"Es ist als würden die Moderne und die Antike um Japans Seele ringen."
Für "Last Samurai" zeichnet sich Edward Zwick verantwortlich, der schon mit dem Film "Glory" bewiesen hat, historische Geschichten fulminant in Szene setzen zu können, gleichzeitig aber auch eine Botschaft zu übermitteln. "Last Samurai" vermittelt traditionelle Werte, wie das Ehrgefühl japanischer Samurai, die zu einer Zeit des Wandels vom aussterben bedroht wurden.
Im Jahre 1876 ist Captain Nathan Algren (Tom Cruise) einzig eine ernüchterte und orientierungslose Gallionsfigur eines amerikanischen Waffenfabrikaten, deren Profitsucht und Eigeninteresse selbst vor der Ausrottung ganzer Indianerstämme nicht halt macht. Der technologische Fortschritt überzieht das Land, an dem nun auch Japan Interesse zeigt. Der Berater Omura (Masato Harada) ist zu Verhandlungen in Amerika eingekehrt und unterbreitet Algren ein lukratives Angebot. Er soll den Regionalfürsten Katsumoto (Ken Watanabe) und dessen Armee bestehend aus Samurai Einhalt gebieten, die sich gegen den Einzug von Eisenbahnen und westlicher Kleidung in Japan auflehnen. Gemeinsam mit dem Übersetzer Simon Graham (Timothy Spall) bringt er einfachen Bauern vor Ort das Schießen bei. Der vorzeitige Angriff auf die Samurai wird allerdings vernichtend zurück geschlagen und Algren dabei gefangen genommen. Während seiner Gefangenschaft bei den Samurai beginnt er deren Lebensweise in einem anderen Blickwinkel zu sehen.
Für Japan waren die Jahre nach 1868 entscheidend für den Schritt in Richtung der westlichen Zivilisation. Durch neue Reformen sollte der bislang rückständige Feudalstaat eine moderne imperiale Großmacht werden. So kam es, dass in dieser Zeit des Wandels die Tradition und die Moderne sich gegenseitig berührten und insbesondere auch störten. 1873 kam es schließlich zu erheblichem Widerstand von Seiten vieler Samurai und Bauern, die durch die Neuerungen in ihrem gesellschaftlichen Stand funktionslos wurden. Es dauerte allerdings nicht lange bis kaiserliche Truppen eine aufkeimende Rebellion nieder schlugen, was gleichzeitig das Ende der traditionellen Kreigerkaste bedeutete.
Edward Zwick entfremdet diese geschichtlichen Ereignisse und baut auf diesen einen Film, der den östlichen Stil mit amerikanischen Mainstream-Kino vermischt. Das Ergebnis ist weit bodenständiger als beispielsweise "Tiger & Dragon", dadurch aber keinesfalls langweiliger oder weniger opulent bebildert.
"Last Samurai" wurde wie auch schon die "Herr der Ringe“-Trilogie in Neuseeland gedreht. Die Gründe liegen auf der Hand: Zum einen ist die Produktion von Filmen aufgrund diverser Förderungsgesetze und Steuernachlässen besonders günstig, zum anderen sind es schlicht und einfach die atemberaubenden Landschaften, von denen auch "Last Samurai“ enorm profitiert. Vom Tempel über die Schmiede bis zum einfachen Wohnhaus sind die Kulissen über jeden Zweifel erhaben. Und insbesondere das Bergdorf der Samurai, in dem ein Großteil der Handlung angelegt wurde, sowie die abschließende bildgewaltige Massenschlacht zeigen, was ein stimmungsvolles Zusammenspiel zwischen Bild und Ton an Atmosphäre vermitteln kann.
Neben dem finalen Schlachtengemälde, das auch die taktische Komponente nicht außen vor lässt, gibt es auch zwischenzeitlich immer wieder kleinere, detailliert choreographierte Kämpfe mit Holzschwertern, oder im Ernstfall mit echten, die für Abwechslung sorgen. Gerade zu diesen sorgt der orchestrale Soundtrack von Hans Zimmer des Öfteren für einen angenehmen Schauer über dem Rücken des Zuschauers. So kommt in den beinahe zweieinhalb Stunden kaum Langeweile auf, obwohl die Handlung recht einfach strukturiert und ohne Überaschungsmomente erzählt wird.
Ein wenig sterotyp sind die Figuren geworden, die sich schlussendlich doch recht schnell kategorisieren lassen, auch wenn das zu Beginn noch nicht so ausschaut. Erstaunlicherweise trübt dies den Unterhaltungsfaktor des Films kein bisschen, denn dankenswerterweise sind die schauspielerischen Leistungen so überzeugend, dass man die einfältige Zeichnung schnell vergisst.
Überaschend ist hier insbesondere Tom Cruise ("Interview mit einem Vampir", "Mission: Impossible"-Reihe) dessen Perfomance des Öfteren schwankt. Cruise gelingt es, die Entwicklung seines Charakters zu jeder Zeit glaubhaft zu vermitteln, vom gebrochenen Mann zum Krieger, vom Krieger zum Gefangenen, vom Gefangenen zum Schüler, vom Schüler zum Freund. Neben ihm trumpft allerdings der charismatische Ken Watanabe ("Batman Begins") ganz groß auf und weiß als moralischer Anführer in jeder Einstellung mehr als zu überzeugen.
Aber auch abseits der beiden dürfen bekanntere Namen wie Billy Connolly ("Timeline", "Akte X - Jenseits der Wahrheit") oder Timothy Spall ("Sweeney Todd", "Harry Potter"-Reihe) in Schlüsselpositionen tätig werden.
Mit "Last Samurai" bietet Edward Zwick einen actionreichen Unterhaltungsfilm mit bildgewaltigen Massenszenen, einem ansehlichen Cast und dichter Atmosphäre der auch die Vermittlung traditioneller Werte nicht vergisst. Und obwohl der pathetische Unterton und das übermäßig melodramatische Ende die typisch unbeliebten Komponenten des amerikanischen Kinos darstellen, verliert der Film dadurch nicht seinen hohen Sehenswert.
10 / 10