Bevor sich Dario Argento mit „Suspiria“ und „Inferno“ dem phantastischen Horror zuwandte, drehte er vornehmlich Gialli, unter denen „Profondo Rosso“ als ein Höhepunkt gilt.
Es beginnt mysteriös: Eine übersinnlich Begabte verkündet bei einer Vorführung ihrer Talente sie spüre eine mörderische Präsenz im Raum – und tatsächlich verlässt ein Zuschauer erschreckt den Saal, wobei Argento nicht zeigt, um wen es sich handelt. Dafür zeigt er, dass die Dame wohl voll ins Schwarze traf, denn anschließend wird diese für ihre Weissagung mit einer drastischen Ermordung belohnt, welche die Ereignisse in Gang bringt.
Zeuge des Ganzen wird nämlich der Pianist Marcus Daly (David Hemmings), der nach einem Gespräch mit einem Freund die Schreie hört, an den Tatort stürmt und die Leiche findet. Da er Polizei wenig zutraut, stellt er bald eigene Nachforschungen an...
Der gute Ruf, den „Profondo Rosso“ besitzt, ist nicht ganz einfach zu verstehen, wobei man dabei in Betracht ziehen muss, dass auf DVD fast nur der längere, aber nicht unbedingt bessere Director’s Cut Argentos erhältlich ist. An den Sprecherwechseln in der deutschen Synchro kann man wahrlich gut erkennen, dass vor allem die Exposition mit Unmengen von nicht unbedingt nötigem Material angereichert worden, aber auch der Subplot um die Reporterin Gianna Brezzi (Daria Nicolodi), der Marcus offensichtlich gut gefällt, wird hier unangenehm ausgewalzt, obwohl „Profondo Rosso“ ihn gar nicht zuende führt.
So hat „Profondo Rosso“ zumindest auch in dieser Version ein paar arge, unschöne Hänger, die den Film ausbremsen und massiv an Drive kosten. Immer wieder wandert der Film auf redundante Pfade, die viel zu wenige falsche Fährten auslegen, um den Mainplot wahrlich zu bereichern. Immerhin hat der Film einen einzigen Vorteil davon. *SPOILER* Durch die größere Länge lenkt der Directors Cut noch mehr von dem Detail ab, dass man quasi schon recht früh im Film den Mörder präsentiert bekommt, wenngleich man das Detail beim ersten Sehen des Films kaum einsortieren kann. *SPOILER ENDE*
Darüber hinaus bietet „Profondo Rosso“ aber sauberes Genre-Giallo-Kino, das die Konventionen aber kaum verbiegt. Der Ausländer in Italien muss sich mal wieder um die Aufklärung des Falles kümmern, da die örtlichen Behörden dies nicht zu leisten vermögen, man bekommt mehrere Verdächtige präsentiert, wobei das Motiv mal wieder ein Trauma mit anschließendem Psychoknacks ist. Der Täter erhält weniger Screentime als manch anderer Verdächtiger, was den Überraschungseffekte erhöht, aber das Erraten der Killeridentität leider erschwert. Den Mainplot erzählt Argento solide spannend, nur die bereits erwähnten Durchhänger zehren daran.
Mal wieder sehr gelungen hingegen ist die optische wie akustische Präsentation. Von den extremen Stilisierung eines „Suspiria“ ist Argento noch ein Stück entfernt, jedoch fallen mal wieder seine sehr durchkomponierten Kamerafahrten sowie die stimmigen, mit Bedacht gewählten Bilder auf. Hinzu kommt ein mal wieder fantastischer Soundtrack von Goblin, bei dem vor allem das mehrfach im Film gespielte Maintheme für ein ganz eigenes Flair sorgt.
David Hemmings wurde wohl Argento wohl wegen seiner Rolle in „Blow Up“ gecastet und klar stecken auch in diesem Part kleine Erinnerungen an jene Performance, doch Hemmings wiederholt sich nicht selbst, sondern spielt die Hauptrolle wirklich überzeugend. Daria Nicolodi kann da nicht ganz mithalten, was aber auch an ihrer etwas unglücklichen Rolle liegt, das Ensemble der Nebendarsteller leistet Ordentliches.
So bleibt im Endeffekt ein an sich mehr als ordentlicher Giallo, der zwar nichts extrem Neues erzählt, aber mal wieder durch Argentos Stil zu punkten weiß. Leider hat das Geschehen (zumindest im Director’s Cut) seine eklatanten Hänger, sodass „Profondo Rosso“ leider nur etwas über dem Durchschnitt liegt.