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Seit sich Steven Spielberg des 2. Weltkriegs annahm, wurden mit berechnender Regelmäßigkeit Hollywoodsche Materialschlachten wie „We Were Soldiers“, „Windtalkers“ oder „Black Hawk Down“ und seitens der europäischen Filmlandschaft „Enemy At The Gates“ auf das Kinopublikum los gelassen. Im Zuge dieser Blockbuster entstandenen aber auch etliche kleinere, teilweise recht innovative Produktionen, die einen Stück vom Kuchen abhaben sollten. „The Bunker“ und „Deathwatch“ vermischten sich mit dem Horrorgenre und Russel Mulcahy („Highlander“, „Silent Trigger“) lieferte mit „The Lost Battalion“ eine beachtliche TV-Produktion ab. Der aus der Independent-Ecke stammende „Saints And Soldiers“ ist, vor allem am geringen Budget von 780.000 Dollar gemessen, ein weiterer gelungener Beitrag zur Kriegsgeschichte – seine beeindruckende Anzahl von Festival-Auszeichnungen erhielt der Film nicht umsonst.

Dabei dient das, von einem Radiokommentar eingehend erklärte, Malmedy-Massaker lediglich als kurzer Aufhänger. Drei in Gefangenschaft geratenen, amerikanischen Soldaten gelingt im Kugelhagel die Flucht. Die Versprengten versuchen sich nun durch die deutschen Linien zurück zu ihren eigenen Landsleuten zu kämpfen. Hoch anrechnen muss man Regisseur Ryan Little, dass er dabei auf Klischees, besonders hinsichtlich der deutschen Soldaten und ihrem Umgang mit Kriegsgefangenen, verzichtet und der Gruppe im Gegenzug keinesfalls heroische Züge andichtet.

„Saints And Soldiers“ besitzt natürlich nicht die ausufernden Schlachten einer Großproduktion und bezieht seine Stärken über die kurze Nettolaufzeit von knapp 82 Minuten ganz aus seiner Atmosphäre und den guten, wenn auch durchweg unbekannten, Darstellern. Bemängeln ließe sich hierbei lediglich die Tatsache, dass man kaum über das später zu einem Quartett anwachsende Team erfährt und einzig und allein der traumatisierte Nathan „Deacon“ Greer (Corbin Allred) Konturen gewinnt, während der Rest der Gruppe nur wenig über sich Preis zugeben hat.

Auch wenn der Film ursprünglich ein R-Rating erhielt und für die spätere Auswertung auf PG-13 heruntergeschnitten (davon bemerkt man jedoch nichts) wurde, bleibt er ein alles anderer als familientauglicher Kriegsfilm – eher etwas für die Genreliebhaber, die es gern authentisch und realitätsnah möchten. Begleitet vom astreinen Score des, immerhin für die Musikbegleitung in „Spider-Man 2“ verantwortlichen, Komponisten Bart Hendrickson beobachtet man die kleine Gruppe meist bei ihrer, durch den harten Winter erschwerten, Flucht über die Ardennen. Der zu ihnen stoßende englische, brisante Informationen mit sich führende, Pilot Oberon Winley (Larry Bagby) treibt sie zur Eile an, denn die Deutschen planen eine groß angelegte Gegenoffensive.

Leider gönnt sich das Drehbuch ein paar zu unrealistisch konstruierte Begebenheiten, die dann doch etwas unglaubwürdig erscheinen. Deacon trifft beispielsweise, ausgerechnet mitten im nirgendwo, einen deutschen Freund aus alten Tagen und die finale Flucht vor einer Überzahl sich etwas ungeschickt anstellender Wehrmachtssoldaten trübt den Gesamteindruck doch etwas. Auch wenn dieses Zusammentreffen Gelegenheit für die größten Actionszenen gibt.

„Saints And Soldiers“ ist insgesamt ein eher ruhiger Genrevertreter, der sich auf seine Schauspieler und seine Location verlässt. Auch wenn die Dialoge nicht viel hergeben und das letzte Quäntchen Intensität fehlt, fühlt man doch mit dieser aus so unterschiedlichen Charakterköpfen bestehenden Gruppe, die mühsam gegen Kälte, Schnee und Hunger kämpft. Bewundernswert ist hierbei die Inszenierung, die den Film wesentlich teurer aussehen lässt, als er eigentlich war. Die geschickte Kameraarbeit (auch Regisseur Ryan Little) und der Score vermitteln ungeheuer viel Atmosphäre. Auch wenn die Effekte, wie Explosionen, eben mal nicht Hollywoodstandards genügen, sorgt ein geschickter Zusammenschnitt für befriedigende Ergebnisse. Insbesondere das letzte, durch Ruinen führende, Scharmützel ist dabei als Beispiel zu nennen.

Man kann dem Film natürlich Ereignislosigkeit vorwerfen, denn wirklich viel passiert im Film nicht. Das Quartett schlägt sich durch, sucht Unterschlupf, läuft weiter, plündert hungrig Leichen und streitet auch mal untereinander aufgrund unterschiedlicher Ansichten untereinander. Berücksichtigt man jedoch, dass hier nur Relikte aus dem 2. Weltkrieg (Waffen wie Kleidung) eingesetzt werden und die beiden Halbkettenfahrzeuge von Sammlern zur Verfügung gestellt worden sind, erkennt man die Liebe hinter diesem Projekt. Ryan Little konnte und wollte hier kein Epos aufziehen und belässt es deswegen bei der Geschichte vierer Männer, die auf Tatsachen beruht.


Fazit:
Angesichts des geringen Budgets muss man Regisseur Ryan Little ein großes Lob aussprechen. Ihm gelang mit „Saints And Sinners“ ein zwar unspektakulärer, aber sehr realistischer und atmosphärischer Kriegsfilm, der zudem mit sehr guten Schauspielern aufwarten kann. Angesichts Geld verpulvernder Großproduktionen ist dieses Kleinod in der heutigen Zeit eine ruhige Wohltat. Mangelnde Tiefe bezüglich der Charaktere (die Zeit dafür wäre gewesen) sind als einziger Minuspunkt zu nennen. Seine vielen Auszeichnungen heimste dieser Klischee freie Genrebeitrag wirklich zurecht ein.

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