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Nach seiner Tier-Trilogie, zwei TV-Episoden und einem Kostümkomödien-Flop mit Adriano Celentano kehrte Dario Argento 1975 zum Giallo zurück – einem Genre, das er beherrschte wie kein anderer und das er groß gemacht hatte. PROFONDO ROSSO gilt vielen als bester Film des Regisseurs (ich bevorzuge nach wie vor die surreale Traumatmosphäre von SUSPIRIA) und als einer der besten Giallos überhaupt. Die ungekürzte 127 Minuten-Bluray von Arrow Video präsentiert den Film u. a. in einer hybriden Sprachfassung mit einer Mischung aus englischen und untertitelten italienischen Dialogen – die bisher vollständigste und authentischste Fassung des Films. 

Nach mittlerweile mehreren Sichtungen des Films über die Jahrzehnte haben insbesondere die Suspense-Setpieces kaum an Wirkung eingebüßt. Argento schafft hier eine irreale Atmosphäre der Bedrohung, die kein anderer Filmemacher in dieser Form je erreicht hat. Dabei dürften diese Szenen mit den losgelösten, erhabenen Kamerafahrten und der eindringlich hämmernden Progrock-Musik von Goblin eigentlich gar nicht funktionieren. Doch es sind bis heute kleine inszenatorische Kunstwerke – zumindest für eine ausgesuchte Gemeinde von Kennern. 

Dass Argentos Stärken hier und nicht im Erzählen einer konventionellen Geschichte liegen, ist kein Geheimnis und wird auch hier deutlich. Der Film an sich ist mit etwas Abstand betrachtet ein wenig raffinierter Investigativkrimi, dessen Auflösung letztlich ein Ripoff von Argentos Debut THE BIRD WITH THE CRYSTAL PLUMAGE, wenn dem Hauptzeugen/Protagonisten am Schluss ein unstimmiges Detail in seiner anfänglichen Beobachtung auffällt. Auch die Flirtereien zwischen David Hemmings und Argentos Frau Daria Nicolodi ziehen den Film unnötig in die Länge, so dass man sich hier glatt einen komprimierten „Giallo-Cut“ wünschen würde. 

Nichtsdestotrotz ein filmhistorisch bedeutender und immer noch äußerst sehenswerter Thriller.

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