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Es gibt kaum einen Regisseur, der den Actionfilm der Achtziger entscheidender prägte, als Walter Hill mit seinem „48 Hrs.“- die Genrereformierung. Nach diesem Erfolg beschloss der Garant für kompromisslose Filmkost sich jedoch, teilweise experimentell, außerhalb seines angestammten Genres nach neuen Herausforderungen zu suchen, um später mit Filmen wie „Extreme Prejudice“ und „Red Heat“ genau dort wieder einzuschlagen. Aus seiner zwischenzeitlichen Abkehr vom reinen Actionfilm stammt auch „Streets of Fire“, produziert von Hitgarant Joel Silver.

Diese unkonventionelle Genremixtur, die sich selbst als Rock ’n’ Roll – Fabel bezeichnet, entführt den Zuschauer in eine nicht näher bestimmte Fantasy-Welt, in der Rock ’n’ Roll tatsächlich Programm ist. Deswegen gibt es musikalisch von Anfang bis Ende in diesem Stil auch die volle Dröhnung, bisweilen mit minutenlangen Auftritten in Clubs und Diskotheken. Kann man mit dieser Musik nichts anfangen, fällt die Unterhaltung schnell flach, denn bis hin zu Autos und Gebäuden trägt hier alles den Flair der Fünfziger mit dezent urbanen Einflüssen. Innovativ ist dieses Szenario allemal, nur muss man in ihm auch etwas platzieren können.

Und genau daran mangelt es „Streets of Fire“ leider. Zusammen mit Autor Larry Gross („48 Hrs.“, „True Crime“) verfasste Walter Hill einen für ihn untypisch belanglos und simpel heruntergespulten Plot, der seine Liebe zu klassischen Westernmotiven zwar nie leugnet, ansonsten aber leider nur wenig auf seiner Seite verbuchen kann. Die Freigabe ab 18 ist by the way wohl ein Scherz der FSK gewesen.

Der lonesome Cowboy, hier Tom Cody genannt, wird von einem jungen Michael Paré gespielt, der dank seines Milchbubigesichts und der schmalen Bauweise, leider gar nicht in die Rolle des wortkargen, mutigen Helden passt, aber zumindest zeitweise so rebellisch und antiautoritär sein darf, um sich die Missbilligung der Polizei abzuholen. Als seine ehemalige Flamme, die Rockröhre Ellen Aim (Diane Lane, „Judge Dredd“, „Must Love Dogs“), von einer Rockerbande des gefürchteten Raven Shaddock (in Bestform und Latex-Hose: Willem Dafoe, „Speed 2: Cruise Control“, „xXx: State of the Union“) entführt wird, lässt er sich von ihrem jetzigen Freund, dem Event-Manager Billy Fish (Rick Moranis, „Ghost Busters“, „Little Shop of Horrors“) dafür bezahlen, dass er sie befreit. Mit von der Partie ist auch die Arbeit suchende, ruppige Ex-Soldatin McCoy (Amy Madigan, „Field of Dreams“, „The Dark Half“)...

Der hier zwar namhafte, damals aber noch sehr junge und durch die Bank weg so gut wie unbekannte Cast zieht sich abseits von Parés Fehlbesetzung, durchaus solide aus der Affäre. Vor allem Amy Madigan macht als Frau mit Männerbenehmen ein ums andere Mal Spaß. Leider hat man sich allerdings irgendwann am extravaganten Interieur und den düster-bedrohlichen Straßenzügen, durch die grundsätzlich geflitzt oder gefahren wird, satt gesehen. Die ausgespuckten Oneliner treffen nicht immer ihr Ziel und neben der Mission hat der Film leider auch keinen echten Subplot auf Lager. Je länger „Streets of Fire“ dauert, desto kleiner wird das Interesse seitens des Publikums.

Ein paar flambierte Motorradstunts sehen ohne Frage klasse aus, doch die Befreiungsaktion selbst gelingt viel zu einfach – genau wie die anschließende Flucht. Zu Cody bauen sich keine Sympathien auf, sein Beziehungsdrama mit Ellen wirkt zeitweise schon wieder kitschig, während der finale Showdown zwischen Raven und Tom schon wieder das obligatorische Duell gibt, welches mit Sicherheit mehr Intensität erfahren hätte, wenn sich beide mehr als einmal (und dann nur kurz) gegenüber gestanden hätten.

Deswegen bleibt „Streets of Fire“ auch maximal ein Film für die Rock ’n’ Roll – Fans, die könnten ihn dann sogar auch als Kult abfeiern.
Fakt ist allerdings, dass der Film weder für den Actionfilm noch für wie Filmografie von Walter Hill in irgendeiner Art und Weise wichtig ist und tatsächlich nur mit seinem Szenario und der damit verbundenen, ausschweifenden Musikbegleitung durch Ry Cooder und Jim Steinman zu begeistern weiß. Schauspiel, Story und Action fallen da doch ein deutliches Stück bei ab.


Fazit:
Walter Hills freilich nicht überragende aber bisweilen unkonventionelle Inszenierung (z.B. Schnitttechnik) und das gänzlich unbefleckte Szenario inklusive Musik sorgen für eine gewisse Kurzweiligkeit und Faszination, die auf die Dauer nicht erhalten werden kann. Dafür ist die Geschichte selbst zu trivial, die Darsteller zu durchschnittlich, die Action, auf der hier auch nie der Hauptaugenmerk lag, zu eintönig und die Dialoge nicht treffsicher genug.

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