund abspielen. Auch hier sind diese Szenen im Grunde oftmals eigentlich überhaupt nicht lustig, aber die Art wie sie präsentiert werden führt dann doch fast unfreiwillig zu einem dicken Grinsen. Als bestes Beispiel sei hier nur der Verkehrsunfall oder der Tod des weißhaarigen Penners zu nennen. Sehr gut gemacht.
Allerdings hat die Geschichte auch einige schwächen, so bleibt doch einiges über die Charaktere im dunkeln und auch der Plot strauchelt doch des öfteren etwas. Für meinen Geschmack ist schon etwas zu viel Zufall bei der Story dabei, was die Geschichte immer mal wieder arg ins unrealistische kippen lässt. Überhaupt schwankt der Film IMHO irgendwie immer zwischen Weinachtsmärchen und realer Geschichte. Aber das macht auch irgendwie seinen besonderen Charme aus. Obwohl ein komplett realistisch gehaltener Plot vielleicht auch seinen Reiz gehabt hätte.
Aber so vollgestopft wie die Geschichte ist wäre es vielleicht auch um einiges schwieriger gewesen das alles sinnvoll miteinander zu verknüpfen.
Aber was man dem Film im Punkto übertriebene Mimik und Gestik oder unrealistischer Plotcontinuess auch vorwerfen mag, eines wird er nie - und zwar langweilig.
Auf der optischen Seite setzt der Film sein Schwanken dann leider auch kontinuierlich fort.
So schwankt er zwischen wirklich äußerst schönen Designs und Animationen, die sich besonders bei dem Stadtbild (Häuser, Straßen, Reklame, etc.) zeigen, und höchstens mittelprächtigen Sequenzen (besonders wenn gerannt wird). Erstere sind aber erfreulicher weise deutlich in der Überzahl. Auch der fallende Schnee gefällt mir persönlich z.B. sehr gut und eine schöne animierte Kamerafahrt gibt es zum Beispiel zu sehen wenn der Attentäter Miyuki zu seiner Wohnung führt.
Auch die Charakterdesigns gefallen mir und tragen mit ihrer schrillen Art sehr zur Stimmung und dem Charme des Films bei.
Ebenfalls noch erwähnenswert ist der coole Soundtrack, der wirklich sehr stimmig ist und unter anderem Klassiker wie „Stille Nacht“ oder auch „Freude schöner Götterfunken“ beinhaltet und die Stimmung perfekt komplettiert.
Also trotz einiger Schwachpunkte bleibt „Tokyo Godfathers“ ein wirklich sehr guter und unterhaltsamer Film der von Anfang bis Ende bestens zu unterhalten weiß.
Nicht ganz so gut wie „Perfect Blue“ aber trotzdem noch überdurchschnittlich.
Ich kann aber auch verstehen wenn Leute sagen das ihnen der Film überhaupt nicht gefällt, den in seiner ganzen Art ist er doch sehr „Geschmackssache“.