Es ist der Kampf der Geschlechter, der dem im amerikanischen Hinterland ausgetragenen Baseballspiel seine besondere Würze verleiht. Das hiesige Männerteam, voll von kraftstrotzenden, testosterongesteuerten Machotypen, gegen die Gäste, eine hoch motivierte und talentierte Frauschaft. Und letztere behält doch tatsächlich die Oberhand gegen die mit harten Bandagen kämpfende und auch vor faulen Tricks nicht zurückschreckende Schmierlappenbrigade. Klar, daß sich die Unterlegenen ob der peinlichen Pleite gekränkt fühlen, in ihrem Stolz, in ihrer Ehre, in ihrer Männlichkeit, und sich zum großen Frustbesäufnis in die nächste Kneipe verziehen. Zu allem Überdruß lief nebenher auch noch eine Wette, und der Coach des Männerteams, ein Kriegsveteran namens Mino Collins (Ken Carpenter, Hellraiser III: Hell on Earth), ziert sich, die fälligen eintausend Dollar zu begleichen. Während der Trainer der Ballgirls (Ross Hagen, The Hellcats) die Schulden unter Mithilfe seiner Waffe auf der Toilette eintreibt, plant Collins' Sohn Roy (Gregory Scott Cummins), seine aufgestaute Wut in eine Muschi zu entladen. Da kommen ihm und seinem Kumpel Holt (Don Dowe) die beiden Baseball-Babes, die es in die Nähe der Kneipe verschlagen hat, gerade recht.
Die versuchte Vergewaltigung endet mit einer Kugel in Roys Bein, was diesen erst so recht erzürnt. Roy und Holt lauern dem abfahrenden Bus auf und eröffnen eiskalt das Feuer, mit dem Ergebnis, daß auf beiden Seiten Verluste zu beklagen sind. Eines der Mädels fängt sich eine Kugel ein, und Roy wird vom außer Kontrolle geratenen Bus zwischen zwei Müllcontainern zerquetscht. An dieser Stelle komme ich nicht umhin, den Polizeichef aus Herschell Gordon Lewis' Blood Feast (1963) zu zitieren: "He died a fitting death for the garbage he was." Die Nachricht vom Tod seines Sohnes, der erst das Spiel und nun auch noch sein Leben verloren hat, treibt Collins auf die Palme: "They pay for this, Roy. I promise you that." Zusammen mit seinen Kumpanen eröffnet er die Jagd auf die flüchtenden Frauen mit dem Ziel, sie allesamt auszuradieren. Tanya Rosenbergs völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratener Blood Games ist eine erstaunlich packende Girlpower-Variante des Backwoods-Actionfilms, die zwar an Klassiker wie John Boormans Deliverance (Beim Sterben ist jeder der Erste, 1972) oder Walter Hills Southern Comfort (Die letzten Amerikaner, 1981) nicht herankommt, für Genrefans aber dennoch mitreißende und erfreulich spannende Unterhaltung bietet.
Tatsächlich hat mich der Streifen gefesselt wie schon lange nichts mehr auf diesem Gebiet, wohl einfach deshalb, weil es die Regisseurin blendend versteht, die richtigen Knöpfe zu drücken. Blood Games mag sich einerseits auf simple Schwarz-Weiß-Malerei beschränken, schafft es andererseits jedoch auch, den Figuren genug Substanz zu geben, um aus dem Zuschauer die gewünschten Emotionen herauszukitzeln. Die Hinterwäldler sind ein dermaßen widerliches Dreckspack, daß man gar nicht anders kann, als mit den Frauen mitzufiebern. Was mit einem an und für sich harmlosen Baseballspiel beginnt artet im weiteren Verlauf des Filmes zu einem erbarmungslosen Krieg zwischen dem starken und dem schwachen Geschlecht aus. Nicht umsonst motiviert Collins an einer Stelle seine Mannen: "This is a war. Not a game!" Eines führt schließlich zum anderen, bis die Situation eskaliert und völlig außer Kontrolle gerät. Die Frauen finden sich einmal mehr in der Rolle der chancenlos erscheinenden Underdogs wieder, haben ihre brutalen Gegner doch alle Trümpfe in der Hand. Sie kennen die Gegend wie ihre Westentasche, sie sind mit Gewehren und Armbrüsten besser bewaffnet, und sie sind den Gejagten auch noch zahlenmäßig überlegen.
Donna (Shelley Abblett): "I have been pushed around my whole life by lousy men, and I am sick of it. I say that we just give them a little taste of their own medicine right now."
Doch die Sportlerinnen machen diese Defizite mit (Überlebens-)Willen, Kampfgeist, Kreativität und Grips mehr als nur wett. Sie agieren überwiegend glaubhaft, auch wenn der einen oder anderen ein gravierender Fauxpas passiert. Die einfach gestrickte Handlung ist dramaturgisch gut strukturiert, wobei Rosenberg das Geschehen nicht nur recht knackig und stimmungsvoll über die Runden bringt (es gibt keine nennenswerten Längen), sondern es auch versteht, die Spannung geschickt am Köcheln zu halten. Blood Games punktet unter anderem mit einer sehr bedrohlichen Grundstimmung, wodurch man ständig das Gefühl hat, daß jederzeit etwas Schreckliches geschehen kann und daß keine der Damen sicher ist. Dies gilt im Besonderen für die zweite Hälfte des Streifens, nachdem die Frauen in eine Sackgasse gelotst wurden, den Bus verlassen und ihr Heil in der Flucht durch den Wald suchen müssen, wo Collins mit seiner Armbrust bereits auf sie lauert. Und auch Holt gibt sein Schlimmstes, um seinen verstorbenen Freund Roy zu rächen. Dies inkludiert auch eine Vergewaltigung, die recht zurückhaltend umgesetzt wurde. Überhaupt vermeidet Rosenberg ausufernde Gewaltdarstellungen und hält sich auch mit allzu selbstzweckhaften Exploitation-Elementen zurück.
Stattdessen verleiht sie den Konfrontationen eine rohe Wucht, die den Schmerz für das Publikum spürbar macht; es gibt jedenfalls so manche Szene, die bei mir für ein unbehagliches Kribbeln in der Magengegend sorgte. Dazu trägt mit Sicherheit auch die Peckinpah'sche Slow-Motion bei, die bei einigen prägnanten Szenen zum Einsatz kommt, verstärkt diese doch die Dramatik der jeweiligen Situation und sorgt für ein ominöses Gefühl der Unausweichlichkeit. Trotz diverser Kritikpunkte - das niedrige Budget ist offensichtlich, darstellerisch gibt es Defizite, die Ausgangssituation ist hanebüchen, das Baseballspiel ist lächerlich, Klischees gibt es zuhauf - ist Rosenberg mit dem Ende der 1980er-Jahre in Kalifornien gedrehten Blood Games ein richtig packender Streifen gelungen, der als Sportfilm beginnt, nur um wenig später einen Haken Richtung grimmiges, aufwühlendes aber letztendlich befriedigendes Survival-Action-Drama zu schlagen. Leider ist die Qualität der mir vorliegenden (eventuell leicht zensierten) Fassung schauderhaft; da hofft man doch wirklich, daß sich endlich ein mutiges Label erbarmt, um den Überlebenskampf von "Babe and the Ballgirls" - so heißt das von Babe (Laura Albert) angeführte Team - in würdiger HD-Qualität zu veröffentlichen. Tanya Rosenbergs einzige Regiearbeit hätte es sich wahrlich verdient.