Eine fiktive Großstadt in den USA Ende der Fünfziger: Sängerin Ellen Aim (Diane Lane) feiert mit ihrer Band the Attackers gerade Triumphe, als sie von einer Motorradgang von der Bühne weg entführt wird. Da die Polizei ebenso machtlos wie desinteressiert ist, überredet Schnellimbiß-Besitzerin Reva Cody (Deborah Van Valkenburgh) ihren ausgewanderten Bruder Tom Cody (Michael Paré), doch bitte zurückzukommen und die Angelegenheit zu regeln. Tom läßt sich auch nicht lange bitten, hatte er doch früher einmal ein Techtelmechtel mit der Sängerin. Gemeinsam mit der arbeitslosen Ex-Soldatin McCoy (Amy Madigan) sowie Ellens schmierigem Manager Billy Fish (Rick Moranis) nimmt er den Kampf gegen die Rocker auf. Nach der geglückten Befreiung sinnt deren Anführer Raven Shaddock (Willem Dafoe) jedoch auf Rache, und auch das Verhältnis der Befreiten zu ihren Befreiern ist noch nicht ganz geklärt...
Straßen in Flammen ist ein merkwürdiger Zwitter aus Musikfilm, Drama und Actionstreifen, der sich bewußt über herkömmliche Genre-Konventionen hinwegsetzt und hauptsächlich mit Schauwerten zu glänzen vorgibt. So hat man bewußt auf Zeit- und Ortsangaben, ja sogar auf Nummernschilder an den Autos verzichtet, um der Vorgabe anywhere-anytime gerecht zu werden. Während die Darsteller und ihre Klamotten jedoch eher auf die späten Fünfziger hinweisen, bestehen die Musiktitel, die Ellen Aim teilweise fast voll ausgepielt zum Besten gibt, eher aus Bombastrock der 80er Jahre (Kein Wunder, wenn u.a. MeatLoaf-Produzent Jim Steinman die Hände im Spiel hatte) - dies mag ganz reizvoll erscheinen, legt den Film aber umgebungstechnisch eigentlich auf eine wesentlich spätere und daher nicht zum Setting passende Epoche fest. Der einzige Rock'n'Roll-Song (mit einem fetzigen Saxophon) spielt während der Befreiung.
Der nächste Kritikpunkt sind die zur (dünnen) Story einfach nicht passenden Darsteller: Der Held ist ein dünnarmiger Herumtreiber (nicht unsympathisch), der aber so gar nicht den Eindruck macht, es mit einer gefährlichen Rockerbande aufnehmen zu können. Seine Begleitung besteht aus dem schön klischeehaft dicklichen, bebrillten kleinen Musik-Manager, der widerwillig die geforderten 10.000 Dollar springen läßt, um sein bestes Pferd im Stall zurückzubekommen - und der laut Drehbuch inzwischen auch Ellens Liebhaber sein soll, was man sich nicht recht vorstellen mag. Der Gipfel jedoch ist die völlig temperamentlose Ex-Army-Soldatin McCoy (Zitat: "Mir sind die Kriege ausgegangen"), die in jedem anderen Film mit diesem Plot (Geiselbefreiung) eine Halbwertszeit von höchstens 2 Minuten als Kanonenfutter hätte. Wenn man ihre dargestellte Figur in Sachen Optik und Duktus extrapoliert, wähnte man sich glatt in einem Trash-Film. Gegenspieler dieses illustren Trios ist der Anführer der sich Bomber nennenden Rocker - Willem Dafoe hatte zwar damals schon markante Züge, aber sein Auftreten als haarloser, bleicher Bösewicht ohne Tätowierungen in dünnen schwarzen Plastik(!)klamotten (statt Leder, Nieten und Ketten) läßt ebenso wie der an einer Stange tanzende junge Mann im Club der Rocker eher auf einen homoerotischen Kontext schließen statt auf den gefürchtetsten Outlaw des Stadtteils Battery, den Dafoe darstellen soll. Zu dieser Schauspieler-Riege gesellen sich dann noch selten hölzerne Dialoge, die vor Klischees nur so triefen und die man zugunsten einiger Untertitel vielleicht auch gleich ganz hätte weglassen können.
Bezüglich des Settings fallen die wenigen Handlungsorte auf, in denen in der meist nachts spielenden Handlung zumindest die auffällige Neon-Reklame gut zur Geltung kommt. Die Action-Szenen finden fast sämtlichst unter den Pfeilern einer aufgeständerten U-Bahn statt und werden - vermutlich absichtlich - eher mit gebremsten Schaum durchgezogen. Auch die Befreiung gelingt eher spielend, wobei der Held zielsicher die Tanks der Biker unter Beschuß nimmt, die sich dann in einem Feuerball verabschieden. Immerhin nett ist dann der Schlußgag mit dem Zweikampf, zu dem überdimensionale Vorschlaghämmer benutzt werden.
Nein, logisch ist das alles nicht, logisch soll aber vermutlich auch gar nichts sein in diesem Film von Walter Hill (Red Heat, Nur 48 Stunden), der einige Jahre zuvor mit den Warriors einen bezüglich Gangs ähnlich gelagerten, allerdings wesentlich düstereren Streifen abgeliefert hatte. Für Retro-Freaks vielleicht optisch interessant, ansonsten bestenfalls mäßig unterhaltsam. 3,4 Punkte.