Review

Die 80’er brachten so einige wegweisende Horrorklassiker hervor, „Die Fliege“ von 1986 gehört defintiv dazu. Die Neuinterpretation zum gleichnamigen Meilenstein von 1958 ist kein Remake im eigentlichen Sinne, da die dramatische Komponente der Metamorphose von Mensch zu Fliege vielmehr im Mittelpunkt steht.

Der geniale Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) hat eine revolutionäre Erfindung gemacht, welche das Reisen von A nach B so wie wir es kennen überflüssig macht. Der von ihm entwickelte Teleporter zerlegt Materie um sie an anderer Stelle neu zusammenzusetzen. Zunächst funktioniert seine Wundermaschine nur bei toten Gegenständen, durch den eigenen Ansporn und die wissbegierige Journalistin Veronica (Geena Davis) versucht Brundle auch sein Glück an Organismen. Dabei wird er aber immer wieder mit herben Rückschlägen konfrontiert, wie ein erster Versuch mit Pavianen zeigt. Erst als Seth den Computer mit der Komplexität lebender Materie vertraut macht glückt das Experiment. Brundle wird vom eigenen Ergeiz übermannt - statt lange Testreihen abzuwarten steigt er selbst in den Transporter. Er betritt den Apparat jedoch nicht allein, eine Hausfliege befindet sich ebenfalls in der Kammer, mit fatalen Folgen…

Die Story des Films ist genial und vermischt auf geniale Weise Sci-Fi mit Horrorelementen. Teleportation beziehungsweise beamen ist spätestens seit „Star Trek“ ein beliebtes Mittel der Science-Fiction um Menschen auf fortschrittliche Art und Weise zu transportieren. In „Die Fliege“ rückt die Schattenseite des wissenschaftlichen Fortschritts und menschlichen Übereifers in den Mittelpunkt des Geschehens. Dabei gefällt nicht nur der interessante Plot an sich, sondern besonders das Element der Metamorphose. Es ist schon eine schreckliche Vorstellung wie der eigene Körper zusehends verfällt und sich in eine undefinierbare Form mit unbekanntem Endergebnis verwandelt, in diesem Fall eine gewöhnliche Stubenfliege.

Cronenberg zelebriert den langsamen Zersetzungsprozess von Brundle förmlich und stellt die Veränderungen bis ins letzte Detail dar. Schwache Mägen werden dabei auf eine harte Probe gestellt wenn Brundle die einzelnen Stadien der Verwandlung durchläuft. Nach ersten positiven Veränderungen wie gesteigerte körperliche- und sexuelle Leistungsfähigkeit, beginnt ein wahrer Albtraum. Seth reist sich die Fingernägel aus, verliert nach und nach Körperteile und wird zunehmend aggressiver. Einige Szenen gehen dabei richtig ins Mark und sind an Ekel schwer zu überbieten. Wer schon immer mal wissen wollte wie eine Mensch-Fliege Nahrung zu sich nimmt hat hier die Gelegenheit, sollte aber nicht gerade selbst gegessen haben da einem schnell der Appetit vergeht. Das FX-Team kann sich so richtig austoben und leistet sehr überzeugende Arbeit. Der Latexanzug von Goldblum sieht zwar auch wie einer aus, durch viele eklige Details besonders im aufreibenden Finale, fällt dies aber nicht so schwer ins Gewicht.

Hoch anrechnen muß man Cronenberg das er den Prozess der Verwandlung nicht nur auf Splatter- und Ekelszenen reduziert, sondern die Geschichte auch dramatisch erzählt. Dabei steht besonders die emotionale Beziehung zwischen Seth und Veronica im Vordergrund. Die menschliche Entfremdung beider spielt eine tragende Rolle, da Brundle immer mehr die Kontrolle über sich verliert und sich auch gefühlsmäßig einem Insekt annähert. Stellenweise übertreibt man es dann aber etwas und wird unnötig theatralisch. Die Rolle von Geena Davis nervt dadurch auf Dauer etwas, da sie nicht viel mehr als heulen und schreien darf. Goldblum liefert hingegen unter der dicken Gummihaut eine überzeugende und eindringliche Vorstellung ab.

Fazit:
„Die Fliege“ ist ein interessanter Genre-Mix aus Sci-Fi und Horrorelementen, bei dem besonders die heftigen Ekelszenen gefallen. Die intelligente Rahmenhandlung kann dabei locker mit den zahlreichen Schauwerten mithalten, was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Die Fortsetzung "Die Fliege 2" erreicht diese Qualitäten nicht annähernd. Cronenbergs eindrucksvollste Regieleistung.

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