Als Lovecraft in den 60er Jahren allmählich wiederentdeckt wurde (besonders in den USA - wo 1967 auch die Band H. P. Lovecraft entstand - und in Frankreich, aber auch hierzulande, wo sich der Insel Verlag in seiner löblichen Reihe "Bibliothek des Hauses Usher" seiner annahm und wenig später August Derleth und C. A. Smith nachschob, welche zusammen mit Lovecraft dann auch Jahre später zum Standard von Suhrkamps Taschenbuchreihe "Phantastische Bibliothek" wurden), da nahm sich auch der Film zögerlich seiner an.
1963 drehte Corman mit "The Haunted Palace" den ersten, sich auf Lovecraft berufenden Film, wenngleich man bei AIP alles tat - angefangen beim Titel - um den Film in Verbindung mit dem bewährten und zugkräftigen Namen Poe zu bringen.
Über Cormans Schüler Daniel Haller, der nach "Die, Monster, Die!" auch "The Dunwich Horror" (1970) drehte, kam es zu einer ersten Hochphase an Lovecraft-Verfilmungen Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre, die noch die Filme "The Shuttered Room" (1967) und "Curse of the Crimson Altar" (1968), sowei zwei Episoden für die Reihe "Night Gallery" (1970-1973) umfasste, ehe dann erstmal wieder ein knappes Jahrzehnt Ruhe herrschte.
Haller hatte sich unter anderem als Szenenbildner bei "House of Usher" (1960) und "The Masque of the Red Death" (1964), als Szenenbildner und Art Director bei "Pit and the Pendulum" (1961), "Tales of Terror" (1962), "The Raven" (1963) und "The Comedy of Terrors" (1963), sowie als Art Director bei "Premature Burial" (1962), "Tower of London" (1962), "The Terror" (1963) und "The Tomb of Ligeia" (1964) als ein Talent erwiesen, das maßgeblich den Gothic-Horrorfilm und den Look der entsprechenden AIP-Produktionen mitentwickelt hatte.
So verwundert es auch nicht, dass "Die, Monster, Die!" in erster Linie wegen als wohlig gruselig ausgestattete, filmische Geisterbahnfahrt zu überzeugen weiß, während der Film zugleich an seinem schwachen Drehbuch leidet, das Jerry Sohl verfasste, der zuvor fast nur die Bücher für diverse Episoden etlicher TV-Serien geschrieben hatte, aber auch später nichts überragendes aufzuweisen hatte (sondern u. a. das Drehbuch für "Curse of the Crimson Altar").
An "Die, Monster, Die!" zeigt sich gut, wie sehr das Setzen auf Erprobtes und Bewährtes und die Furcht vor dem Experimenten aus einer interessanten Grundlage ein kaum überzeugendes Ergebnis machen: denn die zugrundeliegende Erzählung "The Colour Out of Space" (1927) versteht es äußerst geschickt, Spannung zu erzeugen und in zunehmendem Maße für Beklemmung zu sorgen. Doch entsprach der Aufbau keineswegs dem, was dem Aufbau bisheriger AIP-Horrorfilme auch nur annähernd entsprochen hätte und Jerry Sohl lässt weg, fügt hinzu und schreibt um, bis sich das Ergebnis problemlos in gängige Schemata des Genres einfügt, mit allen Klischees und Stereotypen.
Hier ist es [Achtung: Spoiler!] kein Landvermesser mehr, der von einem alten Einsiedler in der Nähe von Arkham die Geschichte der Gegend erzählt bekommt, die Geschichte eines niedergegangenen Meteoriten, mit dem eine außerirdische Macht, eine nicht zu beschreibende Farbe über lange Zeit hinweg eine ganze Familie samt Vieh in den Tod zieht und sich bis in die Gegenwart langsam aber sicher ausbreitet.
Die Rahmenhandlung musste selbstverständlich getilgt werden und ein episodenhaftes Dahinsiechen aller Beteiligten über lange Zeit hinweg ohne jede fassbare Bedrohung in Verbindung mit einem offenen Ende hätte eine recht unerprobte Dramaturgie für einen kommerziellen Horrorfilm abgegeben.
Sohl lässt also seinen Helden in ein Geschehen platzen, das schon lange Zeit im Gange ist, um ihn dann die Ereignisse klären und mit seiner schmucken Freundin fliehen zu lassen. Zusätzlich packt er all die Versatzstücke in den Film hinein, die man mit dem Genre in Verbindung bringt: die Einheimischen, die den Weg zum Schloss nicht nennen; der verschwiegene Herr des Hauses, der alles weiß, nichts verrät und düster daherstarrt; das junge Paar, das sich nach den schauerlichen Ereignissen am Ende endlich findet; die finstere Ahnengalerie, die die Geschichte willkürlich in Richtung Familienfluch auszuweiten scheint; und die greifbare Bedrohung in Gestalt irrsinniger Monster - denn anders als in der Vorlage siechen die Leute hier nicht einfach nur dahin und werden wahnsinnig, sondern sie werden stark, ausgesprochen agressiv und mörderisch und relativ flink.
