Wieviel Klone "Stirb Langsam" mittlerweile hat, ich habe aufgehört zu zählen. Auch "Enemy of my Enemy" versucht sich auf der Schiene, doch der Karren versinkt schnell im Sand. Es ist einfach immer wieder das Selbe, obwohl die Story hier gegen Ende ein paar Überraschungen parat hält. Aber Gustavo Graef-Marino (Tödliche Tarnung, Johnny 100 Pesos) setzt den brauchbaren Plot zu lahm in Szene, nur die Optik ist ihm gelungen. Ein passables Budget scheint vorhanden gewesen zu sein, auch wenn man sich in den Ostblock zurückzog. Doch mit Mimen wie Peter Weller (RoboCop, Screamers), Tom Berenger (Sniper, Mörderischer Vorsprung), Daryl Hannah (Kill Bill, Der Blade-Runner) und Uwe Ochsenknecht (Die Strassen von Berlin, Kaspar Hauser) ist dieser B-Actionfilm ordentlich besetzt.
Der Computerexperte Steve Mitchell (Peter Weller) soll die Computer der US-Botschaft in Bukarest auf den neusten Stand bringen. Dabei trifft er seine alte Flamme Erica (Daryl Hannah) wieder. Doch plötzlich wird die Botschaft von Goran Mladnov (Adrian Pintea) und seinen Mannen gestürmt. Sie verriegeln das Gebäude und wollen mit Hilfe der Geiseln ihren Anführer Peter Vojnovic (Uwe Ochsenknecht) freipressen. Zur Befreiung der Geiseln wird die Spezialeinheit von Buck Swain (Tom Berenger) hinzugezogen. Auch befindet sich unter der Botschaft eine Atombombe, welche zur Sprengung gebracht werden soll. Steve und Erica versuchen das Schlimmste zu verhindern.
Die Charaktere sind mal wieder dermaßen abgedroschen, so hat unser Held Steve Mitchell natürlich einen Filius (Jeremy Lelliot) mit dem er Probleme hat und der natürlich nur dazu da ist, um gerettet zu werden. Seine Frau starb vor kurzem bei einem Autounfall, doch das scheint ihn kaum zu jucken, so schiebt er mit Erica erstmal eine Nummer im Büro, nach seiner Ankunft in Bukarest. Der Anfang von "Enemy of my Enemy" ist einfach nur gähnend langweilig, obwohl die Festnahme von Vojnovic ganz nett geworden ist. Doch ansonsten muss man sich gedulden, bis Goran die Botschaft stürmt und diese Actionszene kann sich auch wirklich sehen lassen. Doch schnell ist man den üblichen Klischees verfallen.
Steve kann sich verstecken, Goran fordert die Freilassung von Vojnovic, derweil überlegt die amerikanische Regierung ob man überhaupt mit Terroristen verhandeln soll. Goran wird ungeduldig, exekutiert ein paar Geiseln, irgendwann geben die Amis nach und zur Mitte des Films darf dann endlich Swain das Ruder übernehmen. Und wer jetzt denkt, dass Steve eine John McClane-Nummer abzieht, der könnte falscher nicht liegen. Er schleicht in der Botschaft herum, muss zwischendurch Erica und seinen Sohn aus der Hand der Terroristen befreien, was immerhin zu einem kleinen Shootout führt. Aber ansonsten dümpelt der Film vor sich hin, ständig blendet Graef-Marino zwischen der Botschaft, Swain und der Regierung hin und her. "Enemy of my Enemy" ist einfach viel zu dialoglastig geworden, Action und Spannung geraten schnell in den Hintergrund.
Steve hat kaum Konfrontationen mit seinen Gegnern und muss nur im Finale einen kleinen Zweikampf bestehen. Man fragt sich auch, wie er als Computerexperte so gut schießen kann, während unsere Terroristen viel zu oft danebenballern. Immerhin hält die Story noch ein paar Twists bereit, so muss ein Double für Vojnovic gefunden werden, der einem Attentat zum Opfer fällt, die Atombombe ist natürlich bald scharf und sorgt für Furore und Erica sorgt auch noch für eine Überraschung. Aber zwischen den wenigen Actionszenen besitzt der Film keinerlei Schauwerte. So bleiben die Höhepunkte drei Schießereien mit einigen Sachschäden und zahlreichen blutigen Einschüssen. Auf CGI wurde komplett verzichtet, einige Explosionen fallen zwar zu klein aus, sind dafür jedoch handmade. Was noch sehr störend daherkommt, ist der unpassende Humor. Graef-Marinos Film präsentiert sich bierernst, da wollen Steves lahme Onliner überhaupt nicht passen.
Die Darsteller bleiben hinter den Erwartungen zurück, Peter Weller ist sogar austauschbar. Den Computerfritzen mit Kampferfahrung mimt er höchstens durchschnittlich, auch Daryl Hannah ist erschreckend blass. Auch der kernige Tom Berenger kann kaum Akzente setzen, aber er füllt seine Rolle ganz gut aus, damit meine ich nicht nur körperlich. Uwe Ochsenknecht geht in Ordnung, aber Brion James (Die letzten Amerikaner, Steel Dawn) ist etwas zurückhaltend. Totalausfälle bleiben aus, jedoch dürfte man sich von dieser Prominenz deutlich mehr erhoffen.
Positiv vermerken sollte man die solide Story und auch den Verzicht auf Animationen. Die wenigen Actionszenen sind auch gelungen, doch insgesamt lässt die Umsetzung sehr zu wünschen übrig. "Enemy of my Enemy" präsentiert sich extrem dialoglastig und in einigen Sequenzen richtig langweilig, die Darsteller könnten besser sein, Graef-Marino wollte hier zuviel und ist gescheitert. Manchmal ist einfacher eben besser, man verzettelt sich hier zu sehr mit der Story und den vielen Charakteren. Insgesamt ein völlig belangloser, wenn auch gut ausgestatteter "Stirb Langsam" Klon.