„Das Grauen auf Schloss Witley“ alias „Die, Monster, Die!“ ist eine vollgepackte Wundertüte für Freunde des phantastischen Films, denn hier kommt so einiges zusammen: Boris Karloff in einer seiner letzten Rollen, Regisseur Daniel Haller, der bei Roger Cormans Poe-Verfilmungen lernen durfte und sein Wissen überdeutlich einbringt, Lovecraft, Gothic-Grusel, Science Fiction, Kreaturen, Spezialeffekte und Klischees noch und nöcher.
Hallers Lovecraft-Verfilmung, eine britisch-US-amerikanische Koproduktion aus dem Jahre 1965, holpert sich durch ein lose auf einer Erzählung Lovecrafts beruhendes Drehbuch, greift die Familienfluch/Erbschuld-Thematik diverser Poe-Verfilmungen Cormans auf und hat einige Überraschungen parat, insbesondere den Stilwechsel vom in üppiger, wenn nicht gar übertriebener Gothic-Austattung inszenierten Grusler mit seinen ängstlichen Dorfbewohnern, dem geheimnisvollen, nebelverhangenen Schloss etc. zum mysteriösen Science-Fiction-Horror mitsamt seltsamen Kreaturen und einem wahnwitzigen Ende unter Gebrauch von einfachen, aber sehenswerten Spezialeffekten, verliert dabei aber hin und wieder etwas den roten Faden. Dafür zieht man aber ansonsten sämtliche Register aus dem kleinen 1x1 des Horrorfilms, dass es fast überladen wirkt. Klotzen statt Kleckern hieß diesbzgl. wohl die Devise und im Zweifelsfall fand lieber ein Geisterbahnrequisit zuviel als zuwenig Verwendung.
Einem knorrigen Boris Karloff wurde ein gesichtsloser Hauptdarsteller zur Seite gestellt, der durch seine Hartnäckigkeit die Ereignisse vorantreibt, so ganz nebenbei dem jungen „Burgfräulein“, das in seiner Ängstlichkeit, Naivität und Unselbständigkeit so ziemliches jedes Klischee erfüllt, die Welt erklärt und sich – ganz Edelmann - schützend vor sie stellt. Von der kranken, verschleierten Mutter hingegen bekommt man nicht allzu viel zu sehen und vom umherspukenden Etwas, das wohl mal das Dienstmädchen war, schon gar nicht. Im Keller hocken zudem irgendwelche mutierten Viecher, die aber (leider) nicht weiter ins Geschehen eingreifen. Und während die Vegetation draußen verdorrt, züchtet man im Gewächshaus Pflanzen, die jeden Hobbygärtner vor Neid erblassen lassen.
Man erkennt eindeutig Cormans Schule, diese wirkt aber abgeflacht, abstrahiert, interpretiert, quasi wie ein Exploit von Cormans Filmen. Und ein Boris Karloff ist zwar durchaus eine gute Wahl, ersetzt aber keinen Vincent Price. Doch trotz oder gerade wegen aller Kritikpunkte ist „Das Grauen auf Schloss Witley“ für Genrefreunde ein großer Spaß mit beachtlichem Unterhaltungswert, kuriosen Ideen und einem abgefahrenen Finale, das man so sicherlich nicht erwartet hätte und ein echter Showdown ist, für den allein sich das Anschauen schon lohnt. Wenn Haller in die Effektkiste greift, jauchze ich vor Glück und freue mich umso mehr über dieses hochcharmante Kleinod. Aufgeschlossene Filmfreunde, die ein Herz für solch liebenswürdige B-Genrekost haben, machen bestimmt nichts verkehrt, allzu unbedarfte Zuschauer hingegen könnte dieses bunte Potpourri nachhaltig verwirren...