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Evelyn, ein Fotomodel stirbt an einem Abtreibungsversuch. Der Arzt und der Fotograf versuchen es wie ein Unfall aussehen zu lassen. Wenige Zeit später sterben viele verschiedene Leute der Modelagentur, in der auch Evelyn beschäftigt war. Der Mörder trägt dabei immer eine Motorradkluft und lässt seine Opfer schwer verstümmelt zurück. Pablo, der Fotograf versucht mit seiner Freundin Magda den Mörder zu schnappen, denn die Polizei läuft auf Holzsohlen. Wer ist der Mörder und welches Motiv hat er?

Das Motiv dieses Softerotiksslashers, der angeblich ganz im Stile Dario Argento's inszeniert wurde, ist erdenklich einfach, denn der unbekannte Täter möchte grundlegend den Tod Evelyn's rächen. Dabei bohrt der Film nicht nur ein sehr dünnes storytechnisches Brett, sondern ist auch noch in seiner rätselhaften Tätererkennung recht unmotiviert, denn während alle Mitglieder des Studios ermordet werden, tappt man als Zuschauer zwar im Dunkeln, nicht weil das Rätselraten um den Mörder geistreich, wendungsreich oder intelligent serviert wird, sondern weil jegliche Motive des Täters fehlen jeden derart umzubringen. Denn was der schmierige und fettleibige Besitzer des Studios und seine Frau, die neuangekommene Entdeckung von Pablo, der alteingesessene Fotograf Mario Ferrari mit dem Tod Evelyns zu tun haben könnten, erschliesst sich meiner Kenntnis, umso banaler und gähnaufbringender ist dann die tatsächliche Auflösung, die einem dann zwar den unerwarteten Täter vor Augen wirft, aber das zu erwartene Motiv bestätigt. Denn was man bei einem Giallo dieser Art erwartet, ist meist das Vermögen, von dem vermeintlichen Killer und Motiv abzulenken und falsche Schlüsse zu ziehen, doch wenn man keinerlei, oder ein wirklich hanebüchendes Motiv hat, oder zumindest der Anhaltspunkt so erdenklich ist, dann macht dieses irreführende Rätselraten auch keinen Spass machen.

Der Film fährt zwar zielsicher im Fahrtwasser der italenischen Giallowelle, ist dabei aber sicher einer der schwächeren Vertreter dieses Genres. Wenn man dabei den recht ominösen Regisseur Andrea Bianchi betrachtet, dann sind die sexuellen Bezüge, die Die Nacht der langen Messer einwirft gerechtfertigt, schliesslich verstand er es auch später mal wieder wenig geistreich aber unfreiwillig unterhaltsam auf ein anderer Exploitationswelle mitzuschwimmen. Die Rede ist dabei sicher von dem wohl schmuddeligsten und schundigsten Zombiefilm dieser Ära, der Rückkehr der Zombies, der mit dem oediphalem Kind, den Etruskerzombies und den fickwilligen Päarchen. Und so tut sichs dann auch schon gleich mit Strip for the killer, ein wohl passenderer Titel, ähnlich auf, auch wenn man bei besagter Szene bei der Abtreibung sicher nicht von Erotik sprechen kann.  Ein Seherlebnis das zwar nicht im entferntesten schockierend ist, aber zuweilen mal das geistreich unterirdische Niveau dieses Filmes näherbringt und einleitend für das ist, was in diesem Möchtegerngiallo dominiert. Nackte Haut war ja schon immer ein Indiz für das vorwährende Vorhaben inhaltliche Schwächen zu übertunschen, dass dies neben der recht schmuddeligen Inszenierung als Vorliebe der italienischen Regisseure gilt, ist auch hierbei wieder in Mengen sehbar, denn blanke Messer sieht man hierbei weniger als in diesem Falle blankgezogene Brüste.

Wenn es dann doch mal blankgezogen wird, also das Messer, dann ist das zwar selten explizit oder beängistend, aber das Resultat ist dann jenes, was man von einem einfältigen Schundregisseur erwartet. Verstümmelt wurde hier zwar nicht, aber der rote Lebenssaft läuft schon in Mengen, schön auch die recht billig anzusehenden Wunden an den Menschenleichen, während das Blut wie Wandmalfarbe aussieht. Was solls, allzu intensiv ist das alles nicht, aber immerhin unterhaltsam ist es schon, vorallem weil sich Darsteller in ihrer Paarungbereitsschaft erheblich schwer tun, mitsamt ihren dämlichen Dialogen den Film nur ein Züglein ernst wirken zu lassen. Immerhin ein Vorteil für den Zuschauer, der zwar meist innovationslose Morde und ästhetische Sexszenen vermisst, dabei aber reichlich was zu lachen hat, vorallem wenn der dicke Studiobesitzer bei Frau X keinen hoch kriegt und danach zur Gummipuppe greift. Wie ein Riesenbaby, in übergrossen Windeln läuft er durchs Gemach, Frau Dolly leicht verschrumpelt im Unterarm und schon lauert da der Killer, der immerwährend mit einem Donggeräusch angepriesen wird. Der Score ist oftmals unpassend, meist aber anzusiedeln zwischen schlechtem 70ties Pop, Softerotikgeklimper a la Porno Holocaust und typischen Giallotonmerkmalen, sodass man sich als Sleazefreund nur so freuen kann. Dabei unterstreicht er meist mehr die lächerlichen Darsteller und lässt alles allesamt noch unbedarfter wirken, was es ohnehin schon ist, aber vielleicht ist das auch die grosse Kunst Bianchis. Positiv zu vermerken ist da sicher die Darstellerin der Magda, die zwar schön anzusehen ist und Gefühl in die Sexszenen einbringt, aber mindestens genauso unglaubwürdig mimt.

Fazit:
Inhaltich leerer, bisweilen blutiger aber belanglos dämlicher Giallo ohne Mitratemotivation. Dabei ist die Auflösung ohnehin zu offensichtlich und die tragenden Momente in diesem platten Sleaze sind zweifelsohne die Sexszenen. Ästhetik geht anders, auch wenn Magda ne richtige Schönheit ist. Die Nacht der blanken Brüste, ähem...Messer ist ein solider Sex - Trashkrimi ohne nennenswerte Qualitäten, aber mit soviel Schmuddelcharme, dass man recht unfreiwillig unterhalten wird. Für die Sleazefraktion geeignet, für den Trashfan auch, wobei dort eher Rückkehr der Zombies vorzuziehen ist.

62%

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