Review

Edward Zwicks „The Last Samurai" konnte meinen Erwartungen nicht standhalten. Zu gut waren die Rezensionen, als dass ich mich mit diesem mäßig erzählten Versuch Tom Cruises, sich ganz in Kevin-Costner-Manier auf die Seite einer traditionelleren aber eben auch technisch unterlegenen Kultur zu schlagen, einverstanden erklären würde. 

Während Costner mit „Der mit dem Wolf tanzt" einen radikal anderen Blick auf die Ureinwohner Nordamerikas ermöglichte, der einen 1991 zwar nicht neuen, dafür aber krassen Bruch mit der bisherigen Narration amerikanischer Selbstdarstellung bedeutete, ermöglicht Tom Cruise mit seiner Produktion keine neuen Perspektiven auf die Kultur des alten Japans. Dafür ist der Ehrenkodes der Samurai viel zu tief im kulturellen Mainstream verankert. So plätschert der Film vor sich hin, arbeitet klassische Topoi ab und hangelt sich von einer Erwartungserfüllung zur nächsten. Spannung kommt so keine auf und auch die Darstellung einer ja eigentlich faszinierenden und vielfältigen Kultur wird sehr uninspiriert und ohne große Ideen umgesetzt.  


Während Ken Watanabe eine sehr gute Figur macht, stört Tom Cruise hier kolossal, denn man nimmt ihm seinen Wandel einfach nicht ab und er bleibt ein Held, dem man nichts Gutes wünscht. Ein schöner Heldentod am Ende wäre hier die bessere Alternative gewesen als in der Narration zu suggerieren, er könnte mit „The Last Samurai" gemeint sein, weil er nach seiner Läuterung und „Ausbildung" zum Samurai ehrenhalber eben dann weiterlebt, aber das ist nicht nur die einzige Fehlentscheidung des Drehbuchs.  

Die Fantasielosigkeit der Inszenierung entrückt die Figuren vom Zuschauer dann zusätzlich so sehr, dass der Versuch, ihm eine fremde Kultur näher zu bringen, einfach scheitern muss. Ein paar Szenen wirken wie ein Best-Of-Eastern-Cocktail, aber man hat alle schon mal besser gesehen. Die Ninja-Attacke, die Flucht aus der Bewachung in Tokio mit Bogengefecht, die Massenschlacht, das Kampftraining - packend ist hier kaum etwas. Lediglich ein paar Familienszenen sind gelungen, weil Frau und Kinder sympathisch rüberkommen. Nur kommt dann wieder ein Schnitt auf den im doppelten Sinne deplatzierten Tom Cruise und schon ist wieder alles hin.   


Fazit 

„The Last Samurai" ist wenig kreativ in seiner Erscheinung und in seiner Erzählung und bietet allenfalls üppig finanzierte Hollywood-Durchschnittskost. Hätte man sich bei der Inszenierung mehr an den japanischen Chanberra-Streifen seit den Fünfzigerjahren orientiert, wäre hier mehr zu holen gewesen als dieser Film, der bereits 2003 eher angestaubt gewirkt haben dürfte. Als Antwort auf Filme wie „Der mit dem Wolf tanzt" und „Braveheart" hätte „The Last Samurai" eigentlich schon 1997 erscheinen müssen. Aus heutiger Sicht hätte ihn das aber auch nicht besser gemacht. Ich fand ihn ausgesprochen langweilig inszeniert und inhaltlich viel zu dünn.    

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