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„Run“ gehört zu den Filmen, bei denen der Titel Programm ist, denn der Protagonist lässt hier ordentlich die Socken qualmen.
Charlie Farrow (Patrick Dempsey) ist Jurastudent in Harvard, doch im Gegensatz zu vielen Kommilitonen das Kind armer Eltern. So muss er sich zur Finanzierung zum einen auf sein immenses Glück beim Pokern, zum anderen auf seinen Job bei der Werkstatt verlassen. Nebenbei hält sich Charlie noch mit Laufen fit – eine Fähigkeit, die man immer gut gebrauchen kann, wie bereits Dustin Hoffman in „Der Marathon-Mann“ lernen musste.
Doch vorerst bewegt sich Charlie fahrenderweise fort als er im Auftrag seines Bosses ein Auto nach Atlanta überführen soll. Der Motor streikt jedoch und Charlie muss ihn reparieren lassen. Um sich die Zeit zu vertreiben geht Charlie in seinem Casino spielen und sahnt haushoch ab – was den zwielichtigen Denny (Alan C. Peterson) verärgert. Es kommt zum Streit, bei dem Denny durch einen Unfall stirbt. Nicht unbedingt glaubwürdig, aber es setzt die Handlung in Gang.

Denn der Getötete ist unglücklicherweise der Sohn des mächtigsten Mannes der Stadt, des Gangsterbosses Matt Halloran (Ken Pogue). So sind bald dessen Häscher sowie einige korrupte Bullen hinter Charlie her, der nur eines tun kann: Um sein Leben rennen!
„Run“ ist ein flotter kleiner Film, der seinen Mangel an Originalität vor allem durch hohes Tempo wettmacht: Fast pausenlos ist Charlie auf der Flucht, nahezu jeder versucht ihn zu betuppen oder zu verraten und quasi niemandem kann er mehr trauen. Sicherlich werden etwas zu früh die Fronten geklärt, wer jetzt gut oder böse ist, doch dank der geringen Menge an Verschnaufpausen kommt die Angelegenheit doch recht spannend daher.
Die Action bietet (welche Überraschung bei dem Titel) in erster Linie Verfolgungsjagden, doch gegen Ende auch ein paar Auseinandersetzung mit Fäusten und Schießprügeln. Anfangs ist die Action noch etwas unspektakulär, doch im letzten Drittel finden sich doch ein paar aufregendere Sachen wie die Jagd über den Rummelplatz oder der Showdown. Die Inszenierung ist ordentlich und auch wenn die Action nie Referenzklasse erreicht, so ist sie doch stets nett anzuschauen.

Was „Run“ allerdings etwas in Wanken geraten lässt, ist die Tatsache, dass sich der Drehbuchautor Glaubwürdigkeit nicht unbedingt auf seine Fahne geschrieben hat. Den Unfalltod des Mafiasohnes kauft man dem Film mit einem zugedrückten Auge noch ab, doch danach kommen ein paar richtig dicke Klopse: Die Liebesgeschichte zwischen und der Casino-Angestellten Karen Landers (Kelly Preston) ist unglaubwürdig hoch drei, dass der harmlose Student gegen Ende auf einmal kaltblütig killt wie ein alt gedienter Actionheld wirkt unpassend und wenn die Hose eines Fieslings genau so reißt, dass Charlie daran vom Dach hängt, dann fällt dies selbst dem Zuschauer auf, der sonst eher dazu tendiert Unglaubwürdigkeiten und kleinere Logiklücken zu ignorieren. Durch diese und andere Momente wirkt „Run“ leider oft sehr konstruiert, was den Filmspaß trübt.
Patrick Dempsey macht in der Hauptrolle allerdings einen ziemlich guten Job und erweist sich als sympathischer Held. Kelly Preston hingegen hat einen weniger überzeugenden Auftritt und bleibt dem Zuschauer nicht wirklich im Gedächtnis. Auch die Nebendarsteller agieren solide, aber insgesamt wenig einprägsam.

Schlussendlich bekommt der Zuschauer mit „Run“ eine grundsolide Hetzjagd serviert, die temporeich und spannend daherkommt, die aber ziemlich unglaubwürdig ist. Nette, nicht allzu spektakuläre Action, aber kein großer Wurf.

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