Heraus kommt also die Geschichte um Stephen Reinhart, der als Reaktion auf den Brief der Mutter seiner Geliebten Susan nach Arkham reist, wo er sich gegen den Unwillen der Dörfler nach Schloss Witley begibt, wo ihn Susans Vater unwirsch empfängt und wieder wegzuschicken gedenkt. Doch Stephen bleibt und erlebt allerlei haarsträubendes: die Vegetation in der Umgebung ist größtenteils verkohlt, Susans Mutter krankt hinter einem Vorhang dahin und bittet ihn darum, Susan fortzubringen, eine vermummte Gestalt, die sich bald als Helga, das vor einem Monat erkrankte und dann verschwundene Dienstmädchen entpuppt, macht die Gegend unsicher und im Gewächshaus sind die Pflanzen auf monströse Größe herangewachsen, während sonderbare, mutierte Lebewesen dort in Käfigen gefangengehalten werden. Als er dann ein strahlendes Gestein im (schauerlich ausgestatteten) Keller vorfindet und Susans Mutter plötzlich Amok läuft und dann zu einer blutigen Masse zerfließt, kann er den alten Witley zum Reden bewegen: ein Meteor sei in der Nähe niedergeschlagen und habe zunächst positive Auswirkungen auf die Vegetation gezeigt, woraufhin er ihn in seinen Keller gebracht habe. Nun erkenne er jedoch die negativen Auswirkungen (und sieht im Gegensatz zu Stephen kein Naturphänomen darin, sondern die Auswirkung des Treibens eines fluchwürdigen Vorfahren) und wolle ihn zerstören; Stephen solle mit Susan fliehen. Doch gerade als der alte Witley den Stein zerstört, überfällt ihn das mutierte Dienstmädchen, woraufhin er in die Gesteinssplitter fällt und als metallisch-grünliches Monster auf Stephen und Susan losgeht. Es kommt zum Kampf, den nur das junge Paar überlebt, während Schloss Whitley niederbrennt und über dem flammenden Gemäuder per Überblendung das Gesicht des verruchten Vorfahren erscheint.
Abgesehen davon, dass Sohl - was positiv hervorzuheben ist - in seinen Veränderungen des Stoffes immerhin ein noch typisch Lovecraftsches Element einbringt (nämlich das Einwirken längst verstorbener Schwarzmagier auf das Schicksal ihrer Nachfahren, was man etwa in "The Case of Charles Dexter Ward" aka "The Madness Out of Time" (1927), der die Vorlage für Cormans "The Haunted Palace" abgab, und "The Thing on the Doorstep" (1936) finden kann, und das hier immerhin als eine Erklärungsmöglichkeit des Ganzen in den Raum gestellt wird), bleibt kaum was positives über seine Eingriffe zu sagen, die alle Qualitäten der Vorlage verspielen. Dass Witleys Sinneswandel erst mit dem Tode seiner Frau daherkommt, aber nicht mit ihrer Erkrankung, bzw. der Erkrankungs des Dienstmädchens und eines Butlers, erscheint etwa ebenso unglaubwürdig, wie die Weigerung aller Dörfler, auch nur irgendwas über Schloss Witley zu sagen - sogar der Arzt, an den sich Stephen wendet, rückt mit Informationen nur ungern heraus. Sohl hat hier etliche Klischees zu einer manchmal inkohärenten Mischung vereint und die Dichte an Klischees auf ein bemerkenswert hohes Level gebracht.
Ansprechender gerät da eher die formale Seite: nach dem faszinierenden Farbstrudel des Vorspanns muss man sich für kurze Zeit mit einigen unbeeindruckenden Außenaufnahmen abfinden (Arkham wirkt hier sehr profan), sobald dann aber erste künstliche Kulissen auftauchen macht sich die bei AIP für das Genre typische dichte Atmosphäre bemerkbar. (Haller, der hier erstmals Regie führt, übergab seine einstigen Aufgabenfelder an Colin Southcott, der zuvor nur bei "The Masque of the Red Death" (1964) und "The Tomb of Ligeia" (1964) Erfahrung sammeln konnte und später keine nennenswerte Karriere mehr gemacht hat.)
In den Szenen im Keller übertreibt man es etwas und das Ausmaß, in dem Fledermäuse, Vogelspinnen, Skelette, Totenkopf-Gitter und Baphomet-Zeichnungen hier vorgeführt werden, verleihen dem Ganzen einen unernsten Charakter, den auch einige von Wally Veevers Spezialeffekten herbeiführen, die nicht unbedingt zu den beeindruckendsten seiner Karriere gehören
Heraus kommt eine einfältige Handlung in einer Inszenierung, die mit ihren Geisterbahn-Utensilien bisweilen die unfreiwillige Komik streift, mehrfach aber ganz gelungen die Stimmung der Gothic Horrorfilme hervorzurufen versteht - man muss schon eine Vorliebe für naive Vertreter des 60er Jahre Grusels besitzen, um all dem etwas positives abzugewinnen. Boris Karloffs Aura trägt sicherlich auch einiges dazu bei, was aber eher an seiner bloßen Anwesenheit und weniger an seiner darstellerischen Leistung liegt, der hier nichts bemerkenswertes anhaftet.
Insgesamt Durchschnitt, was in Anbetracht der hochwertigen Vorlage besonders schade ist: der Verzicht auf eine konventionelle Dramaturgie, das Weichen einer aktionsbetonten Handlung zugunsten einer schleichenden Schilderung des Zerfalls, der ohnmächtigen Hilflosigkeit im Angesicht einer unfassbaren Bedrohung hätte aus der Verfilmung von Lovecrafts Erzählung einen echten Klassiker machen können.
5,5/10