Endzeitaction gibt es wie Sand am Meer, meist B-Klasse, meist vergessenswert und auch dieses Exemplar reiht sich nahtlos in diesen Reigen ein.
Wir schreiben das Jahr 2087, vor 75 Jahren war der allseits beliebte Big Bang und seitdem ist die Erde vor die Hunde gegangen. Im Endzeitfilm ist immer entweder Wasser oder Benzin (oder beides) knapp, hier ist es das kühle Nass. Wir haken auf der Klischeeliste wieder einen Punkt, ehe wir zum seit „Mad Max II“ unerlässlichen Dorf friedliebender Siedler kommen, die tonnenweise auf dem begehrten Gut sitzen, aber zu wehrlos, um sich gegen Eindringlinge zu verteidigen. Fehlen nur noch Fieslingsbande und Outlaw-Held, um die Klischeesammlung vollzumachen.
Tatsächlich tauchen bereits nach wenigen Filmminuten der Sektenführer Derek Abernathy (Adam Ant) und seine Anhänger auf, metzeln ein paar Einwohner nieder, versklaven andere und ziehen nur wieder ab, weil Dorfvorsteher Ethan (Bruce Dern) eingreift, dem man magische Kräfte nachsagt. Abzug der Sekte, die immer etwas origineller als die sonstigen Endzeitbanditen daherkommt: Alles in weiß gekleidet und das Buch, nach dem Derek seine Anhänger erzieht, ist ausgerechnet die Mansonbibel. Natürlich schwört Derek wiederzukommen, also ist die Not der Dörfler groß.
Doch Ethan zieht in die nächste Stadt, um seinen Ex-Partner George Landon (Michael Pare) zu finden. Der (anfangs natürlich nur auf Bezahlung schielende) Abenteurer sowie eine fix rekrutierte Truppe watscheln auf Ethans Anfrage also los, um den Finsterlingen Paroli zu bieten…
Was folgt, ist eine Handlung nach Schema F: Die bunt zusammen gewürfelte Truppe verbrüdert sich bald mit den Dorfbewohner und tut das Ganze fast nur noch aus edlen Motiven (wer sich unedel verhält, kratzt mit Sicherheit ab). George verliebt sich natürlich noch in eine holde Maid aus dem Dorfe und wie die obligatorische Konfrontation zwischen Sekte und Dörflern ausgeht, weiß man auch von vornherein. So ist „Lost World“ nie wirklich spannend und originell schon mal gar nicht.
Doch immerhin im Bereich Umsetzung ist noch nicht alles verloren, denn da ist „Lost World“ teilweise überraschend gut, vor allem was den stimmigen 80er Jahre Soundtrack angeht. Auch die Endzeitstimmung kommt trotz des Minibudgets teilweise ziemlich gut rüber – leider sieht man den Geldmangel an den unterirdischen Effekten. Deplaziert und unlustig wirken hingegen die Witze, welche die Helden am laufenden Band klopfen, über die aber kein Zuschauer lacht.
Worin sich die meisten guten von schlechten Endzeitactionern unterscheiden ist jedoch die Action und da kann „Lost World“ nicht so wirklich überzeugen. Ein paar nette Stunts (meist mit Motorrädern) bietet die Chose zwar, doch die restliche Action ist mäßig choreographiert. In den Schießereien ist kaum Dynamik zu entdecken, die wenigen Explosionen sind auch kaum der Rede wert und in den paar Nahkämpfen vermisst man ebenfalls größere Schauwerte. Auch von der Menge her ist die Action etwas enttäuschend, da sich fast alles in den letzten zwei Konfrontationen ballt, davor aber nur kleine, meist langweilige Scharmützel kommen.
Michael Pare spielt zudem wie auf Autopilot, während man Bruce Dern den Wunsch, wieder einen Hollywoodfilm zu drehen, deutlich vom Gesicht ablesen kann. Etwas engagierter ist Adam Ant als Schurke und auch die unbekannten Nebendarsteller aus der Verteidigertruppe legen sich ins Zeug, um halbwegs passable Leistungen zu erbringen.
Unterm Strich ist „Lost World“ jedoch, trotz einer teilweise recht guten Inszenierung, ein sehr mäßiger Endzeitfilm, dem es zu sehr an Action, Originalität und Spannung mangelt, um auch nur ansatzweise an das große Vorbild „Mad Max II“ anzuknüpfen.