Ungläubig reibe ich mir die Augen angesichts der zahlreichen, äußerst positiven Kritiken zu "Deep Red". Zwar kenne ich Dario Argentos Frühwerke nicht, wohl aber Meisterwerke wie "Suspiria" und spätere Stangenware a la "Phantom der Oper". Doch "Deep Red", entstanden vor den genannten Beispielen, ist defintiv das Schlechteste, was ich vom großen Meister bisher bewundern durfte. Mit gutem Willen würde ich "Rosso" als gerade noch annehmbare Fingerübung betiteln, mit weniger gutem Willen droht ein Verriss, der sich gewaschen hat. Zu letzterem tendiere ich momenten...
Ob meine Enttäuschung deswegen so deutlich ausfällt, weil ich den gut zweistündigen Director's Cut von "Rosso - die Farbe des Todes" gesehen habe? Zumindest teilweise soll diese Begründung gelten - denn "Deep Red" ist mindestens (!) 30 Minuten zu lang geraten! Aber ich wage auch zu behaupten, dass selbst bei kompakteren 90 Minuten Spielzeit nicht spürbar mehr Spannung oder gar Interesse für die 0815-Mörder-Story aufkömmen würde. Letztere ist (wieder einmal) dermaßen schlicht und eintönig ausgefallen, dass es schon fast weh tut. Eine sich entwickelnde Handlung gibt es bei "Deep Red" quasi nicht, vielmehr eine quälend zähe, völlig belanglose Durststrecke zwischen einleitendem Mord und erlösendem Abspann. Uninteressante Charaktere nerven bis dahin mit idiotischen - völlig zurecht einst gekürzten - Füllszenen über Beziehungen und die superraren Mord- und Spannungsszenen werden durch einen unfassbar unpassenden Soundtrack verdorben. Jeder Anflug von Atmosphäre wird durch die miese Musikuntermalung im Keim erstickt, dann kann das Gemäuer noch so finster sein und der Mörder einem beinahe schon im Nacken sitzen. Apropos: Welcher Mörder? Dieser tritt so gut wie nicht in Erscheinung und besitzt absolut kein erinneurngswürdiges Profil. An den Haaren herbeigezogener Totalausfall!
Wie verhält es sich nun bei der für Argentofilme so essentiell gewichtigen Optik? Nicht nur einmal retteten fantastische Bildkompositionen seine inhaltich stets dürftigen Werke vor dem Fallbeil der Belanglosigkeit. Nun, bei "Deep Red" muss man leider konstantieren, dass, ganz im Stile einer Fingerübung, auch bei diesem "Deep Red"-Aspekt beileibe nicht alles geglückt ist! Hier und da zeigt sich zwar schon das meisterliche Händchen für kunstvolle Bildkompositionen, im Gegenzug gibt es leider auch eine ganze Reihe von erzwungen kreativ wirkenden Passagen, die letztlich aber nur das Prädikat "amateurhaft" verdienen. Als Beispiel wäre u.a. ein billiger Zoomeffekt zu Beginn zu erwähnen, bei dem die Kamera ruckhaft ein Tor durchfährt und anschliessend eine Hausfront zeigt. Solche Szenen verschwinden normalerweise ganz schnell im Abfalleimer des Schneideraums...
Die für spätere Werke kennzeichnende Farbintensität lässt sich darüberhinaus bei "Rosso" noch nicht im später chatakeristischen Maße feststellen. Freilich dominiert insgesamt (logischerweise) die Farbe Rot aber die charakteristischen, intensiven Ausleuchtungen und Kontraste fehlen noch über weite Strecken. Eine klar durchdachte künstlerische Linie ist in keinem Falle auszumachen.
Wenn man nun ein hartes Zwischenfazit fällt, so muss man leider festellen, dass sowohl inhaltlich als auch technisch nichts geboten wird, was irgendwie über den Durchschnitt hinausgehen würde - höchstens in dem Fall, würde man sich ausschließlich auf italienische Produktionen jener Zeit beziehen.
Langweilige, einfallslose Geschichte und ambitionierte aber noch nicht ausgefeilte Technik kennzeichnen "Deep Red" bis hierhin.
Ich sprach es schon vorhin kurz an aber auch im Actionbereich kann die Schlaftablette "Rosso" nur sehr wenig bieten: Eine Hand reicht zum Abzählen der Mordopfer bzw. repektive der Actionmomente vollkommen aus. Außergewöhnlich blutig bzw. kreativ fällt lediglich der finale Todesakt aus, in welchem ein Kopf von einem Auto zermatscht wird. Zuvor gibts lediglich konventionelle Messermorde sowie eine dezente Verbrühung zu bewundern. Reisst keinen wirklich vom Hocker, zumal das verwendete Kunstblut zum einen wiedermal argentotypisch extrem unrealistisch hell und zum anderen die Abläufe der Action/Mordszenen extrem unrealistisch inszeniert daherkommen. Insbesondere der Ablauf der beiden Mini-Finals muss beinahe schon als unfreiwillig komisch bezeichnet werden. Das hätte selbst ich besser hinbekommen! Sorry, auch in diesem Bereich: Daumen runter!
Für Italoverhältnisse recht ordentlich hingegen spielen die Darsteller - schließlich können sie ja auch nicht viel für ein vermurkstes Drehbuch und die kaugummiartige Umsetzung desselben. David Hemmings weiss in der Hauptrolle besser zugefallen, als beispielsweise sein Kollege Leigh McCloskey aus dem späteren "Inferno". Auch die Mehrheit der Nebencharaktere spielt solide, wenn auch so mancher Part für die Story (welche Story?) schlicht nicht für Belang ist und einzig der Streckung dient. Unter diese Kategorie fällt selbst Co-Hauptdarstellerin Daria Nicolodi...
Fazit: Eine totale Katastrophe ists nicht aber zusammenpassen tut hier defintiv nicht viel! "Deep Red" ist langweilig, technisch lediglich Mittelmaß und zu allem Überfluss auch noch extrem action- und spannungsarm geraten. Ich kann kein Verständnis für diverse Lobeshymnen aufbringen, beim besten Willen nicht...
Vielleicht muss man schlicht auch mal eingestehen können, dass selbst ein überaus respektabler Genrefilmer wie Dario Argento mal Mist bauen kann. Für die mir nicht vorliegende Kurzfassung von "Deep Red" würde ich womöglich 1 bis 2 Punkte mehr abdrücken!