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Eines ist klar: Einen guten, spannenden und im Bestfall sogar noch innovativen Thriller über einen Serienkiller zu verwirklichen, ist kein leichtes Unterfangen. Zunächst einmal gibt es wohl kaum einen menschlichen Abgrund, in den sich noch kein Film vorgewagt hat, desweiteren glänzt dieses Subgenre doch eher mit Quantität als mit Qualität. Da muss man sich schon was einfallen lassen, um aus der grauen Masse hervorzustechen.

Aus Kanada kam im Jahr 2002 ein neuer Vertreter namens "The Collector". Ganz fixen Gemütern dürfte bereits der Titel verraten, um welche Art Serienmörder es hier geht. Und Bingo! In Quebec meuchelt ein Unbekannter muskulös gebaute Frauen, amputiert verschiedene Körperteile und lässt der Polizei nur den verstümmelten Kadaver zurück. Folglich erkennt selbst der unerfahrenste Zuseher bereits nach dem ersten Leichenfund, dass sich hier ein kranker Geist seine eigenen menschlichen Puppen aus den einzelnen Versatzstücken zusammenbastelt. Man kennt das ja. Somit verscherzt sich "The Collector" schon mal das Prädikat "innovativ".

Nicht weiter schlimm, wenn zumindest der Rest stimmt. Gehen wir also nochmal die Zutatenliste durch. Das Motiv wird bereits in der lächerlichen Titel-Sequenz geklärt. Hier muss mal wieder eine zerrüttete Kindheit inkl. Bodybuilder-Mutter und Präparator-Daddy herhalten. Damit sorgte "The Collector" bereits nach 5 Minuten für ein heftiges Stirnrunzeln meinerseits.
Natürlich braucht so ein besessener Killer auch einen würdigen Gegenspieler. In diesem Fall ist es eine Gegenspielerin, eine motivierte Polizistin mittleren Alters, die sich auch sofort der mysteriösen Morde annimmt. Dazu kommen noch ein rebellischer 16jähriger Stricherjunge und ein Ausreisser noch jüngeren Baujahres. Alles klar soweit. Das Geschehen nimmt seinen Lauf und ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, das der Film nur nach Schema F abläuft. Bis zum Showdown in einer Fischerhütte in Maine herrscht gähnende Langweile und selbst während des Finales kann man sich eines Gähnkrampfes kaum erwehren. Kaum Spannung, keine Überraschung, nicht mal ein fieser Schlussgag - Nichts!

Schauspielerisch werden natürlich ebenfalls keine Bäume ausgerissen. Allerdings fällt das bei dieser Produktion sowieso nicht mehr sonderlich ins Gewicht. Wichtiger wäre ein durchdachter Plot gewesen, kein unglaubwürdiges Konstrukt. Logiklöcher, tief wie der Mariannengraben, die sich wie ein roter Faden durch das Geschehen ziehen, sorgen zusätzlich für Ärger beim Zuschauer.

Wer sich doch an "The Collector" wagt, dem sei gesagt, es werden richtig zähe 110 Minuten werden. Aufgrund des wahrscheinlich geringen Budgets, und der Tatsache, dass es sich hier um ein Regiedebüt des Kanadiers Jean Beaudin handelt, vergebe ich gerade noch 3/10 Punkten.

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