Review

+SPOILER-WARNUNG+
Cronenbergs Horror-Remake aus dem Jahre 1986 (Original von 1958) hat bis heute nichts von seiner Faszination und Ekelkraft eingebüßt. Die Geschichte eines Wissenschaftlers, dessen Gene während eines mißglückten Experiments mit denen einer Stubenfliege verschmolzen werden, und der langsam erkennt, daß er zu einem anderen Wesen mutiert, wird emotional und tricktechnisch intensiv erzählt.

Die Hauptrollen sind mit Jeff Goldblum und Geena Davis (in ihrer ersten großen Filmrolle, soweit ich weiß) sehr gut besetzt. Goldblum, den ich nicht zu den besten Schauspielern zähle, gibt einen leicht schrägen und typischerweise eigenbrötlerischen Wissenschaftler namens Seth Brundle, dessen merkwürdige Art einen spröden Humor besitzt. In dieser Rolle mag ich ihn.
Auch Geena Davis, die eine Wissenschaftsjournalistin spielt, zeigt eine große Bandbreite von Emotionen auf natürliche und glaubhafte Weise.

Die erste Hälfte des Films gibt sich relativ ruhig und verzichtet bis auf eine Ausnahme auf Schocks, ist aber aufgrund der guten Darsteller nicht langweilig. Seth Brundle zeigt der Journalistin Veronica sein experimentelles Teleportationssystem, dessen Funktionstüchtigkeit sie anfangs bezweifelt. Doch nach einer (nicht sonderlich eindrucksvollen) Demonstration wittert sie die Karriere-Chance ihres Lebens! Seth und Veronica kommen sich näher und verlieben sich ineinander. All das wirkt nicht allzu aufgesetzt und versprüht sogar etwas Erotik (bei Jeff Goldblum eher schwer vorstellbar).
Nachdem sich Seth dann in einem Anfall von Eifersucht (Veronica hat Probleme mit ihrem Boss und Ex-Geliebten, gut gespielt von John Getz) selbst teleportiert, gerät eine Fliege mit in die Teleporterkammer und der Computer "splict" dann die Gene beider zusammen. Doch Seth erscheint zunächst nicht verändert. Im Laufe der Zeit aber erkennt er, daß er über außergewöhnliche Kräfte verfügt (Stärke und immense Ausdauer) und einen immer drängenderen Hunger auf Kohlehydrate verspürt. Schließlich zeigen sich auch deutlich äußerliche Symptome der Veränderung: Hautverfärbungen, Haar- und Fingernagelausfall, merkwürdigen Borstenwuchs. Ab hier nehmen auch zusehends die Effektspezialisten (federführend hier: Chris Wallas) die Dinge in die Hand und verwandeln Goldblum nach und nach in einen widerlichen Albtraum. Wie ihm dann nach und nach Körperteile aus- bzw. abfallen, sollten allzu Zartbesaitete sich eher nicht antun.
Trotz alledem bemüht sich der Film, immer auch den Menschen im Monster zu zeigen. Brundles Versuch, mit sich und den Veränderungen rational und wissenschaftlich klarzukommen, ist manchmal rührend, manchmal bitter. Langsam jedoch schleicht sich der Wahnsinn ein.
Als Veronica, die alles versucht hat, ihm zu helfen, schließlich ohnmächtig kapituliert, erfährt Seth, daß sie ein Kind erwartet. Nun heckt er einen irrsinnigen Plan aus, Veronica, das Kind und sich selbst per Teleporter in ein gänzlich neues Wesen zu verwandeln...

Der Showdown von DIE FLIEGE zählt auch heute noch zu den ekeligsten Szenen, die ich bislang gesehen habe. Was das Grauen hier so überzeugend macht, ist die Tatsache, daß es auf sehr personifizierter Ebene geschieht. Man empfindet Mitleid, da man Seths Werdegang vom schrulligen, sympathischen Wissenschaftler in ein groteskes Albtraumwesen stufenweise mitverfolgt. Hier zerplatzen keine gesichtslosen Zombies oder ein fremdes, unnahbares (da unpersonifiziertes) Monster. Es sind auch keine Spezialkommandos oder bis an die Zähne bewaffnete Helden auf der Jagd nach ihm. Und so gelingt dem Film, was ich bislang nicht oft erlebt habe: er ekelt den Zuschauer vor der Fliege, doch er erzeugt auch Mitleid.
Und als das groteske Mutantending am Ende erkennt, daß alle seine letzten Hoffnungen dahin sind, und mit stiller Geste um seinen Tod bettelt, ist man traurig und erlöst zugleich.

FAZIT:
Auch, wenn man diesen Film nicht mit der emotionalen Anteilnahme wie ich anschauen will (oder kann) und ihn "nur" als Effekte-Kino und gore-haltigen Monster-Horror betrachtet, wird man vollauf bedient. Die Effekte sind erstklassig (es geht eben nichts über ein echtes Modell und handgemachte Tricks) und teilweise sehr hart, die Geschichte ohne größere, logische Schwächen und die Darsteller überzeugend. Ein moderner Horror-Klassiker, gar keine Frage! (8/10)

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