Review

Warum der dreist aus Kassenschlagern wie „Die Hard“, „Terminator“ und „Demolition Man“ zusammengeklaute B-Cyborgactioner „Shadowchaser“ später in Serie gehen musste, bleibt fraglich, ist der erste Teil schon nur solide Kost, die jeglichen Glanz eines B-Movies vermissen lässt. Regisseur John Eyres („Octopus“, „Ripper“), der auch für zwei der drei Fortsetzungen verantwortlich ist, kurbelt das „Die Hard“ – Szenario zwar ganz routiniert herunter, doch überzeugend macht das den Streifen nicht.

Die amerikanische Regierung finanziert, wie uns aus einschlägig bekannten Filmen bekannt ist, allerlei Experimente, um beim militärischen Wettrüsten stets die Nase vorn zu haben. Hier geben sie einen übermenschlichen Supersoldaten in Auftrag, der nicht nur viel einstecken, sondern auch ordentlich austeilen kann. Das Ergebnis sieht aus wie B-Konstante Frank Zagarino („Airboss“, „Warhead“) und muss ständig mit nacktem Oberkörper herumlaufen. Über seine Frisur war er wohl so sauer, dass er austickt, die Wissenschaftler des Projekts umbringt und mit seinen Jungs ein Krankenhaus besetzt, wo er dann mittels Präsidententochter Sarah (eine viel zu alte Meg Foster, „They live“, „Blind Fury“) ordentlich Kohle erpressen will. Was tun?

Nun die findige Regierung hat so allerlei Tiefgefrorenes auf Lager, taut versehentlich mit Desilva (Martin Kove, „Steel Justice“, „Assault on Devil's Island“) nur leider nicht den Architekten des Gebäudes, sondern einen ehemaligen Footballstar auf. Gut, über die Story darf man sich wie üblich im B-Bereich kaum beschweren. Die Strategie der Regierung klingt jedenfalls schon mal ziemlich idiotisch.

Auch wenn Eyres schon zu Beginn arge Probleme hat die Klischees (der flirtende Schwarze) zu umschiffen, kann man der sehr ordentlichen Musikbegleitung und vor allem den Schnitten zwischen verschiedenen Örtlichkeiten im Krankenhaus die Qualität nicht absprechen. Eyres ist kein totaler Stümper, lässt danach aber jeglichen Innovation vermissen und dreht „Shadowchaser“ wie eine Auftragsarbeit ab.

Martin Kove schlägt sich als großmäuliger Actionheld Widerwillen ganz ordentlich und wandelt dabei deutlich auf John McClanes spuren. Die Oneliner sind mal zwar unfreiwillig komisch, meistens passen sie aber. Insbesondere zum Ende hin, wenn sich nach der Chose erst mal ne Dose Bier über die Rübe gegossen wird, findet sich bei ihm auch die Roddy-Piper-Mentalität wieder. Wenn man die Sache nicht ganz so ernst nimmt, wird es spaßiger.

Woran es „Shadowchaser“ mangelt ist eindeutig Action. Die Shootouts sind zwar blutig, aber leider selten und wenn dann nur Genredurchschnitt. Anstatt auf straighte Heldenhatz im Hochhaus muss der geneigte Zuschauer sich zu oft mit dem Kompetenzgerangel zwischen den beiden bekannten Gesichtern Paul Koslo und Joss Ackland herumschlagen. Die wollen beide die Leitung, was dann zu heißer Luft in der Kommandozentrale führt.

Insgesamt macht „Shadowchaser“ gerade mal einen soliden Eindruck. Kove prügelt und ballert sich natürlich allein durch das Gebäude, trifft nur leider zu selten auf echten Widerstand. Die Pyrotrickserei, besonders das Finale auf dem Dach, ist doch arg improvisiert und zeigt wie schmal das Budget gewesen sein muss. Dass der Film nun in der Zukunft angesiedelt ist, wird kaum deutlich. Zudem lassen die argen Logikschwächen aufstoßen. Hey, kein Problem, wenn mal nicht alles geklärt wird, aber die Polizeideppen sollten sich schon mal fragen, was der große Blonde denn mit der Kohle überhaupt anfangen will. Apropos, Blonder! Zagarinos Mimik ist bisweilen unfreiwillig komisch. Besonders dann, wenn er sich ruckartig wie ein Cyborg bewegt und dazu die passenden, surrenden Maschinengeräusche eingespielt werden. Aber das nur am Rande...

Fazit:
Dreist zusammengeklauter, wenig innovativer „Die Hard“ – Rip-Off mit Cyborg-Zusatz. Nicht sonderlich abwechslungsreich, nicht sonderlich gut und nicht sonderlich spektakulär. Einfach solide Kost, die man sich als B-Action-Fan ruhigen Gewissens reinziehen kann, ohne später die verlorene Zeit zurück verlangen zu wollen.

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