Review

Last Samurai…(mit Spoilern)

…teilt sich für mich in drei sehr unterschiedlich Abschnitte. Da wäre zunächst die Phase bis zur Gefangennahme von Nathan Algren. Hier habe ich Tom Cruise den emotional stark angeschlagen Kriegsveteran leider zu keiner Zeit abnehmen können. Sein Ausraster bei der Werbekampagne für die Gewehre der Firma Winchester tropfte vor Overacting, ähnlich wie sein Gelache bei dem ersten Treffen mit den japanischen Abgesandten. Jedoch war seine Figur bis dahin auch noch nicht so recht nachvollziehbar aufgebaut. Einerseits hatte sie Verachtung für das Kriegsgetreibe und die Unmenschlichkeit bei den Kämpfen gegen die Indianer, gleichzeitig aber war sie sofort bereit für $ 500,- die Woche in den Kampf zu ziehen und dort jeden zutöten, den sie dafür töten sollte - für mich zu widersprüchlich.
Sein erstes Highlight erlebt der Film aber kurz vor Schluss dieses Abschnitts, als deutlich wird, dass Algren zumindest am Leben seiner Männer etwas liegt und er versucht, zu verhindern, dass diese unzureichend ausgebildet gegen den Feind geschickt werden. Dabei gelingt es Cruise dann auch das erste Mal, dass man ihm seine Lebensmüdigkeit abkauft. Und die Gleichgültig, mit der sein Vorgesetzter dann die Bemühungen von Algren umgeht, erregte auch bei mir als Zuschauer die erste ehrliche emotionale Reaktion auf die Handlung des Filmes. Ende dieses Teiles ist dann ein gut choreographiertes Gefecht im Wald, dass aber insoweit etwas im Widerspruch zur späteren Handlung steht, da Algren hier noch einige der Samurais besiegen kann, später bei Übungsgefechten aber dann von jedem der japanischen Schwertkämpfer mächtig einstecken muss.
Der zweite Abschnitt geht bis zum Tod Katsumotos und ist meiner Meinung nach ein komplettes Highlight, geprägt von einer wirklich einfühlsamen und glaubhaften Art des Geschichtenerzählens. Was uns Regisseur Edward Zwick hier präsentiert, ist eine wunderbare Studie über Wert und Werte des Menschseins und soweit diese auch nicht ganz mit unseren europäischen oder gar meinen eigenen übereinstimmen, so wird eines doch nur all zu deutlich: Ehre, Anstand und Moral sind wichtiger als Reichtum oder Macht. Dabei verliert Zwick nicht den Blick für die Realität und so wird nicht in Frage gestellt, dass eine gewisse Hierarchie bzw. Ordnung dem Gemeinschaftsgefüge gut tut und auch nicht, dass es sinnvoll ist, einige materielle Bedürfnisse zu befriedigen, dass aber immer dort Gefahr besteht, wo diese Dinge zum Selbstzweck werden. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, dass der Film ganz generell das Statement enthält, dass es die Extreme sind, die unsere Gesellschaft nicht gut tun. Dies wird auch dadurch bestätigt, dass Katsumoto Algren ein Schwert mit einer Gravur schenkt, die sinngemäß besagt, dass Algren der Krieger sei, der die neue und alte Werte vereine, womit Katsumoto zeigt, dass er verstanden hat, dass sich die Zeit und ihre Begebenheiten verändern und verändern müssen, dass er es dabei aber auch für notwendig erachtet, dass gute Dinge erhalten werden. Was sich hier jetzt recht kitschig anhört, wird jedoch vorwiegend durch Bilder und wortkarge Dialoge vorgeführt, die jeden Moralapostelanflug in ihrer Lautlosigkeit ersticken. Als Zuschauer ist man eingeladen an dieser Zeit des Reifens für alle Protagonisten Teil zuhaben. Man sitzt da und beobachtet schlichte Dialoge und klare, schnörkellose Handlungsabläufe, die die Geschichte real und glaubhaft machen. Man sieht, wie sich Freundschaften entwickeln und erhält einen kleinen aber ausgefeilten Einblick in das menschliche Leben und seine Charakteristika. Dieser Teil des Films endet mit einer optisch und choreographisch schön gestalteten Schlacht, die mir persönlich aber im Ergebnis ein wenig zu kitschig ist: Natürlich kann Algren seinen ehemaligen Vorgesetzten töten und Katsumoto begeht Harakiri als die Schlacht verloren ist, um seine ganze Heldenhaftigkeit noch einmal zu beweisen.
Der dritte Abschnitt des Films macht dann auch genau dort weiter und hat bei mir die Wirkung des so starken Mittelteils wieder etwas verblassen lassen, da die Geschichte natürlich mit einem aufgesetzten und deshalb unerträglichen Pathos enden muss. Wieso der Film noch die Wendung brauchte, dass der Kaiser seinen Fehler nun doch einsieht und die falschen Berater verdammt, kann wohl nur mit dem Wunsch des Massenpublikums nach einem Happyend begründet werden, denn schlüssig ist es nach den vorangegangen Geschehnissen nicht.
Wegen der genannten Schwächen zu Beginn und am Ende, trotz eines nahezu perfekten Mittelabschnitts insgesamt nur knappe 7/10 Punkte.

Wem der Film gefallen hat, könnte auch Freude an den Folgenden haben:

- Hero
- House of Flying Daggers
- Braveheart

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