Review

Der ehemalige Kritiker und Drehbuchautor Dario Argento hatte mit „L‘ Uccello dalle piume di cristallo“, besser bekannt als „The bird with the crystal plumage“ zwar schon einen wirklich beachtlichen Einstieg in die Welt der Regisseure, aber seinen endgültigen Durchbruch schaffte er 1975 mit „Profondo Rosso“, einem Thriller der bis heute grossen Kultstatus besitzt, da hier Argento zum ersten mal „typisch Argento“ ist.

Zur Story:
Mark Daly (David Hemmings), ein englischer Musiker, beobachtet in Italien einen Mord an einer Hellseherin. Besessen von der tat versucht er auf eigene Faust den Killer zu fassen. Hilfe bekommt er dabei von der etwas exotischen Reporterin Gianna (Daria Nicolodi). Zusammen kommen sie dem Täter zwar auf die Spur, doch jedesmal wenn sie glauben jemanden gefunden zu haben der ihnen weiterhelfen kann schlägt der Mörder vor ihnen zu.


„Rosso“ definiert Argentos Stil wie kaum ein anderer Film im Schaffen des Italieners. Schnell wird klar das Argento den Zuschauer vor allem auf einen spannungsgeladenen audio-visuellen Trip schicken will und dabei nicht unbedingt immer haargenau darauf achtet das sein Drehbuch hundert pro wasserdicht ist.

Gleich zu Anfang bekommt man den Soundtrack der italienischen Gruppe „Goblin“ zu hören. Hier haben wir schon das erste Stilmittel das sich im Verlauf Argentos Karriere zum Markenzeichen entwickeln sollte, denn Claugio Simnonetti & Co steuerten noch des öfteren Musik zu einem Argento bei (u.A. Suspiria, Non ho sonno oder Tenebre).
Kaum sind die Opening-Credits vorbei wird man in eine ganz eigene Welt versetzt. Einerseits wirkt die Welt von „Rosso“ kalt, was nicht nur durch die Farbgebung, sondern auch durch die oft sehr bewegungsarmen Statisten, hervorgerufen wird. Ganz im Gegensatz dazu steht das immer wieder auftauchende, teilweise leuchtende Rot (daher wohl auch der englische Verleihtitel „Deep red“).
Ebenfalls konträr zu den statisch wirkenden Statisten ist die Kamera. Sie ist oft in Bewegung, zeigt extreme Close-ups und Kamerafahrten, auch über kleinste Objekte, wie z.B. einem Plattenspielerkopf oder einem Stiletto-Messer (ein weiteres visuelles Merkmal späterer Streifen von Argento). Oft wirkt die Kamera fast ein bisschen als würde ein dreidimensionales Gemälde gefilmt werden.

Wer nun denken mag der Film sei nur visuell und nicht spannend, der irrt sich. Argento lässt sich zwar sehr viel Zeit um nach dem ersten Mord die Figuren vorzustellen und geht dabei sogar deutlich stärker auf sie ein als sonst üblich, aber sobald die Ermittlungen ins Rollen kommen kommt nie Langeweile auf und Argento sorgt einerseits durch die harten Morde und andererseits immer wieder vor allem (aber nicht nur) durch visuelle Einfälle für Spannung. Hier kommt es zwar ab und an zu oben genannten Logiklücken, aber die Logik opfert man gerne für ein wenig Spannung. Paradebeispiel ist die Szene in der unser Killer ein Opfer belauert und eine mechanische Puppe auf ihn loslässt, nur um ein bisschen „Katz und Maus“ mit dem Opfer zu spielen. Es ist alles andere als logisch das der Killer so eine grosse und sicher auch nicht unbedingt leichte Puppe mitschleppt, aber die Szene hinterlässt Wirkung und wurde sogar von James Wan im Hardcore-Thriller „Saw“ mit einer kleinen Hommage gewürdigt.


Fazit:
Argento setzt hier den Grundstein für den Stil seines filmischen Schaffens. Goblins klasse Soundtrack, eine ungeheure visuelle Wucht, harte Morde und ein langsam, aber stetig wachsender Spannungsbogen bis zu einem Finale, bei dem man als Zuschauer gestehen muss das Argento den Zuschauer wirklich clever hinters Licht geführt hat ergeben zusammen einen filmischen Genuss.

9 von 10

Details
Ähnliche Filme