Garson Jones: "Dumping toxic waste into the aqueduct does not, and will not, affect the water supply for this town."
Mortimer Lutz, sich seinen Teil denkend: "Yeah, right. Pretty soon we'll all be glowing in the dark along with that fool."
Ah, die Angst vor der unsichtbaren und lautlosen Gefahr, der heimtückischen Radioaktivität, vor Augen geführt in Form eines billigen Monsterstreifens. Das erfreut den Fan, der den Nonsens mit einem strahlenden Lächeln quittiert. Natürlich ist auch bei Jackie Kongs Debütfilm The Being die Furcht vor den gigantischen Kräften, die man kaum versteht, bloß ein Vorwand, um ein grotesk mutiertes Monster - das vor nicht allzu langer Zeit noch ein kleiner Junge war - in einer Kleinstadt Amok laufen zu lassen. Und das ist schon okay so.
Der Schauplatz ist ein kleines, abgeschiedenes Nest namens Pottsville, wo der zuständige Polizist, Detective Mortimer Lutz (Bill Osco), bis vor kurzem noch eine ruhige Kugel schieben konnte. Doch damit ist nun Schluß, denn seit geraumer Zeit verschwinden Menschen spurlos. Während Lutz noch im Dunkeln tappt, zeigt uns Frau Kong gleich zu Beginn, welcher Bartl hier den Most (bzw. das Frischfleisch) holt. Dieser nimmt sich nämlich gleich mal einen jungen Burschen zur Brust, der sich nächtens auf einem Schrottplatz herumtreibt. Dessen Flucht mißlingt, da sich das ihn verfolgende Ungetüm auf das fahrende Auto wirft, mit seiner Pranke das Dach durchschlägt, seinen Kopf zu fassen kriegt und diesen mit einem einzigen Ruck abreißt. Klar, daß seine kopflose Flucht im nächsten Hindernis ein abruptes Ende findet. Die nächste Attacke erfolgt wenig später in einem gut besuchten Autokino, und so muß sich nicht nur die nackte Frau auf der Leinwand mit einem ekligen Monster herumschlagen, sondern auch einige der Besucher, die von der rabiaten Bestie an Ort und Stelle getötet und anschließend in ihr Versteck verschleppt werden. Zusammen mit dem Wissenschaftler Dr. Garson Jones (Martin Landau), einem Befürworter und Mitplaner der Atommülldeponie am Stadtrand, kommt Detective Lutz dem gräßlichen Geheimnis auf die Spur und steht schlußendlich dem Monster von Angesicht zu Angesicht gegenüber.
The Being ist ein geradliniger, anspruchsloser Monster-Flick, der seine wenig originelle Geschichte so flott wie schnörkellos abspult. Und doch quetscht Drehbuchautorin und Regisseurin Jackie Kong einiges aus dem altbekannten und formelhaften Plot heraus, indem sie ein paar eher ungewöhnliche Elemente ins Spiel bringt. Zuerst einmal spielt der Streifen zur Osterzeit. Tatsächlich wurde der Film bereits 1980 unter dem Titel Easter Sunday gedreht, wurde dann aber auf Eis gelegt, bevor er drei Jahre später und mit neuem Namen endlich veröffentlicht wurde. Ob das in Idaho entstandene Monster-Movie unverändert in eine handvoll amerikanischer Lichtspielhäuser wanderte oder ob es diverse Nachdrehs gab, ist mir leider nicht bekannt. Egal, Ostern ist immer eine gute Zeit für einen Horrorfilm, siehe auch Critters 2. Die Schauplätze der Monsterattacken wurden ebenfalls gut ausgewählt. Ein Schrottplatz, ein Autokino, ein Lebensmittelgeschäft mit Kühlkammer, eine Müllhalde, eine Lagerhalle. Nichts Spektakuläres, aber doch eine Abwechslung zum sonstigen Einerlei. Neben Martin Landau (1994 Oscar-prämiert für seine Performance als Bela Lugosi in Tim Burtons Ed Wood) agiert mit José Ferrer (Cyrano de Bergerac) ein zweiter Oscar-geadelter Star; dieser spielt den übellaunigen Bürgermeister des Kaffs, der sich mehr für die