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Nathan Algren, der in seinem Heimatland, den Vereinigten Staaten Amerikas, als Kriegsheld bekannt ist, da er hier Indianerdörfer niedermetzelte, kommt nach Japan, um den japanischen Soldaten gegen die Samurai zu helfen. Er selbst kommt mit den hinterhältigen Kämpfen in seiner Vergangenheit nur schwer zurecht und ist quasi zu allem bereit. Diese Eigenschaft und natürlich die Tatsache, dass er einfach nicht sterben möchte, überzeugen in der ersten innerjapanischen Außeinandersetzung auch den Führer der dominanten Samurai Katsumoto. Vorerst als Kriegsgefangener kommt Algren nun in ein lauschiges Dörfchen und lernt dort, wie sollte es auch anders sein, den vermeintlichen Feind zu schätzen und lieben. In Katsumoto findet er überdies einen erstaunlich weltoffenen Seelenverwandten. Und als er dann ein halbes jahr später in Tokyo merkt, dass die Samurai tatsächlich irgendwie im Recht sind, läuft alles auf eine verzweifelte, letzte Entscheidungsschlacht hin.

Der Film ist im Grunde genommen sowas wie "Der mit dem Wolf tanzt", nur in Japan und ohne Wolf. Tom Cruise wandelt somit auf den schon etwas ausgetretenen Pfaden von Kevin Costner. Das ist aber nicht weiter schlimm, da Tom Cruise ja ein durch und durch guter Schauspieler ist (wenn auch etwas umstritten). Die für diesen Film nötigen Emotionen sind für ihn jedenfalls ein Kinderspiel. Auch Ken Watanebe spielt seine heroische Rolle mehr als adäquat, wobei ihm wie den anderen japanischen Schauspielern auch sein Akzent zu mehr Authentizität verhilft.

Auf der anderen Seite geht der Film auch eine Reihe an Kompromissen auf Kosten jener Authentizität ein. Das leicht zu erkennende Vorbild "Shogun" gefiel mir in diesem Punkt um einiges besser.

Der Film offenbart Schwächen in Aufbau und Inhalt: Ich möchte nicht die sinvolle lineare Struktur kritisieren, da der Fokus auf den Protagonisten zu Recht sehr intensiv ist, doch wechselt der Film zu häufig seinen Stil. Anfangs noch ein bisschen militärisch angehaucht, wird gezeigt, wie die japanischen Soldaten nichts auf die Reihe bekommen; danach folgt eine zwar unterhaltsame, aber inhaltsarme Phase, die von der Integration Algrens in die traditionelle japanische Gesellschaft handelt. Dann wird es in Tokyo ganz kurz wieder politisch, im Dorf blüht aber sogleich die soziale Komponente erneut auf. Das Schlachtentgemälde am Ende profitiert dann zwar wie seierzeit "Braveheart" von dem vorausgegangenen Aufbau der Figuren, entfernt sich aber komplett von dem dörflichen Ambiente. Überdies bleibt auch die kleine Romanze etwas zu offen; die Spannung zwischen den beiden sich zugeneigten Personen lässt den Film unbefriedigt enden.

Die Schlacht am Ende lässt auch etwas an der vermittelten Moral zweifeln: Natürlich ist es schade, dass eine so schöne und traditionelle Kultur, wie die der Samurais, im Untergehen begriffen ist, doch bei der Schlacht sagt man sich doch eher: "Hätten die Samurais auch eine effektive Chaingun gehabt, hätten sie vielleicht gewonnen!" Es geht am Ende sicherlich herzergreifend zu, doch diese Schlacht zerstört jegliche erarbeitete Botschaft des Films. Die Szene, in der Algren dem Kaiser das Schwert gibt, rettet da auch nicht mehr besonders viel.

Aber all zu viel sollte man dann doch nicht meckern: Der Film ist toll inszeniert und wirklich unterhaltsam. Eigentlich benötigt er die von mir kritisierten Themenwechsel sogar, um genügend Alternanz aufzubringen. Als Mix aus "Shogun" und "Der mit dem Wolf tanzt" erreicht er aber keines seiner Vorbilder!

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