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Die heiligen drei Obdachlosen


Drei Obdachlose - ein extrovertierter Transvestit, eine kleine Ausreißerin, ein alter Miesepeter - finden an Weihnachten auf der Müllhalde ein Baby. Nun kümmern sie sich um das süße „Geschenk“, wollen es allerdings am besten und verständlicherweise auch zu seiner Familie zurückbringen. Doch dieses Unterfangen stellt sich als schwieriger und ambivalenter dar, als zuerst gedacht, da die Frage im Raum steht, wer und warum man sein Kind „wegwirft“. Außerdem wird jeder der drei unterschiedlichen Nomaden, die sich aber trotz aller Meinungsverschiedenheiten wie eine Familie fühlen, dabei mit seiner eigenen, komplizierten Vergangenheit konfrontiert...

„Tokyo Godfathers“ ist höchstens unter Animefans als Weihnachtsklassiker bekannt. Doch er hätte das Zeug dazu, auch bei den restlichen Leuten dazu aufzusteigen, da er ein wirklich bezaubernder, reichhaltiger Film ist. Alle drei Hauptfiguren sind glaubhaft und auf ihre schrullige Art liebenswert gezeichnet und charakterisiert, das weihnachtliche Tokio sieht klasse aus und versprüht eine ganz besondere Stimmung, die deutschen Synchronsprecher machen einen bemerkenswert starken Job. Zudem wird ein interessantes, mehrschichtiges Bild von Obdachlosigkeit, Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe gezeichnet, dass man in dieser Art noch nicht allzu oft gesehen hat. Und dass, obwohl die Story in ihren Grundzügen altbekannt ist. Hier wirkt dennoch alles frisch und eines Satoshi Kon würdig. Wer dessen sonstige Animes wie „Paprika“, „Millennium Actress“ oder „Perfect Blue“ genauso liebt wie ich, für den ist das hier ein No-Brainer. „Tokyo Godfathers“ ist rührend aber nie rührselig, süß aber nie kitschig, realistisch aber nie ohne Zauber. Der Geist der Weihnacht bewohnt manchmal die überraschendsten Orte und Gemeinschaften... 

Fazit: Xmas meets Anime-Royalty - absolut bereichernd und herzerwärmend. Unter-dem-Radar-Klassiker zum Feste! Selbst für Nicht-Anime-Fans! Traut euch. Bereuen ausgeschlossen. 

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