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Bei einem parapsychologischen Kongress in Rom, steht das Thema Telepathie im Mittelpunkt. Helga Ulmann aus Litauen veranschaulicht bei dieser Veranstaltung eindrucksvoll ihre telepatische Begabung. Jedoch gerät diese Veranschaulichung schon bald außer Kontrolle, als Helga die Anwesenheit eines Mörders spürt und deshalb einen nervlichen Zusammenbruch erleidet. Was für die meisten Kongressteilnehmer wie eine Schmierenkomödie aussieht, soll sich jedoch als äußerst real erweisen: Helga hat die Gedanken eines Mörders gelesen und dazu seine traumatischen Erlebnisse aus frühester Kindheit am eigenen Leib miterlebt. Dass Helga mit ihrem Auftritt selbst zum potentiellen Opfer geworden ist, weiß nur sie selbst. Sie soll mit ihrer Angst jedoch allein bleiben. Ihren eigenen Tod vorausahnend, setzt sie alles daran ihr Wissen so schnell wie möglich öffentlich zu machen. Es ist jedoch zu spät für Helga: Es klingelt an der Haustür und wir können dann einen der typischen Argentomorde beiwohnen, die ich weiter unten im Text zu beschreiben versuche. Der amerikanische Pianist Marc, der in Rom für eine Zeit Musik unterrichtet, wird von der Straße aus Zeuge dieses brutalen Mordes an Helga, deren Wohnung unter seiner liegt, und begibt er sich sofort in die Wohnung des Opfers. Natürlich kommt er zu spät. Als er jedoch durch das Zimmer des Opfers läuft, welches einer Bildergalerie ähnelte, fällt ihn etwas auf: Er selbst kann es kaum rational erklären, aber es scheint so, dass der Mörder noch im Raum ist. Und dann war da noch eine Gestallt im Regenmantel, die sich nach dem Mord vom Haus entfernte. Als der Erste am Tatort, muss sich Marc den Fragen der Polizei stellen. Als die übereifrige Reporterin Gianna Marc ablichtet und er sein Gesicht am nächsten Morgen auf der Titelseite einer Zeitung wieder findet, hat er Angst, er könnte das nächste Opfer werden. Diese Angst und eine noch größere Portion Neugier bringen ihn auf die Idee, eigene Ermittlungen anzustellen. Unterstützung findet er bei Gianna, die natürlich die Story will.  „Profondo Rosso“ ist ein früherer Film Dario Argentos, der aufzeigt, dass sich die typischen Merkmale seiner Filme bis heute kaum verändert haben. Natürlich probiert der Meister auch immer wieder Neue (mal mehr, mal weniger gelungene) Stilelemente aus, Das Grundgerüst eines echten Argento blieb aber all die Jahre über gleich und zwar egal, ob es sich um einen seiner Giallo- oder Horrorfilme handelt: Immer handelt ein scheinbar intellektuell hoch überlegener, böswilliger Akteur im Hintergrund, der seine blutige Spur durch das ganze Geschehen zieht und dessen Morde Argento in beispielloser Brutalität und künstlerisch brillant darstellt. So brutal und dramatisch inszeniert die Morde auch sind, vom geheimnisvollen Täter sieht man dabei gewöhnlich höchstens eine handschuhbedeckte Hand aus dem Hinterhalt. Das Wesentlichste an seinen Filmen ist für mich aber das Geheimnis, dass jeder seiner Filme verbirgt. Es gibt immer wieder überraschende Wendungen in einem Argentofilm und das ganz bis zum Schluss, so dass es für den Zuschauer immer eine Herausforderung ist dieses Geheimnis aufzudecken und meist ist man am Ende Überrascht. Bei so vielen Winkelzügen in der Story, bleibt die Logik oft auf der Strecke und so wird nicht nur „Profondo Rosso“ wegen der Schwächen im Drehbuch kritisiert. Tatsächlich sind es andere Dinge, mit denen „Profondo Rosso“ aufwarten kann, als eine logische und sachlich korrekt erzählte Story: Am ehesten ist da der künstlerische Stil zu nennen: Viele Szenen in „Profondo Rosso“ sind nichts anderes, als filmisch nachgestellte Gemälde großer Meister. Dem Film gibt das eine seltsam surrealistische Note, was wiederum für einen Argento typisch ist. Auch als seltsam, weil völlig unpassend,  empfand ich das Comedy-Element in den Dialogen von „Profondo Rosso“, die anscheinend zur Auflockerung der Story beitragen sollten um dann den Spannungsbogen neu aufzubauen. Bis heute in jedem Horrorfilm oder Thriller ein probates Mittel, jedoch war der Humor dabei dermaßen flach und unpassend, dass es im Film nur lächerlich wirkte. Als Beispiel ganz vorneweg seien hier alle neckischen Dialoge der Journalistin Gianna mit dem Pianisten Marc zu nennen, deren Rumgeflirrte mir dann richtig auf den Zeiger ging. Lag es am speziellen italienischen Humor oder an der mittelmäßigen Synchronisation – sei’s drum – Es waren nicht die einzigen Schwächen. Mir ist bspw. kein überragender Darsteller aufgefallen. Die schauspielerischen Leistungen, würde ich als überwiegend durchschnittlich bewerten. Dass „Profondo Rosso“ trotzdem nicht zu unrecht zu einer Perle unter Argentos  Filmen gezählt wird, liegt an der überragenden künstlerischen Umsetzung einer geheimnisumwitterten Story. Zu erwähnen auch das musikalische Element: Das nervenaufreibende elektrogeklimper der Goblins, das dem Film aber gerade in spannenden Momenten die richtige, sonderbare Atmosphäre verleiht und dann ist da dieses sonderbare Kinderlied, welches immer dann erkling, wenn der Mörder in der nähe ist. Fazit: „Profondo Rosso“ ist wie ein Gemälde auf Film. Die Story ist teilweise kaum noch logisch zu erklären und es schien mir fast so, als ob für die Story wichtige Stellen nicht gedreht wurden. Dazu kommen viele, viele kleine Dinge im Film vor, die der Story selbst zwar nicht abträglich sind, jedoch unrealistisch erscheinen. Der ganze Film wurde mit unnötigen Dialogen voll gestopft, die teilweise zur Auflockerung beitragen sollten, jedoch ein völliger Fremdkörper im Film waren und völlig unpassend. Wenn man „Profondo Rosso“ als Meisterwerk bezeichnen will, kann das nur für das künstlerische Element, die visuellen Eindrücke, die surreale Atmosphäre und nicht zu letzt für die toll in Szene gesetzten Morde gelten, nicht jedoch für die fehlerhafte und in die Länge gezogene Story.

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