Wenn man sich die Horrorfilmszene in Italien ansieht, dann muss man viel Schrott ausmachen: Lucio Fulci, handwerklich begabt, scheitert an seinen schlechten Drehbüchern, Joe D'Amato ist ein Perverser, der seine Filme als Legitimation zur Ausübung seiner kranken Phantasien benutzt und über Leute wie Bruno Mattei oder Frank Martin brauchen wir gar nicht erst sprechen. Doch da ist einer (mal abgesehen von Bava), der macht (fast) alles richtig: Dario Argento - Meister des Horrorfilms.
Und "Rosso - Farbe des Todes", bzw. "Profondo Rosso" ist der Rotwein unter den Horrorfilmen.
Der Film lebt durch seine ungewöhnlich, kaum faßbare Farbdramaturgie (natürlich steht die Farbe Rot im Vordergrund), seine Argento-typische Musik der italienischen Rockband Goblin, wobei sie mit dem "Profondo Rosso"-Score einen ihrer besten hingelegt haben, und den kraftvollen Darstellern. David Hemmings, wohl jedem aus Michalengelo Antonionis "Blow up" bekannt, spielt hier den sympathischen Antihelden Marc Dales, und Daria Nicolodi, die damalige Frau von Argento, die aufdringliche, quirlige Reporterin Gianni.
Die Geschichte beginnt auf einem Kongreß für Parapsychologen. Aufgrund von telepathischen Fähigkeiten kann eine der Anwesenden einen Killer unter den Besuchern ausmachen. Stunden später wird sie in ihrer Wohnung ermordet. Der Mord wird von Marc beobachtet. Der Jazzkomponist ist fasziniert von der Tat, der er Zeuge geworden ist. In ihm wächst die Neugier und er versucht den Täter auf eigene Faust aufzuspüren. Die Reporterin Gianni schließt sich ihm an - zunächst zu seinem Leidwesen, doch auch sie wird ihm bald mit Informationen und körperlicher Nähe dienen...
Argento betreibt genaue Charakterisierung seiner Figuren und stellt für seine Verhältnisse ungewohnt genaue und sympathische Menschen vor. Das alles wird durch seinen typischen Stil unterstrichen: Lange, schwelgerische Kamerafahrten, Fixierung auf Symbolik und das volle Auskosten auschoreographierter Mordsequenzen auf ungewöhnliche Weise. Das ist alles in "Profondo Rosso" zu sehen. In "Rosso - Die Farbe des Todes" jedoch nicht. Die deutsche Tapefassung von New Vision ist eine verkümmerte Version des genialen Filmes. Satte 22 Minuten und 10 Sekunden fehlen in der Erstveröffentlichung. Nicht nur die harten Mordszenen sind nicht mehr auszumachen, auch wichtige Dialoge und Handlungssztänge wurden entfernt um den Film zu straffen. Man wollte einen Argentofilm zu einem Mainstream-tauglichen, schnellen Gruselfilm verändern! So bitte laßt die Finger von dem grauenhaften New Vision-Tape. Leider sind auch die deutschen Uncut-Veröffentlichungen nicht schöner. Das Screenpower-Tape besaß ein ziemlich durchschnittliches Bild, der Ton war schlichtweg inakzeptabel. Viel zu dumpf und unschön kam die Tonspur daher. Zumal alle neu eingefügten Szenen nur untertitelt wurden. Und auf dem selben Master basiert leider auch die LaserParadise-DVD. Zwar wurde der Ton leicht verbessert, aber für eine DVD ist die Gesamtqualität der Scheibe ein wahres Armutszeugnis.
Wäre wirklich schade, wenn wir einen solchen edlen, gut gespielten und atemberaubend gedrehten Horrorfilm nur in derart miesen Qualitäten bekommen würden!