In den 80ern kamen gleich drei große Horror-Remakes heraus, die mit verbesserten Effekten und neuen Storyansätzen ihre Vorgänger überflügelten: „The Thing“, „The Blob“ und „The Fly“.
„Die Fliege“ dreht sich um den Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum), der vor seinem großen Durchbruch steht: Er hat das Teleportieren erfunden. Er lernt die Journalistin Veronica ’Ronnie’ Quaif (Geena Davis) kennen, erzählt ihr von dem Experiment und bekommt auch durch sie den Antrieb energischer zu forschen, denn er kann noch keine lebende Materie teleportieren. Seth gehört zu den Wissenschaftlern, wie man sie sich vorstellt: Herzensgut, etwas zerstreut und nicht sonderlich kompetent in sozialen Kontakten, aber er kann Ronnie für sich erobern.
Doch nach einem Geistesblitz gelingt auch dies mit einem Versuchstier. Doch als Seth auf den falschen Gedanken kommt, Ronnie könne ihn betrügen, startet er einen gefährlichen Selbstversuch. Er merkt jedoch nicht, dass er eine Fliege mit teleportiert und sich ihre Gene dabei vermischen...
Tauschten Wissenschaftler und Insekt im Original noch die Köpfe, so kommt es im Remake zu einer typischen Cronenbergianischen Mutation des Fleisches. Seth beginnt sich körperlich zu verändern, sein Körper wird schwammig, seine Haut verformt sich und er muss seine Nahrung wie eine Fliege auflösen. Dabei werden die FX jedoch wohldosiert eingesetzt, gerade Gore kommt nur selten zum Zug (z.B. bei der Armbruchszene und im Finale), doch gerade dadurch wirken die FX beeindruckend. Zudem hat „Die Fliege“ den Charme des Handgemachten zu bieten, welcher die Effekte aus dieser Epoche immer noch so toll wirken lässt.
Doch viel wichtiger als die Effekte ist die Story, welche in gewisser Weise den Frankenstein-Mythos neu erzählt – mit Brundle als Frankenstein und dessen Kreatur in einer Person. Auf der Suche nach Fortschritt für die Menschheit wird Brundle zu einem Opfer seiner eigenen Versuche, ein tragisches Monster, dessen Schicksal besiegelt ist. Mit zunehmender Mutation häufen sich Allmachtsphantasien, später die Verzweiflung, denn Brundle will sein Schicksal erst nicht wahrhaben, es später positiv deuten und erst im letzten Moment doch abwenden – was jedoch nur auf Kosten anderer geht.
So schreitet die Metamorphose zum Insekt stetig und intensiv voran, was teilweise sogar durch groteske, humoristische Einschübe gelockert wird, z.B. wenn Seth eine Art Lehrvideo über seinen neuen Zustand macht („See kids, this is how Brundle-Fly eats.“). Ronnie agiert als bleibende Komponente und darf als Heldin aus dem Film hervorgehen, damit noch eine Identifikationsfigur bleibt, doch das Hauptaugenmerk in „Die Fliege“ liegt bei Seth, weshalb Ronnie auch eher wenig Szenen spendiert bekommt.
Die Atmosphäre von Cronenbergs Film ist dabei wirklich klasse, wenngleich „Die Fliege“ teilweise etwas zu gemächlich erzählt wird. Dabei wirkt noch nicht mal die ausführliche Einleitung etwas zu lang, eher der Mittelteil, in dem Seth nicht wahrhaben will, was mit ihm passiert und so langsam über die Stränge schlägt, erscheint etwas zu ausgewalzt. So hat „Die Fliege“ in der Mitte einen kleinen Hänger, ehe die Chose sich zum Ende berappelt und in einen spannenden Showdown mündet.
Jeff Goldblum ist als zerstreuter Wissenschaftler natürlich ideal besetzt und spielt seine Paraderolle als liebenswerter, leicht weltfremder Typ von nebenan gewohnt gut. Geena Davis als starke Frau an seiner Seite muss sich jedoch nicht verstecken, während John Getz als Ronnies Chef und Ex-Freund nicht ganz mithalten kann, jedoch auch gut ist. So konzentriert sich „Die Fliege“ auch auf diese drei Personen, alle Nebendarsteller sind eher bessere Statisten.
So bleibt trotz kleinerer Temposchwächen ein eingängiges Horrordrama mit wenigen, aber fantastischen Effekten. Atmosphärisch dichte Kost, die definitiv zu Cronenbergs besten Filmen gehört.