Review

Hurra, die Welt ist in der cineastischen Zukunft wieder einmal komplett im Arsch! Nach einer Nachkriegsklimakathastrophe ist der blaue Planet zur von ständig sängender Sonne verbrannten Einöde geworden. Die gesellschaftliche Elite hat sich vorsorglich rechtzeitig auf den Mond abgesetzt und so verbleibt lediglich das gemeine Volk in der lebensfeindlichen Steppe, wo sie fortan um ihr nacktes Überleben kämpfen muß. Doch auf dem Mond wird derweil eine Substanz entwickelt, die das aus den Fugen geratene Klima wieder einrenken könnte: "Amaranth 3" wird sie genannt, und zum Unmut der feinen Mondbewohner wird diese von den logischerweise danach dringend verlangenden Erdlingen auch sogleich gestohlen. (Wie diese mit ihrem Nahezu nicht vorhandenen, technischen Equipment überhaupt auf den Mond gekommen sein sollen? - Wer weiß...) - Auf jeden Fall ist man auf dem Mond ziemlich angepißt über den Diebstahl und entsendet Professor Ritschwumm... Hoppla, falscher Film... ich meine natürlich den reißnägelfreßenden Actionhelden und Astrocop Joe Brody (Michael Pare). Der so angewiesene darf sich nun mit Pistole und Pumpaction bewaffnet der Aufgabe stellen, die kostbare Substanz wiederzubeschaffen. Doch nachdem er rasch Freunde unter den Erdenmenschen (allen voran die schöne Thora) findet, muß er erkennen dass seine Mondlandsleute das Amaranth nur als Gegenmittel für ein tödliches Virus entwickelt hatten, mit dem sie planten die Erde von aus ihrer Sicht niederem Geschmeiß zu säubern um sie anschließend selbst neu zu besiedeln. Da kann das Heldenherz Joe's natürlich gar nicht mit und so schlägt er sich auf die Seite der Erdlinge und seiner neuen Fickgelegenheit. Aber so schnell werfen die Mondfieslinge die Flinte nicht in's Korn und nachdem ihnen Brody sein Überlaufen per Com-System brühwarm verkündet hat, entsenden sie flugs den Cyborg "Stopper" (Billy Drago), um den unliebsamen Verräter auszuschalten und das Amaranth wiederzuerlangen...


Wie liebe ich sie doch, diese unsäglich billig produzierten Terminator-Rip Offs. Da lacht das Herz des Trash-Fans und das des DVD-Käufers krümmt sich vor Gram über das verschwendete Geld zusammen. - Der Film ist in der Laufzeit denkbar kurz gehalten und das hat seine Gründe. Denn besonders originell oder durchdacht ist der Plot wahrlich nicht. Keinerlei überraschende Wendungen, alles erfolgt schön nach Schema F. Auch in technischer Hinsicht bäckt der niedrigbudgetierte Film kleine Brötchen. So müssen sich Brody und Konsorten mit klassischen Projektil- und Explosivwaffen anstatt von gleißenden Laserstahlern begnügen. Und als Fortbewegungsmittel dienen hier auch keine levitierenden Futuregleiter, sondern gutalthergebrachte, kostengünstige Mottorräder. Auch die Locations sind so überschaubar wie einfach gewählt. Die amerikanische Steppe muß für den Großteil der Handlung als Wüstenlandschaft der Zukunft herhalten, die ein zwei "Mondszenen" wurden in einem minimalistisch aus dem Baumarkt zusammengeschusterten Space-Base-Set absolviert.

Und auch bei Cast und Effekten setzt sich die mangelnde Klasse des Films kontinuierlich fort. Held Brody sieht wie eine Art Jogi Löw im Terminator-Outfit aus. Gewandet in schwarzes Kunstleder und behängt mit obligatorischer Patronenkette, die er allerdings nie braucht da Nachladen für ihn ein Fremdwort ist. Aber Joe darf sich zumindest damit trösten, dass sein Konterpart nicht minder peinlich daherkommt. Der Androidenvillain mit dem einfallsreichen Namen "Stopper" sieht in ungefähr aus wie ein Butler, der einem Romulaner die Kutte gemopst hat und sich bewegt als hätte er einen Stock im Arsch. Bewaffnet ist der dürftige Finsterling mit einem Trommelraketenwerfer, der allerdings lediglich Explosionen hervorbringt die selbst ein angezündeter Furz wohl locker in den Schatten stellen wird. - Nun, auch eine billige Ausstaffierung kann durch eine gute Storyline noch gerettet werden. Aber auch in diesem Punkt Fehlanzeige. Geradliniger und einfallsloser könnte die Geschichte kaum sein und was doch an Ideen vorhanden ist, hat man ungeniert und fast 1:1 (und das schlecht) von bekannten Blockbustern geklaut. Mit viel Gutwill (ob der peinlichen Performance des Akteurs) kann man den "Stopper" noch als Kopie von Arnie's T-800 durchgehen lassen und Hero Brody ist zweifellos eine verunglückte Mad Max-Anleihe.


