Review

Warum gerade Deep Red als Meisterwerk von Dario Argento gilt ist mir schleierhaft. Sieht man einmal über die gewaltige Anzahl von Handlungslöchern hin weg , die nun mal in nahezu jedem Giallo zu finden sind, bleibt eine recht seltsame Mischung aus Italo-Komödie und blutigen Thriller. Ein recht stimmiger Beginn mit einer Telepathin und einigen verwirrenden und blutigen Eindrücken verkommt danach leider zu einem komödienhaften Horror-Thriller Geplänkel. Aufgepeppt wird die ganze Soße noch mit jeder Menge Blutfarbe und verstörenden Eindrücken. Der Hauptdarsteller David Hemmings als Pianist Daly gibt sein bestes, auch über seine Partnerin Daria Nicolodi als Journalistin sollte man nicht klagen.





Als wohl typischen 70er Klamauk kann man wohl folgende Szenen bezeichnen: da wird aus einem viel zu kleinen Autos aus dem Dach ausgestiegen, im selbigen Auto sitzt der Beifahrer besonders tief, ein Kommissar der mit einem Getränkeautomaten kämpft (Kottan ermittelt?), in einem viel zu lauten Lokal wird versucht zu telefonieren (Das Telefon ist passenderweise genau neben einer dampfenden Espressomaschine!), einer der Protagonisten versucht besonders tollpatschig auf einer Hausfassade hochzuklettern dabei scheint das Haus Stück für Stück abzubröckeln, lustiges Armedrücken (die Szene wurde in „Over the Top“ und „Sie nannten ihn Mücke“ treffend nachgespielt) etc.… Eine Szene in der ich gedacht habe jetzt taucht gleich Adriano Celentano am Fahrrad auf: David Hemmings telefoniert inmitten einer viel befahrenen Kreuzung und wiedermal versteht ihn keiner. Als David Hemmings mit der Mutter eines Freundes spricht und die immer wieder das Selbe fragt (ob er denn nicht Ingenieur sei?) bleibt wohl kein Auge trocken. Lustig auch folgendes: Daly wird von seiner Reporterfreundin angerufen. Der Mörder hat sich in seine Wohnung geschlichen und Hemmings bemerkt dies und erzählt es seiner Reporter-Freundin am Telefon. Dazu die passende Frage: „Soll ich die Polizei rufen?“. Warum es dann aber nicht getan wurde, sei mal so dahin gestellt. Das Pärchen Reporterin und Klaviervirtuose könnte einer 30er Jahre Screwball Comedy entsprungen sein. Denn so klingen einige Dialoge zwischen den beiden.





Doch wollte Dario Argento wirklich eine Komödie drehen? Wohl kaum, denn die Thriller-Szenen sind nur allzu blutig. Die Szene mit der sprechenden Puppe war so ziemlich das unheimlichste und grusseligste am ganzen Film. Die Musik von Goblin ist sehr stimmig und trifft den Horror sehr gut. Nur passt die etwas seltsame und gekünstelt lustige Nebenhandlung so gar nicht ins Bild. Vielleicht und das ist meine Befürchtung liegt es wohl an dem Directors Cut mit seinen unzähligen Längen, dass mir Deep Red doch recht lahm vorgekommen ist. Aus meiner Sicht kein Vergleich zu Tenebrae oder Suspiria, beide ebenfalls von Argento. Auf Grund der Länge des Directors Cut sind aber die Slasher Szenen doch recht dürftig gesät. Diese wenigen, in der 90 Minuten Fassung aber wahrscheinlich ausreichenden, Szenen haben es aber in sich. Von verschiedenen Tötungsarten, unheimlichen Bildern ebensolchen Kinderliedern und natürlich jede Menge Blut.





Dem Directors Cut muss ich leider das Prädikat „Besondere Langeweile mit einigen Aufregern“ verleihen. Alle Horrorszenen sind hervorragend gefilmt, doch passt das Gesamtbild mit diesem lächerlichen Klamauk so gar nicht zu Argento. Der Directors Cut gehört eindeutig noch um einige Szenen und Unstimmigkeiten erleichtert. Komisch bei George Romeros „ Dawn of the Dead“ hat es Argento ja auch gekonnt „gut“ zu kürzen, nur bei seinem eigenen Film nicht? Vielleicht gibt es noch mal ein Release von Deep Red. Aber bitte keine 126 Minuten Version mehr.

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