David Cronenberg nahm sich Mitte der 80er Jahre Zeit, um diesen einzigartigen, tiefgründig-genialen Horrortrip zu inszenieren. Ihm gelang nicht nur ein mitunter recht ekliger Schocker, sondern ein stilles Drama um ein tödliches Missgeschick, was aus berechtigtem Ehrgeiz heraus entstand. So könnte man bis auf ein paar Ausnahmeszenen den Film fast schon als eine Art Kammerspiel sehen, der seine Hauptfigur auf einen schmerzhaft in die Länge gezogenen Todestrip schickt, der von der ersten Minute an fesselt.
Seth Brundle (in besseren Zeiten und mit wahnsinniger Haarpracht: Jeff Goldblum) arbeitet im Geheimen an einer Maschine, mit der es möglich ist, Dinge von A nach B zu teleportieren. Der Außenwelt völlig fremd, isoliert ihn sein Projekt, welches der Film erst relativ spät zu begleiten beginnt extrem. Einzig die engagierte Reporterin Veronica (weinerlich: Geena Davis) dringt zu ihm vor und wagt einen Besuch in seine Konstruktionsstätte. Und schnell ist sie nicht nur von Seths Arbeit, sondern auch von ihm selbst überzeugt – doch das Teleportieren von organischem Material will nur zögerlich gelingen, besonders lebendige Materie will nicht so richtig durchgehen. In einem Selbstversuch, in dem Seth sich selbst versucht, zu teleportieren, beginnt das Drama: eine Stubenfliege gelangt versehentlich in die Kammer, und wird zusammen mit Seth verfrachtet. Dabei vermischt der Computer das Genmaterial und erzeugt aus zwei Lebewesen eins – einen Fliegenmenschen. Doch die Mutation kommt nicht sofort, sondern nach und nach, und so verändert sich nicht nur Seths Körper, sondern auch sein Verstand, und wie er wird die Situation immer verhängnisvoller...
Der Film brilliert gleich an mehreren Stellen. Zum einen schont er den Zuschauer nicht damit, die Mutation zur Fliege mit allerhand ekligem Detail aufzubereiten, sodass dem Zuschauer ein (un)köstliches Horrorszenario geboten wird, was mit Sicherheit nicht jedermanns Sache ist. Zum anderen geht es Cronenberg auch sehr darum, den Charakter des Seth Brundle genauestens zu zeichnen, einen genialen Tüftler, der auf seinem Gebiet die Welt verändern könnte, doch auf der anderen Seite einen Einzelgänger, der den Kontakt zur Außenwelt nicht nur aufgrund der Geheimhaltung meidet, sondern auch weil soziale Interaktion für ihn ein Fremdwort ist. So kann ihm auch Geena Davis keinen Halt bieten, und der Zuschauer muss „mit ansehen“, wie ein gebrochener Charakter absolut hilflos zum Insekt umgewandelt wird, ohne jede Gnade. Um den Wissenschaftler entsteht ein stilles Kammerspiel in seinen vier Wänden, welches den genialen Geist in all seinem Ehrgeiz alleine lässt, wodurch die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn sehr schnell zu verschwimmen droht.
Neben den doch vergleichsweise sparsam eingestreuten Splattereinlagen wirkt der Film extrem unaufdringlich in seiner Art und erreicht (zumindest bei mir) ein ungeahntes Maß an Sympathie, was durch die Schauspieler noch erneut verstärkt wird. So ist der Ausgang nicht nur wegen dem Tod des Hauptdarstellers so dramatisch (das wird dem Zuschauer ohnehin sehr schnell gewiss) – auch durch die Tatsache, dass all die geniale Arbeit, die eigentlich hinter der Tragödie steht, so zum Scheitern verurteilt ist; symbolisch wird dies dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die Lichter der Laborhalle zu flimmern beginnen und schließlich ausgehen und den Film beenden.
Meiner Meinung nach einer der besten Horrorfilme aller Zeiten. Keinesfalls reißerisch und doch hart, mit gelungener Atmosphäre, intelligentem Drehbuch und mühevoller Kameraarbeit. Schade, dass sich Cronenberg mengenmäßig eher zurückgehalten hat. Absolute Höchstwertung.