hiesigen Kartoffeln als für das Verschwinden seiner Wähler und Wählerinnen interessiert. Außerdem sind noch Marianne Gordon (Rosemary's Baby), Dorothy Malone (The Last Voyage), Ruth Buzzi (My Mom's a Werewolf) und "Rexx Coltrane" (= Bill Osco, seines Zeichens Produzent des Filmes und damaliger Ehemann der 1957 geborenen Regisseurin) mit von der Partie. Letzterer ist ein cooler, sympathischer, etwas schusseliger Held, der in der Tradition von Ash aus The Evil Dead steht. Soll heißen: Er ist nicht der Hellste, er ist leicht tollpatschig veranlagt (z. B. landet er beim Sprung von einer Leiter direkt auf einem aus dem Boden ragenden Nagel), aber er besticht sowohl durch einen ausgeprägten Überlebensinstinkt als auch durch exorbitante Nehmerqualitäten. Unfaßbar, was der Mann einstecken kann. Wie eine Puppe fliegt er da durch die Gegend, wenn das Monster mal wieder kräftig zulangt. Und als er waghalsig beim großen Showdown unter der Hallendecke herumturnt, hat sich das staunend zu ihm aufblickende "Being" bestimmt gefragt: "Was zum Teufel macht der Depp denn da?" Daß Jackie Kong seine Aktionen durchaus als campy verstanden wissen will, wird spätestens am Ende klar, wenn uns eine Schrift darüber informiert, daß Lutz später nach Hollywood gegangen ist, um als Stuntman zu arbeiten.
Goremäßig schöpft Kong nicht aus dem Vollen, was überrascht, wenn man ihren wohl bekanntesten Film, die 1987 entstandene Blood Feast-Hommage Blood Diner, als Maßstab nimmt. Abgesehen von der netten Kopfabreißszene zu Beginn beschränkt sie sich hier auf ein paar herumliegende Gliedmaßen, einige Kratzwunden, und einen herzhaften Hand-durch-die-Brust-Splatter-Moment. Ansonsten tötet der Mutant seine zahlreichen Opfer dezent im Off. Spannend ist The Being zu keiner Zeit, das Schicksal der dürftig charakterisierten Figuren ist einem egal, und daß Osco in der Heldenrolle schauspielerische Defizite aufweist und man seine Darbietung als hölzern bezeichnen muß, hilft dem Ganzen natürlich auch nicht. Und trotzdem macht dieser billige Streifen, der sich unverfroren an Klassikern wie Jaws oder Alien orientiert, recht viel Spaß. Wie bei diesen Vorbildern bleibt auch hier das Monster lange Zeit im Dunkeln. Man sieht nur Teile des bizarren Dings (eine Pranke, einen Tentakel, ein glotzendes Auge, schleimtriefende, gefletschte Zähne), das sich bei Lichteinwirkung zu verflüssigen scheint. Erst gegen Ende zeigt Kong mehr von der Kreatur, und wenn es soweit ist, wünscht man sich fast, sie hätte es lieber bleiben lassen. Denn in all seiner Pracht sieht der Zyklop ziemlich bescheuert aus. Außerdem hat man den Eindruck, daß er nicht geht oder läuft, sondern rollt. Aber cool ist der Freak schon. Und schleimig. Positiv hervorheben möchte ich noch die nette Kleinstadtatmosphäre, die schier grenzenlose Dummheit einiger Personen (Dr. Jones' irre Demonstration, wie ungefährlich die Mülldeponie doch ist, ist ein Lachschlager), den herrlichen "Katzenschock" (der immerhin toll funktioniert) und die unfaßbar schräge Alptraumsequenz inklusive einer auf einem Besenstiel reitenden Hexe!
The Being ist ein knackig-schlockiges Creature Feature, serviert mit einigen schönen Ecken und Kanten, und garniert mit einem unbeholfenen Charme und einem bösen Witz. Gesättigt wird man von dem Streifen bestimmt nicht, aber als Häppchen für zwischendurch mundet er dann doch ganz ausgezeichnet. Und die Moral von der Geschicht? Lagere Atommüll im Wasser nicht! Sonst heißt es bald Antreten zum fröhlichen Mutieren.