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Der gekreuzigte Krieger Izo, kehrt als unsterblicher Untoter, der zudem durch Raum und Zeit reisen kann, zurück ins Reich der Lebenden um Rache an Allem und Jedem zu nehmen


Mit Izo hat Takashi Miike bis jetzt sicher sein zwiespältigstes Werk gedreht. Über die recht lange Laufzeit von 130 Min. bietet Miike eigentlich recht wenig Abwechslung. Izo reist von einer Epoche in die andere, von einem Kampf in den nächsten und wenn man zwischendurch nicht mit pseudophilosophischen Gebrabbel voll getextet wird, gibt ein japanischer Gitarrenspieler ein paar seiner Lieder zum Besten. Mal abgesehen von der recht groben und auch sehr dünnen Rahmenhandlung ist dabei kein roter Faden zu erkennen. Läuft Izo gerade noch durch einen Bambuswald, steht er 1 Sek. später auf einer Straßen um zwei Samurais zu bekämpfen. Irgendein System bei den Zeit und Ortsprüngen ist dabei nicht zu erkennen, was sicherlich für etwas Verwirrung sorgt.

Trotz dieser recht schweren Mängel weiß Izo zu überzeugen. Izo ist ein Dämon, der es sich zur Aufgabe gemacht hat gegen staatliche Institutionen und das Establishment zu kämpfen. So kämpft er in einer Szene auf dem Gang einer Schule gegen eine Horde (dämonischer?) Schulmädchen, während zugleich im Klassenzimmer den Grundschülern antidemokratisches und antisoziales Gedankengut beigebracht wird. Durch eine solche Ideologie wächst in jedem Kind ein Teufel heran, der sich dann später zu einem Kollektiv zusammenschließt. (Izo kämpft selten gegen Einzelne sondern fast immer gegen Gruppen.) Erwähnenswert ist hier auch die Szene, in der er in einer Höhle von zwei Häuserverkäufern angefallen wird. Er lässt sich von ihrem Auftreten nicht täuschen, worauf die zwei ihr wahres Gesicht zeigen und ihn mit zig Messerstichen versuchen umzubringen.
Auch gegen bestehende gesellschaftliche Traditionen und Werte kämpft Izo. So endet eine Hochzeitsfeier mit der Ermordung des Brautpaares. Eine sehr schöne Wolf im Schafspelz Metapher.
Aber Izo entwickelt sich weiter. Durch all die Morde und das Blutvergießen wird er zum Dämon um sich schließlich der Personifikation des Establishments entgegenzustellen.

Izo ist blutig und brutal. So sehen wir gleich zu Beginn, Izo, der am Kreuze hängt und von zwei Kriegern mehrmals mit Lanzen durchbohrt wird. Bezüge zu Jesus Kreuzestod sind nicht von der Hand zu weisen. Die (Schwert-)Kämpfe sind weder stylisch noch sonderlich originell choreographiert, sondern roh, hart und brutal. Izo ist kein strahlender (Anti-)Held sondern ein Verdammter der auf dem Pfad der Hölle wandelt. So macht er nicht mal vor Kindern halt. Wer also übertriebene oder comichafte wie in Ichi erwartet, wird enttäuscht.

Auf der anderen Seite ist Izo sehr poetisch. In einer Szene wandert er zu dem emotionalen Song des Gitarrenspielers über eine Blumenwiese oder trifft sich mit seinem Schutzengel in einem Wald. Diese sehr schönen Bilder, die Miike liefert, stehen im krassen Gegensatz zu den brutalen Kämpfen.

Izo ist simpel und doch komplex, hat eine dünne Story und ist doch verwirrend, ist brutal und zugleich poetisch. Izo ist ... ein Meisterwerk.

8/10

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