Heute in unserem Kochbuch: Wir basteln uns ein Epos! Man nehme einen fähigen Regisseur (Edward Zwick), der schon mal Bürgerkriegsepen ("Glory", "Legenden der Leidenschaft") inszenierte und uns einst Brad Pitts nackten Hintern präsentierte, einen Drehbuchautor (John Logan), der in amerikanischen Filmforen als untalentiert klassifiziert wird, einen Megastar mit enormen Gagen und einen Kameramann, der schon tolles bei "Braveheart" geleistet hat. Dazu schnappt man sich Hans Zimmer, der hier seinen 100. Score abliefert, würze das Ganze mit allen Klischees, die den Zuschauer schon immer sämtliche folgenden Szenen im Voraus erahnen lassen. Kräftig herein gerotzt wird dann noch Akira Kurosawas Gesamtwerk und ein fetter Spritzer von Kevin Costners Wolfstanz. Was dabei herauskommt, sind 150 Minuten mit Dauer-Deja Vu-Geschmack. Sage und schreibe 10 Monate lang wurde in den USA die Werbetrommel für diesen Flick gerührt und da sollte man wirklich etwas tolles, Maßstäbe setzendes erwarten dürfen. Aber Pustekuchen! Alles, wirklich restlos alles kennt man und hat es auch schon irgendwo besser gesehen. Nach fast drei Stunden Sitzfleisch-Dauerfolter gibt es nur zwei Dinge die hängen geblieben sind. Zum einen eine recht nette Abschlussschlacht und zum anderen Tom Cruise hervorragende Leistung. Die Männeckes, die alljährlich diese lustigen goldenen Figürchen verteilen, werden hier sofort fündig für eventuelle Nominationsgelüste. Wenn der Cruise permanent nach Sake schreit um seine psychischen wie physischen Schmerzen zu kurieren, werden in der Academy die Äuglein der netten Herrn blitzen. Das sollte man sich mal im realen Leben vorstellen: Jemand liegt zusammengeprügelt in der Ecke und plärrt eine ganze Nacht durch nach Alk! Also nö! Macht zwar rein dramaturgisch Sinn und ist toll gefilmt, aber auch welche Wünsche diese und viele andere Szenen im Film abzielen, liegt auf der Hand!
140 Millionen Dollar wurden für den letzten Samurai verpulvert. Im Film sieht man nicht gerade so viel davon. Das mag vielleicht daran liegen, dass komplett auf CGI-Effekte verzichtet wurde und auch so ein Tom Cruise mächtig Cash sehen will. Tja, Old School rulz! Wenn man sich aber mal vor Augen hält, dass 140 Millionen Dollar schon fast anderthalb "Herr der Ringe" ausmachen, schwingt doch schon ein mulmiges, wenn nicht sogar mülliges Gefühl mit. "Last Samurai" ist ein Film, den man nicht unbedingt sehen muss, aber der einem, wenn man es doch tut, wenigstens die Zeit vertreibt.
Schön fotografiertes Mainstream-Kino, das unterhalten will und diesen Zweck auch erfüllt. Hier wäre aber auch weniger mehr gewesen. Zwei tolle Massenschlachten, sowie 100 Minuten Weichspüler-Story ist dann doch zuviel des Guten. 90 Minuten hätten gereicht!
Unterm Schnitt bleibt ein netter Film über, der aber eh im Schatten des dritten "Herr der Ringe"-Films einen ziemlich schlechten Stand haben wird. Mehr als 4 Punkte sind da nicht drin!
4/10