Der Wissenschaftler Seth Brundle hat eine neuartige Maschine erfunden: Mit Hilfe zweier "Teleboxen" gelingt es ihm, leblose Materie von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Nur mit Lebewesen hapert es noch. Im angetrunkenen Zustand wagt er den Selbstversuch und übersieht dabei eine Fliege, die sich gemeinsam mit ihm in seine "Telebox" verirrt hat. Der Versuch gelingt auf den ersten Blick. Seth fühlt sich wie neugeboren, doch mit der Zeit entstehen körperliche Veränderungen: Aus seinem Rücken sprießen Borsten, und seine Fingernägel lösen sich vom Körper. Der Anfang eines grausamen Zerfalls, der in einer ekelhaften Metamorphose zu einer vollständigen "Brundle-Fliege" gipfelt...
David Cronenberg inszenierte mit "Die Fliege" einen wirklich bestürzenden perfekten Film, der anders als das Original von 1958 sein Hauptaugenmerk auf die naturalistische Darstellung des körperlichen Zerfalls richtet, da sich die Tricktechnik natürlich auch deutlich verbessert hat. Die oscarprämierten, von Chris Walas kreierten Spezialeffekte sind derart gekonnt in Szene gesetzt, daß dem Betrachter das Zuschauen zugleich wehtut, abstößt und fasziniert - allein deshalb gehört dieses Horrordrama derzeit zu meinen absoluten Lieblingsfilmen des Genres.
Wenn zum Schluß der Wissenschaftler die Fähigkeit besitzt, gelben Verdauungsschleim zu spucken und sie auch gleich gegen Stathis, den arroganten und skrupellosen Ex-Liebhaber seiner Freundin Veronica (Geena Davis), als Waffe einsetzt, um dessen Hand und Bein zu verätzen, ist dieser Effekt zwar "schön" anzusehen, allerdings genreüblich besonders drastisch und in dieser Art übertrieben dargestellt - denn irgendwie paßt die Aktion nicht zu dem zwar etwas verrückten, aber keineswegs bösen Brundle. Er kann keiner Fliege was zuleide tun. Somit bleibt bei mir der Eindruck bestehen, daß Cronenberg hier die Schmerzgrenze des Zuschauers besonders austesten und ihn ausschließlich schockieren möchte - wie auch in der Szene mit dem "umgekrempelten" Pavian, die zugegeben ihre Wirkung erzielt, aber keineswegs nötig gewesen wäre. Hier ist der Schnitt, die schwarze Abblende, die in der FSK-16-Fassung getätigt wurde, durchaus als positiv zu bewerten - schließlich kann es nicht Ziel gewesen sein, vordergründige Schockeffekte zeigen zu wollen.
Es bleiben also zwei Szenen, die übertrieben brutal gezeigt werden - was nicht heißen soll, daß die übrigen Effekte für Menschen mit schwachen Mägen geeignet wären. Im Gegenteil: Man muß schon starke Nerven besitzen, um den Film unberührt zu Ende zu sehen. Tricktechnisch ist "Die Fliege" nämlich so ziemlich das Faszinierendste, was ich bisher gesehen habe.
"Die Fliege" lebt aber nicht nur von seinen Effekten, sondern auch von der ausgezeichneten berührenden Musik und dem hervorragenden Aufbau der Spannungsdramaturgie, der in einem Finale sondergleichen mündet, das erlebt werden muß, nicht mit Worten wiedergegeben werden kann. Für Spannung sorgen hier nicht böse Monster, die sich gegen die Menschheit richten und beabsichtigen, sie zu zerstören, sondern die Frage, was mit dem skurrilen Wissenschaftler geschehen wird, denn die Zerstörung seines menschlichen Körpers nimmt immer grausigere Ausmaße an, bis Jeff Goldblum unter dem ganzen Make-Up nicht mehr erkennbar ist.
Der Film ist zutiefst traurig und anrührend - auch beim wiederholten Ansehen. Als Veronica dem bereits schrecklich mutierten Brundle offeriert, daß sie schwanger von ihm sei und beabsichtige, das Kind abzutreiben, wird die verzwickte Situation nur allzu deutlich: Brundle will, daß sie es austrägt, weil das Kind das einzige sein wird, was noch von ihm übrigbleiben wird, und andererseits sträubt sich seine Freundin dagegen, weil ihr das Risiko, eine Mißgeburt zu erleiden, zu hoch ist. Beide Positionen sind einleuchtend für den Betrachter. Es ist ein Teufelskreis. An dieser Stelle sei der wirkungsvolle und erschreckende Albtraum von Veronica erwähnt, in dem sie eine glitschige weiße Made zur Welt bringt anstatt des Menschenbabys.
Zwei Genres sind somit enthalten: Die tragische Liebesgeschichte zwischen Veronica und Seth im Gewand eines schockierenden Horrorfilms, in dem die Metamorphose von Mensch zu Fliege realistisch veranschaulicht wird. Das Ende ist daher umso mehr unendlich ergreifend und hinterläßt seine Spuren. Ich jedenfalls benötigte ein paar Stunden, um das Gesehene zu verarbeiten. Das Schlußbild läßt viele Fragen offen, weshalb die Fortsetzung ein paar Jahre später nur folgerichtig war, auch wenn sie ihr Vorbild natürlich niemals erreicht.
"Die Fliege" ist einer der Filme, der den Betrachter von dem Zustand "himmelhoch jauchzend" (vor dem Film) bis "zu Tode betrübt" (nach dem Film) herunterziehen kann. Daher nicht unbedingt ein Partyfilm!
Fazit: Tricktechnisch und maskenbildnerisch erstklassiges Horrordrama, das mit Jeff Goldblum und Geena Davis zudem zwei namhafte Schauspieler besitzt - zur Drehzeit waren beide auch im wirklichen Leben ein Liebespaar - und von Anfang bis Ende zugleich unterhält, fasziniert, bestürzt, anwidert und nachdenklich stimmt. In jeder Hinsicht ein cineastischer "Leckerbissen", den jedermann gesehen haben müßte.