Review

Remakes alter Klassiker sind meist eine zwiespältige Angelegenheit und können selten den Charme der Originale erreichen; sie sind überfrachtet oder kopieren ideenlos. Nur wirklich wenige „echte“ Remakes sind gut, die seltensten können sogar ihre Vorbilder toppen.

David Cronenbergs Remake des S/W – Klassikers „Die Fliege“ jedoch darf getrost zu den gelungensten Remakes gezählt werden, die eben auch besser sind als ihr Original.

Der Wissenschaftler Seth Brundle (Jeff Goldblum) ist ein sympathisch, und ideenreich – dynamisch aber typischer Wissenschaftler: etwas kontaktscheu. Der Einzelgänger arbeitet für den Bartok Konzern an kleineren Projekten; insgeheim jedoch hat er großes vor: die vollendete Teleportation. Seine Apparaturen funktionieren perfekt – die „Teleboxen“, wie er sie nennt, teleportieren mühelos Dinge von einer Zelle zur anderen; aber eben nur Dinge.
Sobald er es an lebenden Organismen ausprobiert, versagen die Teleporter und die Endresultate sind undefinierbare Masse! Doch der Durchbruch ist nah, sein finales Experiment glückt. Als er seinen Trost im Alkohol sucht, führt er einen Selbstversuch der Teleportation durch. Leider übersieht er eine kleine Fliege, die sich neben ihm im Teleporter befindet. Nach dieser Transformation ist Brundle nicht mehr er selber.
Er wandelt sich vom netten Kerl zum arroganten Arschloch. Doch nicht nur seine Wesenszüge ändern sich, auch körperlich gehen Veränderungen mit ihm vor – allmählich wandelt er sich zur „Brundlefliege“. Harter Tobak für die Journalistin Ronnie (Geena Davis), die aus anfänglicher journalistischer Neugier Zuneigung zu Seth entwickelt. Kann ihr Beistand die menschliche Seite Seths wieder dominieren lassen? Oder zieht es sie zurück zu ihrem Ex, der auch als ihr journalistischer Auftraggeber fungiert und in Brundle weitaus „mehr“ als einen genialen Wissenschaftler sieht?

Wirklich erstklassig, was David Cronenberg hier aus dem „alten Stoff“ gemacht hat.

Natürlich bleibt er auch hier seiner Philosophie des „neuen Fleisches“ treu und spickt den Film mit überaus hervorragenden Special – Effects von Chris Walas.
Die F/X waren wirklich oscar -reif, sind sie doch hervorragend umgesetzt wurden und tragen einen gewaltigen Teil zur Intensität des Filmes bei.
Im Gegensatz zu manch anderen Cronenbergs werden die F/X spärlich eingesetzt; die Splattereffekte sind wenig an der Zahl, dann aber ziemlich krude. Höhepunkt jedoch das Finale mit der „Brundlefliege“, das an Intensität das Originalende um ein Vielfaches toppt. Denn hier ist es kein Fliegenkörper mit Menschenkopf, sondern eine „echte“ Metamorphose, wie sie schleimiger nicht sein könnte. Chris Walas, der für diese hervorragenden F/X verantwortlich ist, versuchte sich leider nur mit mäßigem Erfolg als Regisseur von „Die Fliege 2“, welcher jedoch keinesfalls die Klasse seines Vorgängers erreichte.

Den anderen Anteil am Gelingen des Films trägt Jeff Goldblum, der hier wirklich hervorragend agiert. Seine Wesenswandlung ist erschreckend gut dargestellt; späteres Make – Up lässt das einst sympathische Gesicht zu einer Farce werden. Spätestens am Ende jedoch hat man Mitleid mit ihm. Aber auch mit Geena Davis, die ebenfalls ihren Part als Journalistin / Freundin meistert. Einerseits möchte sie vor dem Wesen, was einst Seth war, flüchten, andererseits ist sie die einzige, die seine Wutausbrüche noch kontrollieren kann und die einzige, die ihm vielleicht helfen kann, hat sie doch dessen Experimente fast von Anfang an begleitet. Ein Kammerspiel ist es dennoch nicht, auch wenn sich viel in dem Laboratorium und der Wohnung von Brundle abspielen.

Cronenberg schafft perfekt die Gratwanderung zwischen einfühlsamer Tragödie und knallhartem Horrorfilm; ein Film an dem die Ecken rund sind! Das menschliche Zwischenspiel zwischen den beiden Hauptakteuren und Brundles Wandlung wird in dichten Bildern erzählt, ohne dass die Story je langweilig oder spannungsarm wird. Bis auf eine Alptraumszene bleibt Cronenberg jedoch bei einer für ihn relativ normalen Erzählweise, ohne zu verwirren. Die wissenschaftlichen „Fakten“ sind logisch eingebunden und die Thematik ein uralter Menschheitstraum. Cronenberg zeigt jedoch auch die Gefahren solcher Experimente auf; diese Kritik ist jedoch unterschwellig und wird eben am und durch das Filmende wirklich präsent, jedoch ohne den moralischen Zeigefinger zu erheben!

Fazit: Cronenbergs Remake von „Die Fliege“ ist eines seiner wichtigsten Werke und ein unabdingbarer Klassiker des modernen Horrorfilms!

Details
Ähnliche Filme