Review

Bei aller Liebe zu Umberto Lenzi und seiner Volkstempel- Fanfiction "Lebendig gefressen" : das hier musste echt nicht sein. Wobei ich mir ehrlicherweise kein allzu harsches Urteil erlauben darf, da "Die Rache der Kannibalen" einer der wenigen Filme ist, die mir zu krass, zu ekelerregend, zu Stumpf waren, um sie in Gänze zu "genießen". Um mir dennoch halbwegs ein Bild machen zu können habe ich den Film zu einem günstigen Zeitpunkt, als er gerade mal ungeschnitten auf Youtube rumflog, im Schnelldurchlauf durchgeschaut, um mir dieses quälend lange und widerwertige Elend etwas zu verkürzen. Das ist vielleicht eine der Stärken des Filnes: seine sadistisch langsame Art, mit dem er den Zuschauer auf die Folter spannt, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Zur Handlung: eine junge Anthropologiestudentin will in Begleitung ihres Bruders und ihrer sexbesessenen besten Freundin auf einer Amazonasreise Belege für die von ihr kolportierte These erbringen, dass Kannibalismus keine Stammestradition der dortigen Urvölkern, sondern eine von den weißen Besatzern hervorgebracht Lüge zur Rechtfertigung des Kolonialismus sei. Und so galt der Kannibalismus innerhalb des Filmkosmos auch als weitgehend ausgestorben.

Bis - man ahnt es - irgendwelche weißen Volldeppen es im Dschungel zu doll treiben. In diesem Falle sind besagte Trottel ein sadistischer Drogendealer aus New York samt passiven Kompagnon. Erstere erzählt den Reisenden Schauermärchen vom bösen Wilden, während letzterer kurz vor dem Aushauchen seines letzten Atemzuges die korrigierte Version liefert, nach der sein Kollege und Busenfreund auf der vergeblichen Suche nach Cocablättern und Smaragden so dermaßen ausgetickt ist, dass er seinen blutrünstigen Frust an den bisher friedlebenden Ureinwohnern ausgelassen haben, die jetzt den Papp auf haben und das Buffet eröffnen. Wobei die titelgebende Rache von Dealer Mike abgesehen grundsätzlich die falschen trifft. Aber hey, wenn Regisseur Lenzi alle Stammesmitglieder über einen rassistischen Kamm scheren darf, dann sollen die weißen Akteure sich mal nicht so anstellen und auch ihre (un - ) gerechten Teil abbekommen.

Herr Lenzi muss "Nackt und zerfleischt", das Konkurrenzprodukt von Kannibalenmitstreiter Ruggero Deodato, gesehen und für gut befunden haben, hat dieser doch die von ihm selbst ersonnene Kannibalenhorrorformel auf den Kopf gestellt und es damit sogar mit einem Bein ins Kunstkino geschafft. Zumindest diskutiert man über diesen Film mehr über den Kunstgehalt als man es im Falle von Mondo Cannibale täte. 1981 wollte der einstige Genrebegründer nach dem noch klassischen Lebendig gefressen ebenfalls ein Stück von der blutigen Torte abhaben und drehte seine Variante des Stoffes, ohne Fernsehteam, aber mit exakt der selben Prämisse, die besagt, dass der zivilisierte Mensch das größere Übel ist. Das Ergebnis ist optisch beeindruckend, hat einen quälenden Spannungsbogen und lässt den aus "Eaten alive" gestohlenen Score so richtig glänzen. Der Rest wiederrum ist einfach nur widerlichster Sadismus ohne bitter benötigte Atempause: Tiertötungen, Folter und die Ermordungen Unschuldiger auf beiden Seiten und damit unnötiger Grausamkeit. 

An der allzu offensichtlichen Vorlage von Ruggero Deodato gemessen hätte ich dem Film gerne eine höhere Punktzahl, 7 von 10, zusprechen. Da das hier Gezeigte aber ungleich fieser und unvertretbarer ist als alles im Vorgänger geschehene muss ich hier leider auf die untere Hälfte der Skala zurückgreifen. Schlicht und ergreifend, weil die durchaus vorhandenen Stärken hier von einem Haufen toter Tiere, abgeschnittenen Körperextremitäten und Litern erquälten Blutes erstickt werden. 

Der Film hat mir Umberto Lenzi und den hier auftretenden Giovanni Lombardo Radice (einer meiner Lieblinge aus dem Randbereich des abseitigen Filmes) beinahe auf Lebzeiten versaut. Ich will niemandem vorschreiben, was sie oder er sich ansehen sollte, empfehle aber vor Sichtung ein Beruhigungsmittel, währenddessen einen Brechbeutel und im Anschluss einen Schnaps. Aber BITTE mit gebührendem zeitlichen Abstand zum Beruhigungsmittel! 

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