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Eine dreiköpfige Expedition will ein Indiodorf aufsuchen, um zu beweisen, dass es keinen Kannibalismus gibt. Auf ihrem Weg treffen sie auf zwei Herren, die berichten, dass sie aus jenem Dörfchen mit Müh, Not und dem Leben entkommen konnten, denn die Einwohner führten gar Böses im Schilde. Es stellt sich jedoch bald heraus, dass die zwei beiden nicht ganz die Wahrheit erzählten, denn tatsächlich haben sie bei der Suche nach Edelsteinen den Indios böse mitgespielt und so bekommen unsere nun insgesamt fünf Abenteurer "Die Rache der Kannibalen" zu spüren.

Und nochmal versucht Umberto Lenzi, der mit seinem "Mondo Cannibale" das Kannibalenfilmgenre im Grunde genommen geschaffen hat, nach dem Erfolg von Deodatos "Nackt und zerfleischt" eine Schippe draufzulegen.
Die Geschichte bietet nichts, was man nicht bereits aus anderen Kannibalenfilmen kennt (interessant ist eventuell, dass der Grund für die Expedition diesmal der Beweis für die Nichtexistenz des Kannibalismus ist) und im Groben wird die Story von "Nackt und zerfleischt", sprich Menschen reisen zu Eingeborenen und entpuppen sich als die wahren Bestien, wiederholt.
Ziemlich störend empfinde ich die zwischenzeitlichen Szenenwechsel in die Großstadt, in denen ein paar betrogene Drogendealer und die Polizei nach einem der Dschungelbesucher fahnden, denn das Ganze reißt einen aus dem Urwaldgeschehen heraus.

Berühmt und berüchtigt haben diesen Film seine derben Effekte gemacht, die Gianetto di Rossi zusammengeschustert hat. So gibt es neben dem üblichen Leichengeschmause und netten Standarteffekten einige unvergessliche Bluteinlagen wie die Penisamputation, das großaufgezogene Brustpiercing (sehr gut gefällt mir die Beschreibung "das Wort "Hängetitten" bekommt hier sogar eine ganz neue Bedeutung" bei SenseofView.de. Ich habe mich köstlichst amüsiert, als ich das gelesen habe!) oder die Schädeldeckenentfernung. Das ist schon toll getrickst worden, aber die schonungslose Brutalität des Kannibalenüberfilms "Nackt und zerfleischt" erreicht man nicht ganz.
Wie bei vielen Filmen dieses Genres hat man leider nicht auf die völlig unnötigen Tiertötungen verzichtet. Es werden Tiere geschlachtet und es kommt zu offensichtlich erzwungenen Fütterungen (zum Beispiel verputzt ein Leopard einen Affen und ich glaube nicht, dass da nicht nachgeholfen wurde, denn natürlich sieht das nicht aus), aber auch hier sei gesagt, dass "Nackt und zerfleischt" eine Nummer heftiger zu Werke geht. Schade, dass solche Szenen immer wieder Einzug in die italienischen Beiträge zum Genre finden.

Hinsichtlich der Schauspieler gibts nicht Erwähnenswertes. Insgesamt halt nicht schlecht, aber auch nicht überragend. Auch die Kannibalen gehen in Ordnung, vor allem wenn man sich an solche Knallchargen wie die Vorgartenkannibalen aus Jess Franco Streifen erinnert.
Gut gefällt mir die musikalische Untermalung, die zum einen aus bei mir Kopfnicken verursachenden und zum anderen bedrohliche Stimmung schaffenden Melodien besteht.

Insgesamt gibts hier nicht viel Neues von der Kannibalenfront, aber der bei diesem Genre wichtige Exploitationfaktor ist hoch und die Athmosphäre stimmt an einigen Stellen auch. Ich ziehe diesen Film von Umberto Lenzi seinem vorherigen "Lebendig gefressen" jedenfalls vor. Für Freunde dieser Art von Filmen ist das Werk gut konsumierbar und alle anderen sollten eh die Finger davon lassen.

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