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Tom Cruise spielt Nathan Algren, einen US-Captain, der 1875 aus Geldgründen einer Versetzung nach Japan zustimmt, um die Armee des Kaisers gegen die altehrwürdigen Samurai-Krieger auszubilden. Doch schon das erste Gefecht wird ein Desaster, Algren wird von den Samurai gefangengenommen und von gesundgepflegt. Bald lernt er, das Leben der dieser alten Kämpfer, denen Attribute wie Ehre und Mut noch viel bedeuten, zu schätzen und muss sich vor dem letzten Gefecht dafür entscheiden, auf wessen Seite er kämpfen will.

Ein Historienepos mit Cruise – der Schuss hätte nach hinten losgehen können. Zum Glück hält sich das Overacting des Sonnyboys in Grenzen und bis auf die ersten zehn Minuten spielt er sich kaum in den Vordergrund, sondern hält sich dezent zurück. Zwar ist das keine große darstellerische Leistung, wenn er fortan nur mit ernstem Gesichtsausdruck das Leben der Samurai kennen lernt, aber immerhin nervt er fast zu keinem Zeitpunkt. Ein wichtiger Punkt, denn ein Cruise kann so einen Film schon mal als Plattform dazu benutzen, sich in den Mittelpunkt zu drängen.

Edward Zwick versteht es aber, „Last Samurai“ nicht auf die Person Algren, sondern auf das Schicksal der altehrwürdigen Kämpfer Japans und deren Untergang zu fokussieren. Kunstvoll stellt er Algrens stetige Annäherung an dieses fernöstliche Volk dar und präsentiert Bilder, die einen ins Schwärmen versetzen. Jede Jahreszeit bietet grandiose Landschaftsaufnahmen, wofür sich Zwick auch viel Zeit herausnimmt. Nichts geschieht überhastet, denn anstatt dass Zwick etwas überstürzt, lässt er lieber die Kamera über Japans Wälder und Hügel gleiten, weshalb „Last Samurai“ auch dann selten langweilig ist, wenn die Geschichte mal nicht so vorankommt.

Die Schlachtszene zum Schluss ist wohl eine der opulentesten, die jemals auf der Leinwand zu sehen waren und spart auch blutigste Details nicht aus. Überhaupt ist der Film nicht zimperlich, wenn es ans Eingemachte geht, obwohl schnelle Schnitte manchmal die Härte herausnehmen, was gleichzeitig auf Kosten der Übersicht geht. Leider versinkt das Ende dann im Kitsch, wenn Algren und Katsumoto (äußerst charismatisch und Cruise meilenweit überlegen: Ken Watanabe) zunächst als Letzte auf dem Schlachtfeld übrig bleiben und die Audienz beim Kaiser von Schmalz regelrecht zugekleistert wird.

Zwar hat mich „Last Samurai“, wahrscheinlich auch wegen meiner grundsätzlichen Abneigung gegenüber fernöstlichen Themen, nie so richtig mitgerissen, aber Zwick ist ohne Zweifel ein tadellos inszeniertes, in tollen Bildern eingefangenes Epos gelungen, das mitunter vom Hammer-Score Hans Zimmers und dezenter Zurückhaltung seitens Cruise profitiert. Das Ende ist schließlich zu süßlich und vorhersehbar, weshalb Zwick an die großen Epen eines David Lean nicht herankommt, aber dennoch ein opulentes Werk hervorgebracht hat, das ich gerne im Kino gesehen hätte.

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