“Er sammelt Leichenteile wie andere Briefmarken...“
Mit diesem reißerischen Titel und einem ebenso gutem wie vielversprechenden Coverdesign wird einem der Film, ein kanadischer Thriller, schmackhaft gemacht, der angeblich im Jahre 2003 für den Genie-Award (was soll das sein?) nominiert wurde. Aber zwischen Genie und Wahnsinn existiert ja bekanntlich nur eine schmale Brücke und "The Collector" liegt filmisch irgendwo zwischen Nudeln mit Spinatsoße und einem Pfirsich-Maracuja-Quark (das war mein Mittagessen als ich den Film sah, mmh lecka...).
Ermüdet vom vielen Essen war ich skeptisch, ob es an meinem voll gestopften Zustand lag, weshalb mir der Film nicht zusagte oder ob ich einfach das Genie hinter dem Werk nicht verstanden habe. Aber selbst meine Frau, die beim Thema Serienkiller-Filme immer einen Rappel bekommt, zeigte sich wenig begeistert von dem Versuch, einen perfekten Psychothriller zu erschaffen. Das fängt schon bei dem viel zu langen Prolog an, der den Film zu Beginn schon zu einem Geduldsmarathon werden lässt. Hier sieht man einen kleinen Jungen, dessen Mutter am liebsten Arnold Schwarzenegger Konkurrenz machen würde und einen Vater, der sich lieber dem Ausnehmen seiner Fische widmet als dem Jungen Beachtung zu schenken. Irgendwie doch eine ganz normale Familie, denn ohne Zweifel kümmern sich die Eltern heutzutage sowieso nicht viel um ihre Kinder, Hauptsache sie sind still und stören nicht. Also alles im grünen Bereich, wenn die Mutter den Jungen nicht immer und immer wieder sagen würde, dass er ein Nichts gegen ihren stählernen Körper ist und brav ihre Fotos schießen soll. Auch anfassen soll der Junge die Mutter, aber nur an den Muskeln, damit er sieht, wie ein Körper sein soll. Als der Kleine, der steht’s als Cowboy verkleidet auftritt, etwas weiter unten anfassen will, rastet Arnoldine etwas aus, denn so was schickt sich natürlich nicht. Man merkt zwar deutlich, dass der Junge eine stark gestörte Persönlichkeit entwickelt, jedoch wird kein richtiger Grund gezeigt für die Taten, die er als Erwachsener vollbringt. Auch die blutige Bekanntschaft mit einem Hund ist zwar eine recht harte Szene, jedoch etwas weit an den Haaren herbeigezogen. Aber ist der Anfang erst ruiniert...
Der Rest des Films gibt sich auch nicht viel interessanter, als man vielleicht erhofft hätte. Eine ruhige, teilweise viel zu langatmige Inszenierung ohne wirkliche Höhepunkte. Die Morde werden nie gezeigt oder gar angedeutet, sondern man bekommt nur das Resultat gezeigt, was in punkto Effekten wirklich beeindruckend geworden ist. Hut ab. Jedoch täuscht dies nicht davor, dass man hier versucht hat einen komplexen Thriller zu inszenieren und es gerade mal auf erträgliches TV-Niveau geschafft hat. Keine neuen Einfälle und ein zu großer Drang einer erzwungenen Nebenhandlung. Im Falle "The Collector" ist es der Kinderstrich, der hier als ganz normal angesehen wird. Hier nimmt die Hauptdarstellerin einen 16jährigen Stricher immer wieder bei sich auf um dafür zu sorgen, dass er eine warmen Platz zum Schlafen hat, lässt es aber zu, dass er Tag für Tag zu irgendwelchen Kerlen ins Auto geht. Auch als sie einen der Freier gegenüber steht, passiert nichts weiter als eine kurze Andeutung auf das Alter des Jungen.
Die Spielhalle wirkt wie ein Selbstbedienungsladen für Pädophile und es scheint in der Stadt Quebec niemanden wirklich zu stören, was hier mit den Kindern passiert. Wenn das vom Regisseur Absicht war, ein brisantes Thema soviel Spielraum zu lassen und dabei nur Oberflächlichkeiten rauskommen, muss man sich wirklich Gedanken machen, ob es sich hierbei nicht um ein Spiegelbild der Stadt handelt. Wenn dem so wäre, weiß ich wo ich keinen Urlaub mehr machen würde. Nun ja, alles recht unwahrscheinlich, daher hätte man lieber komplett darauf verzichten können, anstelle eine filmische Peinlichkeit aufs Publikum loszulassen. Zumindest dürften Bewohner von Quebec in Kanada beim Schauen des Film nicht gerade erbaut darüber gewesen sein, wie ihre Stadt gezeigt wird.
Dem eigentlichen Mörder wird kaum Beachtung geschenkt und wenn dann auf einer recht banalen Ebene, ohne auch nur eine Sekunde Spannung aufzubauen. Als der Killer dann auch noch eine Polizistin in einer Kneipe Abfüllt und vergewaltigt, fragt man sich schon, was das für ein Ort ist, an welchem Pädophile einen Freifahrtsschein haben und die Polizei zu blöd ist, einen Serienkiller zu fassen ohne dabei selbst zum Opfer werden.
Nach langem Hin und Her darf man dann einmal ganz kurz seine kleine Sammlung sehen, womit er die für ihn perfekte Familie erschaffen möchte und für einen Bruchteil einer Sekunde gibt es hier auch so etwas wie einen spannenden Moment, bevor der Film dann auch schon wieder zu Ende ist und nichts anderes zurücklässt, als einen 08/15-Thriller für die Leute, die nicht mehr wissen, was sie sonst gucken sollen.