Ähnlich wie in Roger Cormans Klassiker von 1958 handelt dieses Remake von einem Wissenschaftler, der an einer Möglichkeit der Teleportation forscht. Eigenbrötlerisch arbeitet Seth Brundle an seinem Werk, bis er die Journalistin Veronica Quaife kennenlernt, die den Werdegang dokumentiert. Nach anfänglichen Fehlschlägen gelingt es, einen Affen zu teleportieren, der Höhepunkt soll nach Seths Vorstellungen ein Mensch als Versuchsobjekt sein. Wie auch damals Vincent Price, treibt es den besessenen Forscher zu einem Selbstversuch, der dramatisch endet, da sich eine kleine Fliege unbemerkt mit in der Telebox befindet. Das Ergebnis ist weniger eine zusammengesetzte Mensch-/Fliegenkreatur, als ein stetig mutierendes, monströses Wesen, das sowohl äußerlich als auch mit seinen Fähigkeiten eine erschreckende Veränderung durchmacht. Eingebettet in eine Liebesgeschichte erzählt David Cronenberg sein horrifizierendes Science-Fiction-Drama, das zwar als Skript neben Cronenberg wieder aus der Feder von George Langelaan stammt, doch nur zu gut in das Gesamtbild des Kanadiers passt. Mit kritischem Blick auf neue Entwicklungen wie Genforschung oder auch Seitenhieben gegenüber Politikern schuf er einen Genreklassiker, der ähnlich wie seine vorigen Werke um Körpermodifikationen und sexuelle Obsessionen kreist. Jeff Goldblum brilliert durch sein facettenreiches Spiel in der Hauptrolle des etwas skurrilen, doch menschlichen Wissenschaftlers, der als Antrieb für seine Arbeit als Fahrzeughasser auftritt. Zunächst nichts über seine Genverschmelzung ahnend nimmt er immer schrägere Züge an, der Vorgang des Teleports wirkt fast wie eine drogenartige Stimulanz, die unglaubliche Ausdauer einer Fliege lässt ihm den phantastischen Zustand als reinigend erscheinen. Cronenberg, der selbst kurz als OP-Arzt zu sehen ist (typisch, ohne Klinikszene geht es mal wieder nicht), geht viel weiter als sein Vorgänger Corman, die gewohnten Ekeleinlagen des Regisseurs fehlen auch hier nicht. Egal, ob Fingernägel abreissen oder ein Armdrücken mit einem offenem Bruch endet, die exzellenten SFX auf der Höhe der Zeit werden dem Ruf des Meisters des organischen Horrors gerecht. Doch bei allem Blut und Schleim fehlt es der Brundle-Fliege nicht an schwarzem Humor, das Finale wirkt sogar schon wie eine Hommage an alte, trashige Monsterfilme. Trotz dieser Verbeugung vor den phantastischen Zukunftsvisionen der 50er Jahre stellt Cronenberg besonders das tragische Drama zwischen Veronica und Seth heraus, im Gegensatz zur leblosen Computertechnik. Ein happy end gibt es konsequenterweise nicht, dafür eine grandiose Szene, in der ein Widersacher mit erbrochenem, ätzendem Fliegenspeichel teilweise aufgelöst wird, grandios! Von solchen wohldosierten Einlagen mal abgesehen funktioniert "Die Fliege" allerdings vor allem, da dieser schöne Film schauspielerisch, kameratechnisch und inszenatorisch ohne Schwächen ist, Storyverlauf und Dramatik sind schlüssig und spannend.
Fazit: Wenn nur alle Remakes so schön wären. Die gelungene, eigenständige Adaption des klassischen Stoffes verdient zurecht einen Platz in der Oberliga. 8/10 Punkten