Der folgende Abschnitt enthält Spoiler
Die Hatz um die Zukunft der Menschheit schreitet hier wie gesagt denkbar rasch voran, da selbst für längere Laufzeit (mit Recht) kein Geld zur Verfügung gestanden zu haben scheint. Die Grundstory wird bereits in den ersten Minuten erläutert und zügig geht Regisseur Boaz Davidson zu dem Versuch über, dem Zuschauer das zu bieten wozu er sich diesen Film überhaupt potentiell ansehen gewillt sein mag: Action. - Joe darf sich somit bereits in den ersten Minuten mit ein paar Endzeit-Biker-Punks kloppen, die aussehen als hätten sie sich kleidungstechnisch aus dem Faschingsfundus ihrer Kinder bedient (vom rosabehemdeten Cowboy über überschminkte Synthetikfederindianer ist alles dabei). Hauptgegner "Stopper" darf derweil selbst den letzten Vollgoombas unter den Zuschauern noch einmal unfehlbar verdeutlichen dass er "der Böse" ist, indem er seinem eigenen Chef ersteinmal prophylaktisch (und reichlich grundlos) den Hals umdreht und anschließend (nach seiner Ankunft auf der Erde) sinnfreierweis' ein Trailer-bewohnendes Jon Doe-Pärchen in's Jenseits zu befördern. Die Beiden waren aber auch selber schuld, denn schließlich hat jeder zufällig auf der weiten Welt angesprochene "Joe Brady vom Mond" zu kennen und somit kann ihr verzweifeltes Unverständnis natürlich nur mutwilliger Verrat sein. Nach kurzangebundener Jagd findet der lustige Cyborg-Grobmotoriker dann, ganz seinem filmischen Vorbild gemäß, in einer himbeermarmeladenartigen Brühepfütze rudernderweise das finale Ende. Doch Joe kann sich nicht so recht über den Sieg freuen. Denn nun steht noch die Abschlußszene mit Tiefgang an. Und das bedeutet dass seine goile Ische in Wahrheit ein Android ist und zudem das so wichtige Amaranth just in ihrem weißblechernen Leibe ruht, was den Heroen natürlich im Sinne der Menschheit dazu zwingt seine eigenen Wünsche tränenreich für die große Sache zu zurückzustellen und die Holde dem Großen Ziel zu "opfern".



F a z i t :
Astrocop. Wie finden Filme mit solchen Titeln überhaupt jemanden, der sie finanziert? Es wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben... - Aber wie dem auch sei. Die Ausstattung des Streifens ist billigst, die Cast hat wohl nie eine Schauspielschule von innen gesehen und selbst die Amish benutzen wohl mehr Special-Effects beim Krippenspiel als uns in diesem Streifen begegnen. Und doch: Der Film ist so kurz gehalten, dass seine minimalistische Handlung und Machart sogar leidlich wieder ausreicht um die Sache über diese geringe Zeitspanne zu retten. Der Plot schreitet zumindest zügig voran und so kommt nicht zwingend Langeweile auf in diesem C-klassigen Sci Fi-Abenteuer. Wer also von Schwächen wie billigster Aufmachung und einfacher Storyline absehen kann, der mag sich von einer TV-Ausstrahlung des Films durchaus kurzweilig amüsiert fühlen. Man muß allerdings dazu die Bereitschaft mitbringen, sich mit den trashigen Aspekten des Ganzen anzufreunden. Denn diese sind hier unfreiwillig stets allgegenwärtig und nicht übersehbar. - Wer einen wirklich guten Actionmovie sucht, ist mit anderen Filmen besser bedient, wer mit Kurzweiltrash leben kann, darf hier einen Blick riskieren.

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