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Für „Streets of Fire“ kooperierten Produzent Joel Silver und Regisseur Walter Hill mal wieder, doch anstelle von rüder Kost Marke „Nur 48 Stunden“ gibt es hier verspieltes Entertainment zu begutachten.
Angesiedelt ist der Film, der sich in den Opening Credits gleich als Rock’n Roll Fabel bezeichnet, in einer alternativen Realität, die aber sehr nach dem Amerika der 50er Jahre aussieht – nur mit 80er Jahre Rock untermalt. Selbigen gröhlt Sängerin Ellen Aim (Diane Lane) ins Mikro und wer sich bei dem Stil jetzt an Bonnie Tyler und Meat Loaf erinnert fühlt, der wird kaum überrascht sein zu erfahren, dass deren Komponist Jim Steinman hier für die Musik mitverantwortlich war (neben Walter Hills altem Weggefährten Ry Cooder).
Die Stimmung ist gut, doch dann tauchen die Bomber, eine Rockergang unter der Führung von Raven Shaddock (Willem Dafoe) auch, machen Stress und entführten Ellen. Banales Motiv: Raven will eine kurze Romanze mit Ellen, was bei all dem boshaften Gepose in Lack und Leder fast schon wieder harmlos wirkt, aber da merkt man schnell: Um die Geschichte ging es Walter Hill nicht.

Doch zum Glück gibt es einen einsamen Helden, den man herbeirufen kann, den Ex-Soldaten Tom Cody (Michael Paré). Gemeinsam mit der Ex-Soldatin McCoy (Amy Madigan) und Ellens Manager Billy Fish (Rick Moranis) bricht er zur Rettung auf…
„Streets of Fire“ atmet den Geist der 50er durch und durch – bzw. den Geist der filmischen 50er. Die Bösewichte könnten aus dem einem Bikerfilm dieser Epoche stammen, das Design an die Setbauten der damaligen Zeit und als Rebell posiert Tom in der Tradition von James Dean und Marlon Brando. Gerade die Szene, in der er ein paar Radaubrüder im Diner seiner Schwester zusammenhaut, könnte auch aus einem Jugendfilm mit einem der beiden sein, zumal Cody oft eine antiautoritäre „Rebell without a Cause“-Haltung an den Tag legt.

Die Oberfläche scheint Hill hier sowieso das Wichtigste zu sein: Exzessive Neon-Ausleuchtung, knallbunter Style, stets ein schmissiger Song im Hintergrund. Eingerahmt wird die Geschichte von zwei langen Bühnennummern zu Anfang und Ende des Films, natürlich gefilmt im Stile eines 80er Jahre Musikvideos. Und tatsächlich: „Streets of Fire“ funktioniert hier wirklich erstklassig, ist ein Gemälde aus Bild und Ton und zeigt, dass Hills Devise hier lautete: style over substance.
Letzteres macht sich dann leider deutlich bei all jenen Szenen bemerkbar, in denen weder gerockt noch gekämpft wird, denn die hier erzählte Plotte ist schlicht und einfach banal, schafft nie eine große Fallhöhe für die Figuren. Nahezu lächerlich einfach läuft die Befreiung Ellens, danach wird die Geschichte der Flucht erzählt, im letzten Drittel geht es dann um einen potentiellen Racheakt Ravens: Es wirkt, als würde „Streets of Fire“ alle 30 Minuten neu beginnen und in jedem Part dann nur eine kleine, belanglose Story erzählen wollen. Insofern sich auch die Subplots herzlich uninteressant: Ellen war mal mit Cody zusammen, der ging fort, nun ist sie beim wenig sympathischen, aber karrierefördernden Manager usw. Aber ist dann schlussendlich egal, denn als alter Loner im Westernstil haut Tom Cody zum Schluss wieder ab, wenn auch nicht in den Sonnenuntergang.

Actionfans sollten trotz des Namens Walter Hill nicht zu große Hoffnungen an „Streets of Fire“ stellen, zumal die damalige 18er Freigabe ein Riesenwitz ist. Hier kommt niemand im Bild zu Tode, Feinde verprügelt man im Geist der 50er, aber Umbringen ist nicht drin. Ein paar nette Motorradstunts hat das Treiben der Gang schon zu bieten, nett sind die explodierenden Bikes bei der Befreiungsaktion, aber „Streets of Fire“ bringt es gerade mal auf drei Actionszenen, die allesamt eher kurz sind: Ellens Raub, Ellens Befreiung und der Showdown. Letzterer ist immerhin schön choreographiert und das Ende mit der Bürgerwehr ist ein netter Gag zum Thema Zivilcourage.
Ein großer Schauspieler war Michael Paré nie, als Poser macht er hier aber schon einen brauchbaren Job. Diane Lane hingegen ist verschenkt in ihrer oberflächlichen Rolle, Amy Madigan darf ein paar coole Oneliner absondern, wurde aber dafür mit der vielleicht hässlichsten Frisur der 80er verschandelt. Rick Moranis spielt seine übliche Loser-Rolle, hier eben nur als Unsympath, während Willem Dafoe als teuflischer Rockerboss den Rest-Cast überragt: Gerade beim Schreiten aus der brennenden Bar ist der Mephisto-Look perfekt. In einer kleinen, kaum nennenswerten Rolle zu sehen: Bill Paxton.

Tolle Bilder, toller Soundtrack, leider nicht soviel dahinter: Als kurzweiliges style over substance Vergnügen macht „Streets of Fire“ durchaus Spaß, man muss nur mit einem gewissen Leerlauf zwischen Musiknummern und Actionszenen leben können.

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