Der in den USA lebende iranische Ex-Colonel Amir Behrani liess seinerzeit hochgewachsene Bäume fällen, weil sie die Sicht auf das Meer versperrten. Diese Szene ist eine schöne Metapher für Vadim Perelmans Spielfilm-Regie-Debüt, in der die Hauptfiguren mit aller Gewalt und ohne jeglichen Bedacht der Konsequenzen ihre Version von "Glück" erzwingen wollen.
Amir Behrani ersteigert nach einem Fehl-Verfahren das zwangsversteigerte Haus von Kathy Nicolo, die mit aller Macht ihr ursprüngliches Eigentum zurückverlangt. Aus Liebe schlägt sich bald der ungestüme Polizist Lester Burdon auf ihre Seite und die Situation spitzt sich zu...
"Haus aus Sand und Nebel" ist in erster Linie ein Film über Immigration. Nicht ungeschickt werden westliche und orientalische Traditionen sowie Lebenseinstellungen kontrastiert und es entsteht dabei ein kaum zu verhehlender antiamerikanischer Ansatz. Der Ex-Colonel besitzt Selbstsicherheit, Präsenz, einen scharfen Intellekt, ist kultiviert sowie überzogenen egoistisch. Kathy ist ein therapiebedürftiges, mitleiderregendes Wrack, das in ihrer Heimat nie den Status ihres Gegenspielers genießen durfte und sich mit ihrer Situation bereits längst abgefunden hat. Während Behrani um das letzte bißchen Würde in der neuen Welt kämpft wie ein Löwe, bettelt sie wie ein kleines Kind nach Halt in jeder Beziehung...
Eine konkrete Stellung bezieht der Film allerdings nicht. Jede Figur handelt im Endeffekt aus purer Verzweiflung und auch wenn Behrani zu Beginn als "Bösewicht" skizziert wird, der erst in der Not Größe zeigt, während Kathy als das schwache Wesen um Anteilnahme heischt, verweigert der Film jegliche Position. Ethnische und menschliche Differenzen werden in bewegenden Szenen übersprungen und trotzdem schafft es der Film stereotpische "Be-better-People"-Aussagen zu umgehen, konzentriert sich ausschließlich auf das Schicksal seiner Protagonisten und deren ungebremster Lauf in die Katastrophe.
Genau dann trägt der Film auch leider gerne mal etwas zu dick auf. Das Finale ist von fast unglaubwürdig ausschweifenden Tragik gesäumt, obwohl es die Regie gerade in den Nuancen meisterhaft beherrscht, große Emotionen zu vermitteln...
Die Hauptdarsteller sind übrigens Ben Kingsley und Jennifer Connelly - mehr muss wohl nicht gesagt werden.
Ausser vielleicht die Anmerkung, das in der kurzen Einstellung, in der Behrani das erste mal Anteil an Kathy nimmt und ihr in rührender Weise Zutritt in ihr eigentlich beider Heim gewährt, einen wunderschönen Moment darstellt. Diese beiden Ausnahme-Schaupieler in so einem intimen Augenblick zu erleben ist ein ...großartig.